# taz.de -- Serie „Ein mächtiger Gegner“ auf Arte: Keine Zeit für einen Quickie
> Eine junge Anwältin löst sich in der Serie „Ein mächtiger Gegner“ (Arte)
> von Karriereträumen und kämpft gegen einen skrupellosen Bergbau-Konzern –
> ohne Subtilität.
(IMG) Bild: Ein mächtiger Gegner: Sarah gibt ihre Aussage zu Protokoll
Eine junge Frau liegt im Bett und wacht auf, weil von der Decke Blut auf
sie, ausgerechnet auf ihr Dekolleté, tropft … Die nächste Szene spielt 24
Stunden zuvor. Dieselbe junge Frau, jetzt in einem durchgestylten
Hochhaus-Apartment, hat gerade ihr morgendliches Fitness-Programm
absolviert, für einen Quickie mit dem gut gebauten Freund auf der
Kücheninsel bleibt wirklich keine Zeit mehr, die karrierebewusste
Wirtschaftsanwältin (Caroline Dhavernas) ist gerade dabei, einen
200-Millionen-Deal einzufädeln. Splatter-Horror oder Anwalts-Soap? Weder
noch.
„Vor dem Hintergrund kollidierender ökonomischer Interessen und
ökologischer Notwendigkeiten gerät die Anwältin eines kanadischen
Bergbauunternehmens in ein Geflecht aus Betrug und Verrat“, bewirbt der
Sender Arte die kanadische Serie (Regie: Sophie Deraspe). Im
französischsprachigen Original heißt sie „Ravages“, was so viel heißt wie
„Verwüstungen“, und nicht ganz so lieblos-beliebig klingt wie der deutsche
Titel: „Ein mächtiger Gegner“.Und grundsätzlich will man sich ja schon
freuen, wenn eine Serie mal nicht aus den USA kommt.
Die kleinen Länder Dänemark und Israel haben mit ihren Serien-Wundern
Geschichte geschrieben. Nun hat Kanada immerhin halb so viele Einwohner wie
Deutschland, von der Fläche ganz zu schweigen. Aber serienmäßig ist das
Land, [1][das der amtierende amerikanische Präsident sich einzuverleiben
auch schon einmal angekündigt hatte], [2][bevor dann Grönland in seinen
Fokus geriet], noch ein Sympathie-Punkt – doch eher ein Zwerg. In den
1990ern gab es da die charmante Jugendserie „Amanda und Betsy“ – jüngere
Erfolge wie „Orphan Black“ und „[3][Vikings]“ waren schon keine rein
kanadischen Produktionen mehr.
Jetzt also „Ravages“, Verwüstungen. Die hinterlässt der Konzern Minexore
überall, wo er in seinen Minen Lithium abbaut und dabei die Umwelt mit
Zyanid verseucht. Die Menschen sterben an Krebs oder werden, wenn sie
protestieren, ermordet. Nicht nur im fernen Guatemala, sondern nun auch in
Kanada, in Montreal, wo sich eine der Anführerinnen des Protests
ausgerechnet über der Wohnung einquartiert hat, in der die Mutter der
Junganwältin ihr Zuhause hat. In deren Bett also die Tochter liegt, als das
Blut aus dem aufgeschlitzten Hals der Aktivistin durch die Decke tropft,
siehe oben.
Damit ist schon gleich einmal klargestellt, dass diese Serie auf nichts
weniger Wert legt als auf Subtilität und Zwischentöne. Der „mächtige
Gegner“ aus dem deutschen Titel ist ein Fiesling, wie er im (schlechten)
Buche steht: großkotzig, skrupellos, einfach nur böse. Der Chef der
Wirtschaftskanzlei in seinen Diensten (es ist natürlich die Kanzlei, in der
die Heldin Karriere machen will) tritt konzilianter auf – und wirkt dadurch
nur um so schmieriger.Auf der (guten) Gegenseite: ein Mordermittler (Robin
Aubert), der äußerlich – mit langen, Haaren, Zottelbart und Strickjacke –
nach dem Dude aus „The Big Lebowski“ kommt, sich seine Methodik jedoch bei
Inspektor Columbo abgeguckt zu haben scheint. Mit dem trotteligen Auftreten
überspielt er nur seinen Scharfsinn.
An seiner Seite wandelt sich die junge Anwältin bald vom Saulus zum Paulus,
sie wechselt aus der noblen Kanzlei in das Lager der Umweltaktivisten – und
damit auch den Duktus: „Jetzt lasst uns scheiß Minexore ordentlich ein paar
aufs Maul hau’n! Los geht’s!“ Die mäßig gelungene Synchronisation (von
Studio Hamburg Synchron GmbH) macht ihre Entwicklung nicht eben
glaubwürdiger.Schön wär’s, aber „Ravages“ läutet leider kein kanadisches
Serienwunder ein.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jens Müller
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