# taz.de -- Serie „The Kollective“: Fünf Freunde in den seligen 1980ern
> Der Politthriller „The Kollective“ erzählt von jungen
> Investigativjournalist:innen, globalen Machtspielen und dem Comeback der
> großen TV-Koproduktion.
(IMG) Bild: Diese „fünf Freunde“ bilden ein länderübergreifendes Kollektiv
Kinshasa, Nantes, London, Amsterdam, Berlin, Budapest, Moskau, Riga, Sankt
Petersburg. Schon die Zahl der Handlungsorte ist beeindruckend. Und es ist
vermutlich das erste Serienfinale einer – auch – deutschen Serie seit 1985,
seit „Jenseits der Morgenröte“, ebenfalls ein Sechsteiler, das in der
Amurregion an der russisch-chinesischen Grenze ausgetragen wird.
Ach, die seligen 1980er. Damals wurde unter dem Kommissionspräsidenten
Jacques Delors der Plan eines europäischen Binnenmarktes vorangetrieben –
die Zeichen standen auf Kooperation. Deutsche, französische, italienische
und britische Fernsehanstalten entwickelten in Koproduktion den Sechsteiler
(plus Pilotfilm) „Mission Eureka“ (1989): einen Politthriller inklusive
Raumfahrtprogramm und Killer-Computer.
Darauf läuft es, nach einigen Umwegen an, wie gesagt, zahlreichen
Schauplätzen am Ende auch bei „The Kollective“ hinaus. Es soll nicht zu
viel gespoilert werden. Jedenfalls ist auch diese Serie eine gemeinsame
Produktion von ZDF, France Télévisions und Rai. Der europäische Gedanke
lebt!
Von dem Journalisten, der sich zu Beginn der Serie in Kinshasa in ein
Flugzeug setzt, kann man das bald nicht mehr sagen. Das Flugzeug stürzt ab.
Und den auf fünf (west-)europäische Metropolen (s.o.) verteilten
Mitgliedern von „The Kollective“ schwant sofort, dass das kein Unfall sein
kann. Mit Ausnahme des vom 1976 geborenen Franzosen Grégory Montel
gespielten Etienne sind sie alle Digital Natives: gewohnt, ihre
(Open-Source-)Recherchearbeit an der Tastatur zu erledigen. [1][Sie
verstehen sich als investigative Journalisten], aber bestreiten ihren
Lebensunterhalt als Kellner oder Samenspender. Die herkömmlichen
Qualitätsmedien lehnen sie ab, sie haben einen Kodex: „Unsere
Unabhängigkeit ist unser wichtigstes Prinzip.“
## Wenig zimperlich
Die Prinzipien werden im Verlauf der Handlung immer wieder diskutiert und
infrage gestellt. „Wir sind investigative Journalisten. Keine
Geheimagenten.“ „Aber wir sind so nah dran. Und all die Opfer müssen doch
irgendeinen Sinn gehabt haben.“
Opfer gibt es einige, in dieser Hinsicht ist die Serie so wenig zimperlich
wie ein beliebiger Bond-Film. Und wenn das rührige Miteinander der Fünf
zunächst noch an Jugendserien wie „Fünf Freunde“ denken lässt, ist damit
spätestens nach der ersten Folge Schluss: Die nämlich auch einer von ihnen
nicht überlebt.
Und obschon auch diese Produktion (mit den Stars Natasha McElhone und
Moritz Bleibtreu in Nebenrollen) sich alle Mühe gibt, die digitale
Kommunikation und Recherche futuristisch zu bebildern – eine Geschichte
lässt sich so nicht erzählen, Spannung nicht erzeugen. Dafür müssen die
Nachwuchsjournalisten raus vor die Tür. Zuerst mal nach Kinshasa, wo der
ermordete Journalist brisanten Zusammenhängen zwischen dem Coltan-Abbau in
kongolesischen Minen, den dort anstehenden Präsidentenwahlen und
skrupellosen russischen Söldnern auf der Spur war.
Die Serie nimmt für sich in Anspruch, „von wahren Ereignissen“ inspiriert
zu sein. Offensichtliches Vorbild für „The Kollective“ ist das
Recherchenetzwerk Bellingcat, das sich Meriten erworben hat mit seinen
Untersuchungen zum Abschuss der Passagiermaschine MH-17 über der Ukraine
und zur Vergiftung des Ex-Agenten Skripal mit dem Nervengift Nowitschok.
Auch die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkówskaja, das
Undercover-Telefonat Alexej Nawalnyjs mit einem seiner FSB-Attentäter und
der – mutmaßlich – israelische Computerwurm Stuxnet dienten als Referenzen.
## Die seligen 1980er
Immer wieder werden die Jäger zu Gejagten, entkommen namentlich Delia und
Aaron ihren Verfolgern nur knapp. Gespielt werden sie von Céline Buckens,
die ihren ersten Auftritt in Spielbergs „War Horse“ hatte, und Felix Mayr.
Den kann man aktuell auch kurz in der – in Berlin spielenden – zweiten
Staffel der Apple [2][TV-Serie „Hijack“] sehen. Das ist eine britische
Produktion – ganz selbstverständlich sprechen da die Deutschen in Berlin
Deutsch miteinander.
In „The Kollective“ müsste es noch viel vielsprachiger zugehen – die vom
ZDF hiesigen Zuschauern angebotene Version kennt für die Konversation an
sämtlichen Schauplätzen nur eine Sprache: Deutsch. Wie einst in den seligen
1980ern.
23 Jan 2026
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## AUTOREN
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