# taz.de -- Klare Verhältnisse im Spitzenmatch: Nur 80 Minuten
       
       > RB Leipzig macht eine Halbzeit lang das perfekte Spiel gegen den FC
       > Bayern und verliert am Ende 1:5. Das wird für die ganze
       > Männer-Fußballbundesliga zum Problem.
       
 (IMG) Bild: Wieder dabei, wenn es was zu Jubeln gibt: Jamal Musiala
       
       Schaut man nur auf das Ergebnis, war die wichtigste Nachricht für den
       deutschen Fußball das, was in Leipzig in der 87. Minute passierte. 196 Tage
       nach seiner Horrorverletzung wurde Jamal Musiala eingewechselt und von den
       vielen Bayern-Fans im ehemaligen Zentralstadion mit Standing Ovations
       gefeiert. Nach kaum mehr als einer Minute bereitete er den Treffer zum
       5:1-Endstand vor, erzielt durch Michael Olise (88.).
       
       Eine schöne Geschichte, nachdem sich Musiala im Sommer bei der Klub-WM
       gegen Paris St. Germain einen Wadenbeinbruch zugezogen hatte. Das dürfte
       die Hoffnung auf eine erfolgreiche deutsche WM-Teilnahme vergrößern. „Es
       freut mich sehr, dass Jamal heute sein Comeback gefeiert hat“, sagte
       Nationalmannschaftskollege und RB-Kapitän David Raum. „Wir können froh
       sein, wenn er fit ist und am Platz ist, auch für die Nationalmannschaft.“
       
       Ansonsten wirkte auf den ersten Blick alles wie business as usual für den
       Rekordmeister, der in der Tabelle weiter einsam seine Kreise zieht. Doch
       ganz so einfach war es nicht. Leipzig dominierte die Bayern eine Halbzeit
       lang regelrecht, spielte 80 Minuten das fast perfekte Spiel, das eine
       Mannschaft gegen die Münchner aktuell spielen kann, nur um am Ende –
       Verzeihung – eins auf die Schnauze zu bekommen. Was für ein Signal.
       
       „Die haben uns richtig Probleme gemacht in der ersten Halbzeit, waren klar
       die bessere Mannschaft“, sagte Vincent Kompany nach der Partie bei Sky. „Es
       fühlte sich an, als wären sie doppelt so gut wie wir.“ RB hatte im ersten
       Durchgang fünf gute Abschlüsse im Strafraum, aber nur Romulo (21.)
       verwertete einen davon. „Wir hätten höher führen müssen, wenn du gegen die
       Bayern solche Chancen bekommst“, analysierte Leipzigs Trainer Ole Werner.
       
       ## Doch dann …
       
       Nach der Halbzeit wurden die Bayern besser, schnürten die Hausherren
       erstmals ein, ohne zunächst dominant zu sein. Die Kaltschnäuzigkeit des
       Seriensiegers zeigte sich nach Leipziger Fehlern: Christopher Baumgartner
       spielte einen katastrophalen Fehlpass in die Füße von Serge Gnabry (50.),
       der zum Ausgleich traf. Wenig später rutschte Ridle Baku unglücklich weg –
       genau vor Harry Kane (67.), der die Führung erzielte.
       
       „Zweite Halbzeit: Mein Gott! Die Jungs haben geliefert“, sagte Kompany.
       Seine Mannschaft habe sechs Kilometer mehr abgespult als der Gegner. „Es
       war pure Alte-Schule-Mentalität: Laufen, kämpfen, grätschen.“ Und Qualität
       von der Bank: Der blasse Lennart Karl wurde nach 57 Minuten durch den
       formstarken Olise ersetzt, der das Spiel fast alleine drehte. An allen vier
       Treffern nach seiner Einwechslung war er beteiligt: das 2:1 vorbereitet,
       das 3:1 durch Jonathan Tah (83.) ebenso wie das 4:1 durch Aleksandar
       Pavlović (85.). Den Schlusspunkt setzte er selbst.
       
       ## Darf nicht passieren
       
       „Das darf uns so nicht passieren, wir müssen das kritisch analysieren“,
       sagte RB-Kapitän Raum über die drei Gegentreffer in den letzten zehn
       Minuten. „Wir haben dann den Kopf verloren.“ Besonders ärgerlich nach dem
       guten Start: „Wir haben mutig gespielt, hohe Ballgewinne gehabt und
       Torchancen herausgespielt.“ Vor allem das Flügelspiel über Yan Diomande und
       Antonio Nusa hatte den Bayern zugesetzt. Es half alles nichts.
       
       „Wir können nicht die Qualität auf der anderen Seite komplett über 90
       Minuten verhindern“, musste Werner eingestehen. Nach dem herben 0:6 beim
       Auftaktspiel gegen die Bayern in München gab es die nächste Packung. Dabei
       hatten sich die Leipziger nach dem Umbruch im Sommer mittlerweile auf den
       Champions-League-Plätzen festgebissen, zählen also zu den Topteams der
       Liga. „Dass die Bayern dieses Jahr klar über dem Rest stehen, das hat nicht
       nur dieser Abend heute gezeigt“, sagte Werner.
       
       Erschreckend ist, dass den Bayern zehn Minuten reichten, um aus einem
       knappen Spiel ein Desaster zu machen. Wenn selbst Topteams so zerfallen,
       was sagt das über die Liga? Am Samstag fühlte es sich an, als könne man den
       Bayern schon zur Meisterschaft gratulieren. Im Viertelfinale des DFB-Pokals
       sehen sich die beiden Mannschaft in rund dreieinhalb Wochen wieder. Die
       nächste Abreibung? „Wir werden den dritten Anlauf nehmen und sicher nicht
       vorzeitig die weiße Fahne hissen“, versprach Werner.
       
       18 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Held
       
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