# taz.de -- Kritik am Internationalen Roten Kreuz: Aggressor und Opfer nicht gleichsetzen
       
       > Der ukrainische Außenminister bezeichnet eine Stellungnahme der
       > Hilfsorganisation als „beschämend“. Das steht drin.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kündigt diplomatische Schritte an
       
       Im ukrainischen Außenministerium ist man empört über eine jüngste Erklärung
       des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC). Außenminister Andrij
       Sybiha bezeichnete die Stellungnahme als „beschämend“ und kündigte
       diplomatische Schritte an.
       
       Auf der Plattform X erklärte Sybiha: „Eine falsche moralische
       Gleichwertigkeit zwischen dem Aggressor und dem sich verteidigenden Staat
       ist unzulässig.“ Im Gegensatz zu Russland handle die Ukraine im Einklang
       mit dem internationalen humanitären Recht sowie mit ihrem unveräußerlichen
       Recht auf Selbstverteidigung.
       
       Auslöser der Vorwürfe des ukrainischen Außenministeriums war [1][eine
       Erklärung des ICRC], in dem Ariane Bauer, ICRC-Regionaldirektorin für
       Europa und Zentralasien, beklagte, dass als Folge der Luftangriffe „auf die
       kritische Infrastruktur in der Ukraine und Russland [2][Millionen Menschen
       bei eisigen Temperaturen in Kyjiw], Dnipro, Belgorod und anderen Gebieten
       ohne Strom, Wasser und Heizung“ sind. Angriffe, die der Zivilbevölkerung
       unverhältnismäßigen Schaden zufügen – unter anderem durch den Entzug des
       Zugangs zu lebenswichtigen Dienstleistungen wie Strom und Heizung, die
       derzeit für das Überleben unerlässlich seien, seien verboten, so Ariane
       Bauer auf der offiziellen Facebook-Seite des ICRC.
       
       ## Zweifel an der Glaubwürdigkeit des ICRC
       
       Für Unmut sorgt im ukrainischen Außenministerium der Umstand, dass
       ukrainische Städte wie Kyjiw und Dnipro in einem Atemzug mit der russischen
       Stadt Belgorod genannt werden. Eine derartige Gleichsetzung von Angreifer
       und Opfer des Überfalls will man so nicht zulassen. Außenminister Sybiha
       kündigte an, den Chef der ICRC-Delegation in der Ukraine ins
       Außenministerium einzubestellen, um die Position der Organisation zu
       erklären.
       
       Zugleich äußerte der Minister Zweifel an der Glaubwürdigkeit des ICRC.
       Dessen Ruf befinde sich als Folge derartiger Erklärungen, die die
       russischen Kriegsverbrechen weißwaschen, in einer Krise, da solche
       Erklärungen russische Kriegsverbrechen relativierten. Dies gehe mit einem
       Vertrauensverlust der Organisation einher, zitiert das ukrainische Portal
       korrespondent.net den Minister.
       
       In diesem Zusammenhang wies Sybiha auf die aus seiner Sicht anhaltende
       Unfähigkeit des ICRC hin, Zugang [3][zu ukrainischen Kriegsgefangenen und
       Zivilisten zu erhalten, die von Russland illegal festgehalten werden].
       Während die Ukraine dem ICRC Zugang zu russischen Kriegsgefangenen gewährt,
       verwehrt Russland dem ICRC den Zugang zu ukrainischen Gefangenen. Das ICRC
       hatte auch vor 2022 keinen Zugang zu Gefangenen, die von den
       ostukrainischen Separatisten gefangen genommen worden waren.
       
       In einer weiteren Stellungnahme forderte Sybiha die Verantwortlichen der
       Erklärung auf, ihre „warmen Büros“ zu verlassen und selbst in die Ukraine
       zu kommen. Ein Tag in einem unbeheizten Haus könne möglicherweise helfen,
       „das Gefühl für die Realität wiederzufinden“, zitiert korrespondent.net den
       Minister.
       
       ## Angriff auf die russische Stadt Belgorod
       
       Am 9. Januar haben die ukrainischen Streitkräfte die Region Belgorod
       angegriffen. Dies berichtet der ukrainische Dienst der Deutschen Welle
       unter Berufung auf russische Quellen. Infolge der Angriffe seien rund eine
       halbe Million Menschen in der Region ohne Strom und Heizung gewesen.
       Vergleichbar mit der Situation in der Ukraine, wo in Städten wie Kyjiw und
       Odessa Millionen von Menschen als Folge der russischen Luftangriffe
       [4][wochenlang ohne Heizung und nur wenigen Stunden Strom am Tag leben
       müssen], ist das nicht.
       
       16 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.facebook.com/ICRC/posts/recent-strikes-on-critical-infrastructure-in-ukraine-and-russia-have-left-millio/1362407455926367/
 (DIR) [2] /Krieg-in-der-Ukraine/!6144146
 (DIR) [3] /Sofi-Oksanen-ueber-Kindesentfuehrungen/!6127304
 (DIR) [4] /Russische-Luftangriffe-auf-Kyjiw/!6144639
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
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