# taz.de -- Film „Aisha Can’t Fly Away“: Ihre Wünsche bleiben fiebrige Träume
> In seinem Spielfilmdebüt „Aisha Can’t Fly Away“ erzählt Regisseur Morad
> Mostafa von Arbeitsmigration. Seine Protagonistin zeigt sich unbeweglich.
(IMG) Bild: Mit unbeweglicher Miene: Aisha (Buliana Simon Arop) in „Aisha Can’t Fly Away“
So etwas nennt man nicht Reisen, sondern Arbeitsmigration: Die junge
Sudanesin Aisha (Buliana Simon) ist nach Ägypten gekommen, um als
Pflegekraft zu arbeiten. Was sie verdient, schickt sie ihrer Familie, die
unter dem Bürgerkrieg in Sudan leidet. Untermalt von den permanenten
Verkehrsgeräuschen eines geschäftigen, staubigen Viertels in Kairo hilft
Aisha alten Menschen in leeren Apartments, sie putzt, füttert, setzt
Spritzen und liegt abends allein auf dem Bett ihrer schäbigen Wohnung.
Dass die vom Verwalter dieser Wohnung, dem Kleingangster Zuka (Ziad Zaza)
angeführte Nachbarschaftsgang vor ihrem Fenster Drogen dealt, nimmt sie
ebenso regungslos hin wie die unfaire Behandlung, die sie und ihre
Kolleginnen generell erfahren. Selbst die Treffen mit dem Koch Abdoun (Emad
Ghoniem), der für Aisha ab und an Essen zubereitet, scheinen nichts an
ihrer stillen Einsamkeit zu ändern.
Und es geht noch schlimmer: Zuka zwingt Aisha, ihm Zutritt zu den Wohnungen
ihrer Klient:innen zu verschaffen, um dort einzubrechen. Selbst, als
Aishas Arbeitgeber sie verdächtigt, droht Zuka ihr weiter. Kurz darauf
breitet sich ein merkwürdiger Hautausschlag auf Aishas Körper aus. Doch
erst als Aishas neuer Klient, Herr Khalil (Mamdouh Saleh), sie sexuell zu
missbrauchen beginnt, scheint Aisha sich der Abwärtsspirale bewusst zu
werden, in der sie gefangen ist.
Der programmatische Titel von Morad Mustafas Debütfilm „Aisha Can’t Fly
Away“ vermittelt die Schwere und Verzweiflung, in der seine Heldin steckt:
Aisha kann nicht wegfliegen. Sie klebt, das steht von Anfang an außer
Frage, am untersten Ende jeglicher Treppen fest – als Schwarze, von Armut
betroffene Migrantin, als Frau, als Fremde ohne Freund:innen oder
Verwandte.
Buliana Simons verschlossenes, durch eine Iris-Heterochromie sehr
besonderes Gesicht bleibt im Film fast unbeweglich – der ägyptische
Regisseur lässt sie nur einmal ein Lachen zeigen, als sie mit anderen
Sudanesinnen Abendbrot isst und die Schwere des Alltags, die Umstände und
auch den dunklen Hidschab für eine kurze Zeit ablegen kann. Doch dieses
Aufblitzen von Alternativen, von Solidarität, Freundschaft, Glück, wird
direkt wieder von der Gewalt auf den Straßen und im Alltag, und von Aishas
rätselhaft-bedrohlichem Allgemeinzustand weggewischt.
## Ungerechtigkeiten beobachten
So ist Morad Mustafas Film zwar als notwendiges und relevantes Plädoyer
gegen intersektionale Ausbeutung, gegen Gewalt und Misogynie lesbar. Auf
der anderen Seite bleibt die Distanz zu seiner Protagonistin zu groß, ihre
Zeichnung zu einseitig, die Probleme sind zu klischiert. Auch [1][der Body
Horror] ihrer fiebrigen Träume, durch die wie ein Alter Ego ein
(flugunfähiger) Strauß geistert, ändern nichts an Aishas Handeln in der
realen Welt.
Vielleicht hält der Regisseur den Abstand absichtlich aufrecht, um seinem
Hauptcharakter gegenüber nicht übergriffig zu werden. Das lange, teilweise
redundante Observieren von Ungerechtigkeiten allein schafft aber zu wenig
Empathie: Man würde so gern deutlicher hören, was Aisha denkt und fühlt;
was sie erlebt hat und zu erleben hofft.
Jemanden seine Wünsche gar nicht erst ausdrücken zu lassen, hat schließlich
fast den gleichen Effekt, wie sie zu verweigern. Die „Action“, die am Ende
des langen Films doch noch zu einer – kleinen – Veränderung führt, ist
zudem nur teilweise einer Selbstermächtigung zuzuschreiben. Wirklich aktiv
wird Aisha nämlich nicht.
„Aisha Can’t Fly Away“ gelingen dennoch eindringliche Visuals wie etwa das
Plakatmotiv: Aisha trägt beim leisen Versteckspiel mit dem Kind eines
Klienten eine Superheldenmaske über dem Hidschab, die wie ein Kommentar zum
Titel wirkt. So eine Superheldin, so eine Catwoman, die würde bestimmt
kräftig die Krallen ausfahren.
15 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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