# taz.de -- Britische Popband Insecure Men: Melancholie und Malaise
> Die britische Popband Insecure Men veröffentlicht mit „A Man for all
> Seasons“ ein Album, das pessimistisch und zugleich hoffnungsvoll ist.
(IMG) Bild: Braucht mehr Aufmerksamkeit: Saul Adamczewski von Insecure Men
Wer auf den gängigen Streaming-Plattformen nach dem Bandnamen Insecure Men
sucht, muss erst mal eine halbe Ewigkeit durch Mental-Health-Podcasts nach
unten scrollen. Diese Podcasts machen sich auf der Langstrecke dann
Gedanken, ob es noch okay sei, Männer zu daten, oder, weshalb „weibliche
Lebensenergie blockiert“ sei, bis man endlich auf die gesuchte Band stößt.
Von daher: Es wäre vielleicht heilsamer, weniger Podcasts zu hören und
vermehrt auf musikalische Entdeckungsreisen zu gehen. Wobei Insecure Men
strenggenommen keine Newcomer sind. Denn dahinter steckt zum einen der
britische Musiker Saul Adamczewski, [1][der als Mitglied der Band Fat White
Family] bereits in den Zehnerjahren erfolgreich die Gemüter erregt und die
Medien provoziert hatte und für anarchische musikalische Erfrischung im
mittlerweile ziemlich eintönigen Popbusiness auf der Insel gesorgt hat.
Ben Romans-Hopcraft, der andere Songwriter von Insecure Men, hat hingegen
vorher mit der Band Childhood verträumt geschmeidigen Indierock gemacht –
der klang eher solide als gewagt. Zusammen gründet das Duo also 2015
Insecure Men mit weiteren Musikern und vereint nun die gute Hässlichkeit
der einen mit der schlechten Schönheit der anderen Band. Es heißt, dass
Künstler*innen ein Unglück brauchen, um sich kreativ voll entfalten zu
können. Kann schon sein.
## Schwierige Phase
Das Album „A Man For All Seasons“ fußt vor allem auf Adamczewskis
Songschöpfungen aus einer Schaffensphase, die von mentalen Konflikten,
Melancholie und Malaise geprägt war. „Love Again“ beginnt pessimistisch:
„The Horizon, is not always a new beginning/ The talk runs thin, so you
walk again/ Blessed by the wind“, [2][doch die Bossa-Nova-Exotica-Anmutung]
der Musik klingt hoffnungsvoll.
Die verschiedenen musikalischen Ebenen in den Songs der Insecure Men sind
vordergründig optimistisch, selbst das Saxofon findet dafür eine
eigenwillige Klangfarbe. Während man beim ersten Hören enthusiastisch
reagiert, gerät der zweite Höreindruck schon irritierender: Fröhlich,
freundlich und simpel mutet „Cleaning Bricks“ an, während „Krab“ auch auf
einem Softporno-Soundtrack Platz finden könnte und sich „Graveyard (Of Our
Love)“ fast kitschig banal den Gesetzmäßigkeiten einer Ballade unterwirft.
Jedes Stück klingt anders und doch entsteht Kohärenz, nämlich aus der
Fähigkeit Adamczewskis, die Kontrolle abzugeben: Bandkollegen – neben
Romans-Hopcraft – Marley Mackay, Victor Jakeman, Alex White und Steely Dan
Monte übernehmen dann und fügen jeweils ihren eigenen Stil hinzu, weshalb
die Musik zunächst unkoordiniert erscheint, wenn Bläserarrangements auf
Synthesizer und Vibrafon treffen.
Ein Genesungsprozess verläuft aber auch nicht immer nach Plan. Genauso
wenig klingt „A Man for all Seasons“ als Album stringent. Eher ist es ein
Mosaik unterschiedlichster Gemütslagen – und dadurch wirkt die Musik von
Insecure Men unkompliziert und frei.
## Verdient viel Aufmerksamkeit
Adamczewski hat sich von alten Dämonen befreit und zu einem formidablen
Komponisten entwickelt, der Texte schreibt, die so tieftraurig und integer
sind wie „Drink me slowly/ Drink me gladly/ Drink a hole inside my head“,
oder „You want it darker/ I want it blind/ I wanna peel off the back of
your eyes“. Es ist keine leichte Kost und verdient darum eingehende
Auseinandersetzung und viel Aufmerksamkeit.
Der offene Umgang mit seiner Vergangenheit ist für den Mastermind
Adamczewski kein Anliegen, das er mit künstlich geschaffener zerbrochener
Künstlerseele inszeniert; es ist auch kein in Selbstmitleid ertrinkendes um
sich selbst Kreisen, er spricht damit bloß eine Entschuldigung an seine
Mitmenschen aus: „Would you love me/ Would you tell me/ That you loved me
when I do all those terrible things/ Those unforgivable things / I guess
you won’t/ Neither would I/ So goodbye“.
Adamczewski schreibt selbst: „Es klingt total kitschig, aber es geht darum,
die Wahrheit zu finden, eine innere Wahrheit oder einen Sinn. Genau das
versuche ich gerade. Das Leben ist hart und ich habe es mir nicht leicht
gemacht, schon gar nicht für die Freunde. Aber Musik kann heilen und
helfen, das alles zu überstehen.“ Wenn sie dabei so drohend dröhnt und
beunruhigend erblüht wie beim Song „Butter“, ist der Heilungsprozess auf
bestem Wege.
15 Jan 2026
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## AUTOREN
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