# taz.de -- US-Baseball nach Venezuela-Angriff: Die Frage, ob die Profis wirklich trainieren dürfen
       
       > Der Militärschlag der USA gegen Venezuela hat auch den Sport getroffen.
       > Aus dem südamerikanischen Land kommen einige der Superstars des
       > Baseballs.
       
 (IMG) Bild: Star in Venezuela und einer der Besten in der Major League Baseball: José Altuve von den Houston Astros
       
       Man weiß bis heute nicht so ganz genau, was [1][Donald Trump] sich dabei
       gedacht hat, als er am 3. Januar [2][Nicolás Maduro] entführen ließ. Sicher
       scheint mittlerweile jedoch, dass er sich nicht allzu lange damit
       aufgehalten hat, eine Strategie für das Danach zu entwerfen. Ganz gewiss
       hat er jedoch keine Sekunde darauf verschwendet, sich zu überlegen, was die
       Aktion für den [3][Baseballsport] bedeutet.
       
       Dabei sind die Folgen für den Sport, wie für viele Lebensbereiche,
       möglicherweise beträchtlich. Die Verzahnung der US-Profiliga MLB mit
       Venezuela ist seit Jahrzehnten tief. Und die Lage in Venezuela könnte schon
       auf die kommende Saison Auswirkungen haben.
       
       So hingen am Morgen des 4. Januar in den Büros der großen Clubs Dutzende
       von Angestellten an den Telefonen, um herauszubekommen, wo ihre Spieler
       sind. Nicht weniger als 63 Profis venezolanischer Abstammung spielen in der
       MLB, darunter Superstars wie [4][José Altuve], Ronald Acuña Jr. und Jackson
       Chourio.
       
       Immerhin konnten sich die Houston Astros, die gerade einen Vertrag über 125
       Millionen mit Altuve unterzeichnet haben, beruhigen. Der
       Second-Base-Spieler ist in diesem Winter nicht nach Hause geflogen, sondern
       ist in Texas geblieben. Ronald Acuña Jr. spielte zwar wie viele
       venezolanische Profis in der Winterliga für seinen Heimatverein La Guaria.
       Doch zur Erleichterung der Atlanta Braves zeigte sein Instagram-Konto ihn
       noch nach der Militäraktion Trumps beim Training.
       
       Auch die Boston Red Sox konnten mit ihren Spielern Wilyer Abreu, Willson
       Contreras und Carlos Narváez Kontakt aufnehmen, sie scheinen in Sicherheit
       zu sein. Und die Spieler der Kansas City Royals Salvador Perez, Maikel
       Garcia sind ebenfalls unversehrt.
       
       ## Reisebeschränkungen gefährden das Frühjahrstraining
       
       So können wohl die meisten Teams damit rechnen, dass ihre Spieler zum
       Beginn des Frühjahrstrainings wieder in den USA sind. Auch wenn bislang
       noch unklar ist, wie die Reisebestimmungen zwischen Venezuela und den USA
       bis dahin aussehen. Noch herrschen massive Reisebeschränkungen für
       Venezolaner in die USA, mit Forderungen von bis zu 15.000 Dollar für ein
       Visum. Alleine durch die Intervention eines republikanischen Senators
       konnte im Herbst etwa eine venezolanische Jugendmannschaft über Kolumbien
       in die USA gelangen.
       
       Aber das dürften für den Baseballsport langfristig eher die geringeren
       Sorgen sind. Venezuela ist für den US-Nationalsport zusammen mit der
       [5][Dominikanischen Republik] das wichtigste Ausland. Seit den Zeiten des
       großen Luis Aparicio, der mit Baltimore 1966 die World Series gewann, gilt
       das Land als der größte Talentpool für den Sport in Lateinamerika.
       Gleichzeitig ist die Baseball-Begeisterung in [6][Venezuela] so groß, dass
       die MLB ohne den venezolanischen Markt massive Einbußen in Kauf nehmen
       müssten.
       
       Die Baseballbeziehungen zwischen den Ländern haben allerdings bereits unter
       der Maduro-Regierung gelitten. Die zahlreichen Baseball-Akademien, die
       US-Teams dort unterhielten, um Talente heranzuzüchten, mussten schließen.
       Sie wurden durch „Akademien“ von Agenten ersetzt, die dort ihre eigenen
       Exportartikel züchten. Die Armut hat ihnen derweil immer mehr junge Spieler
       in die Arme getrieben, die auf das goldene Los hoffen. In der überwiegenden
       Mehrheit der Fälle werden diese Hoffnungen jedoch enttäuscht.
       
       Auch der Betrieb der Winterliga hat gelitten, in der sich einst nicht nur
       einheimische Stars, sondern auch amerikanische Topspieler die Saisonpause
       vertrieben und die einzigartige Atmosphäre in venezolanischen Stadien
       genossen. In den vergangenen Jahren wurde der Austausch jedoch immer
       problematischer.
       
       Nun könnte man hoffen, dass die Dinge für beide Seiten besser werden, wenn
       Trump in Zukunft den Laden schmeißt, wie er das ausdrückt. Doch da zu
       vermuten ist, dass er nicht die geringste Ahnung hat, was das bedeutet,
       dürften die venezolanisch-amerikanischen Baseballbeziehungen auch nicht so
       schnell wieder besser werden. Was für beide Seiten schade ist.
       
       13 Jan 2026
       
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