# taz.de -- Spielausfälle in der Bundesliga: Als ob wir keinen Winter bräuchten
       
       > Der Fußball hat sich zum Ganzjahressport gemausert. Doch er ignoriert,
       > dass auch der Rasen einmal eine Pause braucht. Eine Branche übernimmt
       > sich.
       
 (IMG) Bild: Vielleicht bespielbar, aber nicht wirklich betretbar: das Bremer Weserstadion
       
       Eine Entwicklung ist im deutschen und internationalen Fußball der
       vergangenen Jahre zu registrieren. Er dehnt sich immer mehr über das
       gesamte Kalenderjahr aus. Wenn nicht gerade [1][Bundesliga] ist, dann wird
       irgendein Pokal ausgespielt. Oder die Fifa oder die Uefa lassen zu
       irgendeinem Klub- oder Nationalmannschaftsturnier oder Ligabetrieb
       antanzen. [2][Ganzjahressport].
       
       Lange hatte der Fußball geglaubt (und einige glauben sogar heute noch
       daran), dass das Spiel komplett von allen gesellschaftlichen, politischen
       und ökologischen Entwicklungen unabhängig sei. Eine Welt, deren Spielgerät
       zwar rund sein mag, aber deren Grenzen ein Rechteck sind, dessen Basis aus
       grünem Rasen besteht. Ganzjährig immergrüner Rasen, denn die Vereine haben
       ja [3][Rasenheizungen] eingebaut. Fußball kann sein.
       
       Doch ab und an stören fußballfremde Faktoren diese Illusion. An diesem
       Wochenende war es der Winter. Mag sein, dass der Rasen benutzbar ist, weil
       da geräumt und gewärmt werden kann, [4][aber] die Tribünen und Zufahrtswege
       sind es nicht, und Fans gehören halt auch zum Fußball.
       
       ## Warum Rasen wichtig ist
       
       Doch sogar der Rasen, der ja die physische Grundlage dieses Sports bildet,
       wird seit Jahren aus kurzfristigen Gewinnerwägungen malträtiert, dass es
       nicht mehr lange gut gehen kann. Dass Schnee auch Schutz für geschundenes
       Gras sein kann, wird schlicht ignoriert. Keine Stadionverwaltung lässt das
       Gras mehr wachsen, sondern es wird [5][Rollrasen] verlegt. Taugt der alte
       nichts mehr, wird halt ein neuer hertransportiert.
       
       Gerade, weil der Fußball sich nicht bescheiden mag, weil er nicht ausruhen
       und warten kann und weil die im modernen Sport dominierenden kurzfristigen
       Renditeerwartungen so partout nichts Nachhaltiges haben, wird ihm
       langfristig seine Existenzbedingung entzogen.
       
       Das sind halt so Gedanken, die einem kommen, wenn weder St. Pauli noch
       Werder Bremen spielen.
       
       11 Jan 2026
       
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