# taz.de -- Homöopathie-Schwenk der Südwest-FDP: Die letzten Kügelchen im Lauf
       
       > Die FDP in Baden-Württemberg will, dass die Kassen Homöopathie-Arzneien
       > weiterhin bezahlen. Es ist der verzweifelte Versuch, grüne Wähler zu
       > gewinnen.
       
 (IMG) Bild: Nimmt sich die Kettensägenpolitik des argentinischen Präsidenten Milei zum Vorbild: der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr
       
       Mit der politischen Substanz der FDP ist es, spätestens seit sie aus
       Regierung und Bundestag geflogen ist, ein bisschen wie mit den
       medizinischen Wirkstoffen in homöopathischen Arzneimitteln: nicht messbar.
       Parteichef Christian Dürr schlägt etwa vor, „Verbote zu verbieten“, und
       nimmt sich die Kettensägenpolitik des argentinischen Präsidenten Milei zum
       Vorbild. Und jetzt, zum Auftakt des Wahlkampfs in Baden-Württemberg, sollen
       ausgerechnet die Kassenleistungen für homöopathische – nun ja – Medikamente
       die letzten Kügelchen im Lauf sein, um den politischen Untergang der FDP zu
       verhindern.
       
       Die Liberalen stehen im Land von Theodor Heuss und Klaus Kinkel heute bei
       knapp 5 Prozent, da greifen sie offenbar nach jedem Strohhalm. Und weil die
       Grünen, öffentlich kaum beachtet, kürzlich auf ihrem Bundesparteitag
       beschlossen, Globuli aus dem Katalog der Kassenleistungen zu nehmen – was
       zwar weniger als 10 Millionen Euro spart, aber ein Bekenntnis zur
       wissenschaftsbasierten Medizin ist –, [1][fordert die FDP auf der Suche
       nach der politischen Marktlücke im Südwesten nun halt das Gegenteil].
       
       Landespolitisch spielt das Thema eigentlich keine Rolle, denn diese Frage
       regelt der Bund. Aber in Baden-Württemberg sitzen gleich mehrere große
       Hersteller der wirkstofffreien Tinkturen, und mit Stuttgart als einem
       Zentrum der Anthroposophie gibt es hier viele Anhänger. Vielleicht kann der
       Beschluss ja die eher alternative Klientel zu FDP-Wählern machen – so das
       Kalkül der Liberalen.
       
       Zweifel am Erfolg dieser Taktik drängen sich auf. Noch 2024 hatte die FDP –
       ganz im Sinn der aufklärerischen Wurzeln des Liberalismus – im Bundestag
       selbst vorgeschlagen, das Gesundheitssystem [2][nicht mehr mit Kosten für
       Globuli zu belasten.] Die Begründung der FDP damals: „Sie sind
       wissenschaftlich nicht wirksam.“ Scheint, als würde die Partei jetzt auf
       der verzweifelten Suche nach Wählern den wichtigsten Grundsatz bei der
       Nutzung der Homöopathie außer Acht lassen: Damit sie überhaupt etwas
       bewirkt, muss man wenigstens selbst dran glauben.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/01/02/fdp-landtagsfraktion-steht-zur-homoeopathie
 (DIR) [2] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-07/homoeopathie-krankenkassen-fdp-kostenlos
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Stieber
       
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