# taz.de -- Maßnahme gegen Elektroschrott: Recht auf Reparatur kommt, Thüringer Reparaturbonus geht
       
       > Nur 1,7 Prozent der kaputten Elektrogeräte werden repariert – dabei wäre
       > das bei bis zu 15 Prozent möglich. Thüringen hat damit Erfahrungen
       > gesammelt.
       
 (IMG) Bild: Das funktioniert doch noch! Reparatur eines Smartphones in einem Repair Café
       
       Für Smartphones, Waschmaschinen und eine Reihe anderer Geräte soll ab
       diesem Sommer ein Recht auf Reparatur gelten – auch über die
       Gewährleistungsfrist hinaus. Eine dazu geplante gesetzliche Regelung macht
       den Herstellern konkrete Vorgaben. Sie soll sich positiv auf die Umwelt und
       die Geldbeutel der Verbraucher auswirken.
       
       Das auch für den Verbraucherschutz verantwortliche Bundesjustizministerium
       geht davon aus, dass die 2024 beschlossene EU-Richtlinie in Deutschland
       pünktlich zum 31. Juli 2026 in Kraft treten wird. Wie das Ministerium
       mitteilt, ist ein Entwurf für die Umsetzung der Richtlinie in nationales
       Recht jetzt an Länder und Verbände versendet.
       
       Der Referentenentwurf für das neue Gesetz setzte ein wichtiges Signal, sagt
       Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des Abfallverbandes BDE.
       „Jetzt kommt es darauf an, die neuen Vorgaben konsequent und
       verbraucherfreundlich umzusetzen – mit fairen Preisen, verlässlicher
       Ersatzteilverfügbarkeit und praxistauglichen Verfahren.“ Der BDE spricht
       sich zudem für ergänzende finanzielle Anreize aus.
       
       So könne ein bundesweiter Reparaturbonus die Wirkung des Gesetzes deutlich
       verstärken. Erfahrungen aus Thüringen sowie aus anderen europäischen
       Ländern zeigten, dass solche Instrumente die Reparaturbereitschaft erhöhen,
       Elektroschrott reduzieren und messbare CO₂-Einsparungen erzielen. Auch
       Repair-Cafés und lokale Reparaturnetzwerke leisten einen wichtigen Beitrag,
       indem sie Wissen vermitteln und Reparaturen niedrigschwellig ermöglichen.
       
       Allerdings: Thüringen hat seinen Reparaturbonus gerade erst abgeschafft.
       Fünf Jahre lang wurden dort private Haushalte dabei unterstützt, defekte
       Elektrogeräte reparieren zu lassen, anstatt sie neu zu kaufen. Bis zu 50
       Prozent und bis zu 100 Euro – später bis zu 130 Euro – der Reparaturkosten
       konnten sich die Thüringer:innen erstatten lassen.
       
       ## 50.000 Reparaturen in Thüringen unterstützt
       
       Dafür hat das Land jährlich 800.000 Euro zur Verfügung gestellt.
       Koordiniert hat die Reparaturen vor allem die Thüringer
       Verbraucherzentrale, später wurden auch Repaircafés einbezogen.
       Wissenschaftlich begleitet wurde der Bonus vom Berliner Fraunhofer-Institut
       für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM).
       
       Insgesamt sollen in dem Thüringer Modellprojekt rund 50.000 Reparaturen
       unterstützt worden sein. Bei einem Drittel der reparierten Geräte handele
       es sich um Smartphones, darauf folgen Kühlschränke, Waschmaschinen oder
       Geschirrspüler.
       
       „Eine gemeinsame Studie mit dem Fraunhofer IZM zeigt, dass allein zwischen
       2021 und 2024 durch 33.288 Reparaturen rund 2.971 Tonnen CO₂-Äquivalente
       sowie etwa 390 Tonnen Elektroschrott eingespart wurden“, sagte Magdolna
       Molnár, die den Bonus wissenschaftlich begleitet hat. Die Einsparungen
       entsprächen den Jahresemissionen von 275 Personen in Deutschland, so
       Molnár. Fast 80 Prozent der Nutzer:innen des Bonus seien zwischen 36 und
       75 Jahren alt gewesen. Regional nutzten Menschen aus Stadt und Land den
       Bonus gleichermaßen.
       
       Um Reparaturen langfristig und verbindlich zu fördern, [1][brauche es
       weitergehende Vorschriften], wie etwa ein reparaturfreundliches Ökodesign,
       die günstige und schnelle Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder das Anbieten
       von Software-Updates über lange Zeiträume, sagt Thomas Fischer,
       Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH).
       Grundsätzlich solle ein Reparaturbonus jedoch nicht aus Steuergeldern,
       sondern von den Herstellern selbst finanziert werden, findet Fischer. Das
       würde die Firmen zur Herstellung robusterer und langlebigerer Produkte
       anregen.
       
       Jährlich landen Millionen von Elektrogeräten auf dem Müll, obwohl viele von
       ihnen reparierbar wären. Laut Umweltbundesamt könnten in Deutschland 15
       Prozent der gesammelten Altgeräte noch einmal genutzt werden – tatsächlich
       werden jedoch nur 1,7 Prozent aufbereitet.
       
       ## Reparatur lohnt sich häufig nicht für Verbraucher
       
       Die Gründe sind vielfältig: Herstellende konstruieren Geräte oft so, dass
       sie schwer zu öffnen und zu reparieren sind. Ersatzteile sind teuer, schwer
       erhältlich oder werden gar nicht erst angeboten. Unabhängige Werkstätten
       kämpfen zudem häufig mit fehlenden Reparaturanleitungen oder
       Software-Sperren.
       
       Ein Reparaturbonus kann helfen, muss aber nicht: „Für Menschen, die sich
       auch mit Bonus eine Reparatur nicht leisten können, bleibt die Situation
       schwierig“, so die Thüringer Verbraucherzentrale. Mögliche Alternativen
       seien aber etwa ehrenamtlich arbeitende Repair-Cafés. Von extra
       Versicherungen für einzelne Elektrogeräte rät die Zentrale aber ab:
       „Geräteschutzbriefe und Zusatzversicherungen sind häufig teuer, haben
       Einschränkungen und lohnen sich aus unserer Erfahrung nur selten.“
       
       Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version des Artikels hieß es, es
       sei ein bundesweiter Reparaturbonus geplant. Das ist falsch und war kein
       Fehler des Autors, sondern der Redaktion.
       
       19 Jan 2026
       
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