# taz.de -- Missbrauchsfälle in den USA: US-Regierung rückt vorerst nur Teile der Epstein-Akten raus
       
       > Eigentlich muss die US-Regierung alle Akten zu den Ermittlungen im
       > Skandal um Jeffrey Epstein veröffentlichen. Das interessiert Trumps
       > Getreue wenig.
       
 (IMG) Bild: „Keine neuen Anklagen“: US-Vize-Justizminister Todd Blanche
       
       dpa/afp | Entgegen einer gesetzlichen Frist will die US-Regierung am
       Freitag zunächst nur einen Teil der Akten zum verstorbenen Sexualstraftäter
       Jeffrey Epstein veröffentlichen. Vize-Justizminister Todd Blanche sagte dem
       Sender Fox News, er erwarte bis Fristablauf um Mitternacht (Ortszeit) die
       Freigabe „mehrerer hunderttausend Dokumente“, darunter Fotos und
       Schriftstücke. In den kommenden Wochen sei dann die Veröffentlichung
       hunderttausender weiterer Akten geplant.
       
       Den Fristverstoß für einen Teil der Akten erklärte Blanche mit den hohen
       Auflagen zum Schutz der Epstein-Opfer. Das Justizministerium prüfe jedes
       einzelne Dokument und stelle „sicher, dass jede betroffene Person – ihr
       Name, ihre Identität, ihre Geschichte – soweit nötig vollständig geschützt
       wird“, unterstrich er. Experten rechnen mit umfangreichen Schwärzungen.
       
       Der New Yorker Finanzier Epstein war über viele Jahre Teil der High Society
       und verkehrte in einflussreichen Kreisen. [1][Der Multimillionär hatte
       jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und
       Minderjährige zum Opfer fielen.] Auch er selbst soll Frauen und Mädchen
       missbraucht haben.
       
       Vor etwa 20 Jahren landete der Fall vor Gericht. Zu einigen Vorwürfen
       bekannte sich Epstein schuldig. Jahre später wurde der Fall nochmals
       aufgerollt und der Multimillionär erneut festgenommen. Noch bevor ein
       mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier 2019
       mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid
       als Todesursache genannt.
       
       ## Bislang nur Auszüge aus Akten bekannt
       
       Epsteins plötzlicher Tod und seine vielfältigen Kontakte in die Welt der
       Reichen und Mächtigen lösten Spekulationen über die mögliche Verwicklung
       einflussreicher Kreise aus. Vor seiner Festnahme waren Prominente und
       Milliardäre bei ihm ein und aus gegangen – auch US-Präsident Donald Trump
       verbrachte Zeit mit Epstein, wie mehrere Party-Videos belegen. Allerdings
       gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung Trumps in den Skandal.
       
       Zu dem Fall gibt es umfangreiche Akten, aus denen bislang nur Auszüge
       bekannt sind. Viele Missbrauchsopfer gingen in den vergangenen Jahren an
       die Öffentlichkeit.
       
       Trump hatte sich monatelang gegen die Veröffentlichung der Dokumente
       gesperrt. Er nannte die Epstein-Affäre einen „Schwindel“ der
       oppositionellen Demokraten, die von seinen Erfolgen ablenken solle. Erst
       auf massiven Druck aus dem US-Parlament – darunter auch aus dem eigenen
       Lager seiner Republikanischen Partei – unterschrieb er ein Gesetz, das die
       Veröffentlichung anmahnt. Der US-Präsident hatte noch im
       Präsidentschaftswahlkampf die Freigabe der Akten selbst gefordert, dann
       aber sträubte er sich nach dem Amtsantritt dagegen.
       
       Anders als die Ermittlungsakten sind bereits Dokumente, die aus dem
       Nachlass Epsteins stammen, veröffentlicht worden. Der Kongress hatte die
       Unterlagen überprüft. Erst am Donnerstag hatten Demokraten erneut Fotos aus
       dem Nachlass veröffentlicht. Auf den diesen Fotos sind wieder zahlreiche
       Prominente zu sehen, darunter der Microsoftgründer Bill Gates, der eine
       junge Frau im Arm hält. Die Echtheit der Fotos ließ sich zunächst nicht
       unabhängig verifizieren. Gates war bereits auf früher veröffentlichten
       Bildern zu sehen.
       
       ## 95.000 Fotos im Nachlass
       
       US-Präsident Trump, der in früher veröffentlichten Fotos im Umfeld Epsteins
       zu sehen war, ist auf den jüngsten Bildern nicht dabei. Nach Angaben der
       Demokraten befinden sich in dem Nachlass, der nach und nach im zuständigen
       Ausschuss des Repräsentantenhauses überprüft werde, 95.000 Fotos.
       
       Vize-Justizminister Todd Blanche erklärte trotzdem, neue juristische
       Vorwürfe gegen Persönlichkeiten aus Epsteins Umfeld seien vorerst nicht zu
       erwarten. „Nach heutigem Stand gibt es keine neuen Anklagen, aber wir
       ermitteln noch“, betonte er.
       
       Zugleich wies er den Eindruck zurück, Trump verzögere die vom Kongress
       beschlossene Aktenfreigabe. „Trump sagt seit Jahren, dass er volle
       Transparenz will“, argumentierte Blanche. „Und er erwartet vom
       Justizministerium, dass wir alles veröffentlichen, was wir können.“
       
       19 Dec 2025
       
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