# taz.de -- Nach Entzug der Gemeinnützigkeit: Finanzkrise bei Attac
> Die linke Organisation Attac wirbt um Förder:innen. Die Ausgaben steigen,
> die Einnahmen aber nicht. Es drohe der Abbau von Stellen.
(IMG) Bild: Aktion von attac im Dezember vor dem Reichstag in Berlin
„3.000 Held:innen“ sucht die linke Organisation Attac. Ohne das Geld der
neuen Spender:innen sei „der Fortbestand unserer Arbeit akut bedroht“.
Geschäftsführerin Frauke Distelrath führt die „ernsten finanziellen
Schwierigkeiten“ vor allem darauf zurück, dass Attac die steuerliche
Gemeinnützigkeit verloren hat.
Das [1][„Attac-Urteil“ fällte der Bundesfinanzhof 2019.] Die Arbeit der
Organisation sei zu einseitig, als dass sie sich auf steuerlich
begünstigte, gemeinnützige Zwecke wie Förderung der „Volksbildung“ und des
„demokratischen Staatswesens“ berufen könne. Damit dürfen Spender:innen
die Beträge nicht von ihrer Steuer absetzen, und die Organisation selbst
muss unter anderem Erbschafts- und Schenkungssteuer entrichten. Gerade
Letzteres erschwere es erheblich, größere Summen beispielsweise aus
Erbschaften zu erhalten, sagt Distelrath.
Wobei momentan nicht die Existenz der Organisation auf dem Spiel steht.
Dieses Jahr weist der Haushaltsplan 1,7 Millionen Euro Einnahmen aus
Mitgliedsbeiträgen und Spenden aus, ungefähr so viel wie 2024 und 2023.
Davor gab es ein mehrjähriges Zwischenhoch mit bis zu zwei Millionen Euro
pro Jahr – vielleicht erzeugte das juristische Verfahren
Solidaritätsspenden. 2015 und 2016 lagen Spenden und Beiträge auf dem
selben Niveau wie heute.
Attacs konkretes Geldproblem besteht laut Distelrath darin, dass die Kosten
zum Beispiel für Mieten und Personal infolge von Tariferhöhungen wachsen,
während die Einnahmen stagnieren. Von den 20 hauptamtlichen
Mitarbeiter:innen in der Frankfurter Zentrale könne man vier nicht
mehr bezahlen, wenn die Spenden nicht anstiegen. Drei Stellen habe man
schon eingespart. Das behindere die politische Arbeit der Organisation.
## Vorsicht geboten
Hat die finanzielle Stagnation eventuell damit zu tun, dass Attac an
Attraktivität verloren hat? Die Gruppe wurde vor rund 25 Jahren gegründet
und kämpfte gegen die „neoliberale Globalisierung“. Mittlerweile geht es um
andere Themen. Distelrath dementiert. Attac habe nach wie vor eine „hohe
Relevanz“. Das sei dieses Jahr unter anderem [2][an der erfolgreichen
Petition beim Bundestag zur höheren Besteuerung von Reichen abzulesen], die
rund 70.000 Leute unterstützten.
Das Problem mit der Gemeinnützigkeit betrifft auch andere Organisationen.
Wobei „nur eine Handvoll“ den begehrten steuerlichen Status tatsächlich
verloren hätten, weiß Stephanie Handtmann, Geschäftsführerin der „Allianz
Rechtssicherheit für politische Willensbildung“. Ein prominentes Beispiel
neben Attac ist die Kampagnenorganisation Campact. Der Verein Finanzwende
hat freiwillig auf die Gemeinnützigkeit verzichtet.
Seit dem Urteil des Bundesfinanzhofs hänge aber ein „Damoklesschwert“ über
vielen Organisationen, sagt Handtmann. Gerade kleine Vereine seien
vorsichtiger bei dem, was sie politisch tun, um keinen Ärger mit dem
Finanzamt um die Gemeinnützigkeit heraufzubeschwören. Außerdem habe sich
das politische Klima verschärft. Im vergangenen Februar reichte die Union
eine Anfrage mit 551 Fragen beim Bundestag ein, um Organisationen zu
diskreditieren, die gegen die CDU-CSU-Migrationspolitik und eine gemeinsame
Abstimmung mit der AfD protestiert hatten.
Und die extrem rechte Partei schwärzt auch selbst Verbände, Vereine und
Gruppen, die ihr nicht passen, bei den Finanzämtern an.
Deshalb setzt sich die Allianz für eine [3][Reform des
Gemeinnützigkeitsrechts ein]. Sie plädiert unter anderem dafür, zusätzliche
Zwecke wie die „Förderung der Menschenrechte“ hinzuzufügen, die liberalen
und linken Organisationen juristischen Schutz böten.
21 Dec 2025
## LINKS
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(DIR) [2] /Reiche-zur-Kasse-bitten/!6086664
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## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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