# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Nato-Chef warnt vor Krieg „wie zu Zeiten der Großeltern“
       
       > Viele Staaten haben nach Meinung von Nato-Generalsekretär Mark Rutte noch
       > nicht begriffen, wie groß die Gefahr durch Russland ist. Jetzt wird er
       > deutlich.
       
 (IMG) Bild: Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Deutschlands Außenminister Johann Wadephul in Berlin, 11. Dezember 2025
       
       ## Nato-Generalsekretär: „Wir sind Russlands nächstes Ziel“
       
       Nato-Generalsekretär Mark Rutte erwartet, dass es der russische Präsident
       Wladimir Putin nicht bei dem Krieg gegen die Ukraine belassen will. „Wir
       sind Russlands nächstes Ziel“, sagte der Niederländer bei einer
       Veranstaltung der Münchner Sicherheitskonferenz in Berlin. Für die Nato
       gehe es nun darum, einen Krieg zu stoppen, bevor dieser beginne. „Dafür
       müssen wir uns über die Bedrohung völlig im Klaren sein“, sagte er. Man sei
       bereits in Gefahr.
       
       Rutte hat die Mitgliedstaaten der transatlantischen Allianz eindringlich
       [1][zu verstärkten Verteidigungsanstrengungen aufgerufen], um einen von
       Russland geführten Krieg zu verhindern. Dieser könne „von einem Ausmaß
       sein, wie es unsere Großeltern und Urgroßeltern erlebt haben“, sagte Rutte
       am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Münchner Sicherheitskonferenz in
       Berlin.
       
       „Unsere Streitkräfte müssen bekommen, was sie brauchen, um uns zu schützen.
       Und die Ukraine muss bekommen, was sie braucht, um sich zu verteidigen –
       jetzt“, sagte er. Zu viele Alliierte spürten nicht die Dringlichkeit und
       glaubten, die Zeit arbeite für einen. Das tue sie aber nicht, sagte er.
       
       Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte auf derselben Veranstaltung
       von den europäischen Partnern dringend mehr Unterstützung für die Ukraine.
       Deutschland sei in diesem Jahr zum größten Unterstützer des Landes bei der
       Militär- und sonstiger Hilfe geworden, sagte der CDU-Politiker. Mehr
       Verbündete in Europa müssten dringend nachlegen. (dpa, rtr)
       
       ## Ukraine legt neuen Plan vor
       
       Die Ukraine hat der US-Regierung eine überarbeitete Fassung des Plans für
       ein Ende des russischen Angriffskrieges übermittelt, die nach Angaben aus
       Kyjiw „die Sichtweise der Ukraine“ berücksichtigt. Bundeskanzler Friedrich
       Merz (CDU) sagte am Donnerstag in Berlin, es gehe darin auch um Vorschläge
       zu „territorialen Zugeständnissen“ der Ukraine. US-Präsident Donald Trump
       sprach unterdessen von „Meinungsverschiedenheiten“ mit den wichtigsten
       europäischen Verbündeten des von Russland angegriffenen Landes.
       
       [2][Die USA hatten vor gut drei Wochen einen Plan zur Beendigung des
       russischen Angriffskriegs in der Ukraine vorgelegt.] Dem ursprünglichen
       Entwurf zufolge, der als sehr Moskau-freundlich galt, sollte die Ukraine
       auf einen Nato-Beitritt verzichten, ihre Streitkräfte verkleinern und den
       gesamten Donbass im Osten der Ukraine an Russland abgeben – auch Gebiete,
       die nicht von Russland besetzt sind.
       
       Auf Drängen Kyjiws und seiner europäischen Verbündeten wurde der Plan in
       zentralen Punkten überarbeitet. Am Mittwochabend schickte die Ukraine eine
       neue Fassung nach Washington. Nach Angaben aus Regierungskreisen schlägt
       Kyjiw darin „angemessene Lösungen“ für „problematische Fragen“ vor. Details
       sollten erst nach einer Reaktion aus Washington bekannt gegeben werden.
       
       „Es geht hier vor allem um die Frage, welche territorialen Zugeständnisse
       die Ukraine bereit ist zu machen“, sagte Merz am Donnerstag in Berlin mit
       Blick auf den Entwurf. Dabei handele es sich aber um eine Frage, „die vor
       allem der ukrainische Präsident und das ukrainische Volk beantworten
       müssen“.
       
       „Nur Kyjiw kann entscheiden, welche territoriale Regelung es akzeptieren
       kann“, bekräftigte Merz bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark
       Rutte. „Es wäre ein Fehler, den ukrainischen Präsidenten in einen Frieden
       zu drängen, den sein Volk nach vier Jahren des Leidens und Sterbens nicht
       mittragen kann.“ Der ukrainische Präsident [3][Wolodymyr Selenskyj hatte am
       Montag nach einem Treffen mit Merz, dem britischen Premierminister Keir
       Starmer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in London]
       Gebietsabtretungen an Russland erneut ausgeschlossen.
       
       Noch vor der Übermittlung der neuen Vorschläge führten Merz, Starmer und
       Macron am Mittwoch ein Telefongespräch mit Trump, das Merz als „sehr
       ausführlich“ und „sehr konstruktiv“ bezeichnete. Trump sagte dagegen, in
       dem Telefonat sei „in ziemlich deutlichen Worten über die Ukraine“
       gesprochen worden. Es habe zudem „einige kleine Meinungsverschiedenheiten
       über Personen“ gegeben.
       
       Trump hatte Selenskyj zuvor scharf kritisiert und [4][ihn zu Neuwahlen
       aufgefordert, die unter dem in der Ukraine geltenden Kriegsrecht derzeit
       nicht möglich sind]. Zudem drängte er Selenskyj dazu, Gebietsverluste in
       Kauf zu nehmen, um den Krieg mit Russland zu beenden.
       
       Merz sagt am Donnerstag, Starmer, Macron und er hätten Trump vorgeschlagen,
       die Vorschläge für ein Ende des Ukraine-Kriegs am Wochenende „abschließend“
       zu besprechen. Zu Beginn der kommenden Woche werde es dann möglicherweise
       ein Treffen in Berlin geben. Ob die US-Regierung daran teilnehme, hänge
       „sehr stark von der gemeinsamen Abfassung der Papiere ab“, sagte der
       Kanzler. Er sei aber „einigermaßen zuversichtlich, dass uns das gelingt“.
       
       Am Donnerstag wollte die sogenannte Koalition der Willigen zur
       Unterstützung der Ukraine, der vor allem europäische Länder angehören, in
       einer Videokonferenz über Sicherheitsgarantien für das von Russland
       angegriffene Land beraten. Dabei sollte es auch um den Beitrag der USA
       gehen. (afp)
       
       ## Zwei Tote nach russischem Beschuss in Ukraine
       
       Immer wieder hat Russlands Angriffskrieg in der Ukraine schwere Folgen.
       Einmal mehr beklagen Behörden zivile Opfer. In der nordukrainischen Region
       Sumy sind bei einem russischen Angriff mit Gleitbomben zwei Menschen
       getötet worden. Die Attacke traf nach Angaben des Militärgouverneurs Oleh
       Hryhorow ein Geschäft in der Ortschaft Welyka Pyssariwka. Eine Verkäuferin
       und eine Anwohnerin seien dabei ums Leben gekommen, zwei weitere Personen
       seien verletzt worden. Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren
       gegen die russische Invasion. (dpa)
       
       ## Großer Drohnenangriff Kyjiws legt Moskaus Flughäfen lahm
       
       Zahlreiche russische Flughäfen, darunter auch die vier Moskauer Airports,
       mussten offiziellen Angaben zufolge in der Nacht den Betrieb wegen eines
       großen ukrainischen Drohnenangriffs schließen. Nach Angaben der
       Luftfahrtbehörde Rosawijazija mussten allein in Moskau mehr als 130 Flüge
       umgeleitet, verzögert oder gestrichen werden. Insgesamt seien die
       Hauptstadtflughäfen Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo und Schukowski mehr
       als sieben Stunden außer Betrieb gesetzt worden.
       
       Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete den Abschuss von fast 300
       ukrainischen Drohnen in der Nacht. Mehr als ein Drittel davon wurden
       demnach in der westrussischen Region Brjansk an der Grenze zur Ukraine vom
       Himmel geholt. Jeweils 40 Drohnen seien aber auch in den Regionen Kaluga
       und dem Moskauer Umland abgewehrt worden, teilte das Militär mit. Angaben
       zu Schäden machte das Verteidigungsministerium traditionell nicht.
       
       Im nordrussischen Gebiet Nowgorod ist nach Medieninformationen ein Brand
       ausgebrochen. Unbestätigten Meldungen zufolge soll der Angriff einer
       Düngemittelfabrik gegolten haben, in der auch Ammoniaksalpeter produziert
       wird. Dieser wiederum wird bei der Herstellung von Sprengstoff genutzt.
       
       Derweil erklärte der Chef des russischen Ermittlungskomitees, Alexander
       Bastrykin, dass ukrainische Drohnenangriffe bisher in knapp der Hälfte (41)
       der Regionen des Landes ernsthafte Schäden verursacht hätten. Seit
       Kriegsbeginn belaufe sich der Schaden auf rund 600 Milliarden Rubel (6,7
       Milliarden Euro), sagte er. Moskau werde Schadenersatz dafür von Kyjiw
       verlangen, kündigte er an.
       
       [5][Russland seinerseits beschießt die Ukraine systematisch mit Drohnen,
       Raketen und Marschflugkörpern]. Die insgesamt in der Ukraine angerichteten
       Schäden durch die russische Invasion liegen nach Einschätzung Kyjiws im
       dreistelligen Milliardenbereich in Euro. (dpa)
       
       ## Schwere Kämpfe um Pokrowsk
       
       Die strategisch wichtige Stadt Pokrowsk im Osten der Ukraine ist
       [6][ungeachtet russischer Siegesmeldungen nach Angaben aus Kyjiw weiterhin
       heftig umkämpft]. Die russische Armee greife mit starken mechanisierten
       Einheiten an, meldete die ukrainische Armee am Mittwoch. „Die Russen
       setzten gepanzerte Fahrzeuge, Autos und Motorräder ein. Die Konvois
       versuchten, von Süden her in den nördlichen Teil der Stadt durchzubrechen.“
       In Armeekreisen erfuhr Reuters, Russland habe rund 30 Fahrzeuge eingesetzt.
       Dies sei der bisher größte Angriff dieser Art innerhalb der Stadt.
       
       Anfang Dezember hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Einnahme von
       Pokrowsk persönlich bekannt gegeben. Russland will die gesamte
       Donbas-Region einnehmen, die aus den Gebieten Luhansk und Donezk besteht.
       Die Eroberung von Pokrowsk wäre ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Die
       Stadt ist ein Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt und von großer Bedeutung
       für die Logistik der ukrainischen Armee. (rtr)
       
       11 Dec 2025
       
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