# taz.de -- Energieverbrauch der Smartphone-Nutzung: Wenn deine Fotocloud den Planeten frisst
       
       > In seinem Essay „Bildökologie“ untersucht Michael Klipphahn-Karge den
       > ökologischen Fußabdruck unseres digitalen Alltags.
       
 (IMG) Bild: Pro Sekunde entstehen weltweit 57.246 Smartphone-Bilder. Das ergibt etwa fünf Milliarden Fotos pro Tag
       
       Die Kosten für die Nutzung von Social Media sind immens – nicht nur für die
       eigene mentale Gesundheit und die politische Debattenkultur, sondern auch
       für die Umwelt. 2024 verbrachten Nutzer*innen weltweit 4,3 Billionen
       Stunden im Jahr [1][auf Tiktok], Instagram, Snapchat und anderen
       Plattformen. Das verbrauchte aufsummiert 414 Milliarden Kilowattstunden
       Energie. Das entspricht 83 Prozent des gesamten jährlichen Stromverbrauchs
       in Deutschland.
       
       Social-Media-Nutzung ist natürlich nicht an allem schuld. Und sie steht
       auch nur für einen Teil des Ressourcenverbrauchs durch smarte Geräte, die
       weitere Apps beherbergen und die – mitsamt ihren Betriebssystemen –
       entwickelt, hergestellt, vertrieben und aufbereitet werden müssen. Ob in
       seine einzelnen Bestandteile zerlegt oder zusammengerechnet – der
       ökologische Fußabdruck unseres digitalen Alltags ist verblüffend groß. Das
       zeigt Michael Klipphahn-Karge in seinem Essay „Bildökologie“ detailliert
       auf.
       
       Da sind zum Beispiel die Millionen Jahre alten Metalle und Mineralien, die
       für den Bau und Betrieb von Smartphones unter starker Umweltbelastung aus
       der Erde extrahiert und dann in kürzester Zeit verbraucht werden. Dazu
       kommen die digitalen Infrastrukturen aus Unterseekabeln und Rechenzentren,
       über die digitale Daten energieintensiv transferiert werden, sowie das
       bislang völlig unzureichende Recycling von Smartphones, die am Ende meist
       als Elektroschrott in den [2][Armutszonen des Globalen Südens] entsorgt
       werden.
       
       ## Die Materialität digitaler Bilder
       
       Energie verschlingen auch die durch Profitinteressen der Industrie sich
       immer weiter beschleunigenden Innovationszyklen digitaler Endgeräte. Der
       Rebound-Effekt führt hier etwa dazu, dass gerade wegen der technologischen
       Effizienzsteigerung von Geräten mehr gekauft wird. Induktionseffekte lassen
       einen als Konsument*in mit einer besseren Handykamera nicht nur
       avancierter und mehr up-to-date erscheinen, sie verleiten auch dazu, mehr
       zu fotografieren. Das wiederum erfordert mehr Speicherplatz in den Clouds.
       Und für deren Funktionieren sind Rechenzentren mit gigantischem
       Energieverbrauch sowie eine Infrastruktur aus in ihrer Herstellung äußerst
       energieintensiven Unterseekabeln nötig.
       
       Was Klipphahn-Karge ebenfalls interessiert, ist die Materialität digitaler
       Bilder. 2024 machten sie weltweit über 90 Prozent aller Fotografien aus und
       wurden mit Smartphones geschossen, die heute von zwei Drittel der
       Weltbevölkerung als das Kommunikationswerkzeug schlechthin verwendet
       werden. Pro Sekunde entstehen weltweit 57.246 Smartphone-Bilder. Das ergibt
       etwa fünf Milliarden Fotos pro Tag, von denen Hunderte Millionen binnen
       kürzester Zeit ins Netz geladen werden. In Summe verbraucht auch das enorm
       viele Ressourcen. Insgesamt werden digitale Infrastrukturen bis 2040 für
       mindestens 14 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sein.
       
       Michael Klipphahn-Karges kurzes Essay ist voll von derartigen Rechnungen
       und Zahlenbeispielen, die die Umweltbelastung der digitalen Bildproduktion
       illustrieren und einordnen. Das ist besonders sinnvoll, weil Begriffe wie
       „Software“, „Cloud“ oder „Stream“ die Materialität der digitalen Phänomene
       verschleiern. Durch den Essay zieht sich allerdings auch ein Ton, der
       zwischen hellsichtiger Gesellschaftskritik und politischer Resignation
       schwankt. Eines der ganz wenigen Positivbeispiele im Buch ist die bis 2026
       national umzusetzende EU-Richtlinie zum „Recht auf Reparatur“. Für
       Klipphahn-Karge scheint die ökologische Katastrophe nicht mehr abwendbar.
       
       29 Jan 2026
       
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