# taz.de -- Ausschreitungen in Syrien: Diesmal fallen die Schüsse in Homs
       
       > In der syrischen Stadt werden zwei Beduinen ermordet. Die Rache ihres
       > Stammes richtet sich gegen Alawiten. Die Regierung schickt Truppen.
       
 (IMG) Bild: Soldaten patrouillieren während einer Ausgangssperre in der Stadt Homs, Syrien, am 23. November 2025
       
       Ein grausamer Mord hat die Stadt Homs erschüttert – und eine neue Welle der
       Gewalt in Syrien ausgelöst. Ein Ehepaar aus dem [1][beduinischen Stamm]
       Bani Khalid ist am Sonntag in seinem Haus tot aufgefunden worden, im Dorf
       Zaydal südlich von Homs. Die Leichen zeigten Spuren von Gewalteinwirkung,
       der Körper der Ehefrau war verbrannt.
       
       Ein Video zeigt einen komplett verwüsteten und ausgebrannten Raum in dem
       Haus. Im Badezimmer war an die Wand mit Blut geschmiert worden: „Ya
       Hussein“ – Oh, Hussein – ein Ausspruch, der von schiitischen
       Muslim*innen benutzt wird. Das ermordete Paar war sunnitischen Glaubens.
       
       Die Hintergründe und ein mögliches Motiv der Tat sind noch vollkommen
       unklar. Doch das Verbrechen trat eine Welle der Gewalt in der benachbarten
       Stadt Homs los: Laut der Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for
       Human Rights (Sohr) fuhren am Sonntag zehn Wagen mit bewaffneten
       Mitgliedern des Bani-Khalid-Stammes in [2][mehrere alawitisch und
       schiitisch geprägte Viertel von Homs]. Die Männer sollen Racheparolen
       gesungen und „Allahu Akbar“ – Gott ist groß – auf den Straßen geschrien
       haben. Schüsse sollen gefallen sein, Zivilist*innen getroffen. Autos,
       Häuser und Geschäfte wurden in Brand gesteckt, Wohngebäude laut der
       Rekonstruktion von Sohr gestürmt. Kinder mussten in ihren Schulen
       ausharren.
       
       Ein Video zeigt den syrischen Zivilschutz, die Weißhelme, die mit einem
       Wasserschlauch versuchen, einen Brand in einem Wohnviertel zu löschen. Ein
       anderes zeigt einen verunfallten Wagen in Flammen, es sind bewaffnete
       Männer zu sehen, Schüsse zu hören. Ein Einwohner, der nur mit seinem
       Vorname Amr in der Presse erscheinen möchte, schickt der taz Bilder von
       Rauchschwaden und einem Auto mit eingeschlagener Heckscheibe. Laut dem
       Direktor der Gesundheitsabteilung des Gouvernements Homs, Abdul Karim
       Ghali, sind insgesamt 18 Menschen verletzt worden. Sohr spricht von
       Dutzenden Verletzten und Toten.
       
       ## Die Regierung entsendet mal wieder Truppen
       
       Am Sonntagabend ist wieder Ruhe eingekehrt. Die syrische Regierung hat
       Streitkräfte in großer Anzahl nach Homs geschickt und eine Ausgangssperre
       verhängt. „Die Lage ist jetzt stabil“, schreibt Amr am Montagvormittag der
       taz. Eine weitere Einwohnerin bestätigt dies. Ein Sprecher des
       Innenministeriums sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, die
       konfessionsgebundene Parole am Tatort solle wahrscheinlich die Behörden in
       die Irre führen und Streit verursachen.
       
       Die Angst unter der schiitischen und alawitischen Bevölkerung ist
       allerdings groß. Erst im März haben Ausschreitungen zwischen alawitischen,
       sunnitischen Kämpfern und Regierungstruppen [3][in der alawitisch geprägten
       Küstenregion mehr als 1.500 Zivilist*innen das Leben gekostet], die
       meisten von ihnen waren Alawit*innen. Laut den Vereinten Nationen könnte es
       sich dabei um Kriegsverbrechen handeln.
       
       Nach dem [4][Fall des Regimes von Ex-Präsident Baschar al-Assad am 8.
       Dezember 2024] hatten sunnitische Milizen in Syrien die Macht übernommen,
       angeführt von der ehemaligen islamistischen Terrorgruppe Hai'at Tahrir
       asch-Scham. Deren früherer Anführer Ahmed al-Scharaa ist nun Präsident und
       hat sich von seiner dschihadistischen Vergangenheit distanziert und den
       Schutz aller Minderheit versprochen.
       
       Indes sind Beobachter*innen besorgt, ob al-Scharaa die radikalsten
       Elemente unter seinen Unterstützer*innen im Zaum halten kann. Hinzu
       kommt eine [5][hoch angespannte Lage zwischen den vielen
       Bevölkerungsgruppen Syriens], die sich nach dem Bürgerkrieg noch nicht ganz
       beruhigt hat. Im Frühling gab es etwa eine Welle der Gewalt [6][in
       alawitisch] wie [7][drusisch geprägten] Regionen, im Juni kostete [8][ein
       Terrorangriff in einer Kirche von Damaskus] 25 Christ*innen das Leben.
       
       24 Nov 2025
       
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