# taz.de -- Wahlen in bosnischer Teilrepublik: Sinisa Karan gewinnt Präsidentschaftswahl
> Bei vorgezogenen Wahlen in der Republika Srpska gewinnt der Kandidat des
> abgesetzten Serbenführers Milorad Dodik. Die Wahlbeteiligung ist sehr
> niedrig.
(IMG) Bild: Der Neue: Sinisa Karan (links), Kandidat der Allianz der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD)
Als am Samstag ein Schneesturm über das Land hereinbrach, waren die
Organisatoren der vorgezogenen Präsidentschaftswahlen in der serbischen
Teilrepublik [1][Republika Srpska] in Bosnien und Herzegowina „not amused“.
Das Wetter sorgte für logistische Probleme: Einige Wahllokale konnten nicht
rechtzeitig öffnen, Material konnte nicht zugestellt werden. Es kam zu
Stromausfällen in mehreren Regionen, was den Wahlprozess zusätzlich
erschwert.
Inwieweit der Schneesturm vom Samstag den Ausgang der Wahlen beeinflusst
hat, ist nicht abzusehen. Dreißig Zentimeter Neuschnee auf allen Straßen,
vereiste Gehwege – eine Herausforderung für die Organisatoren, aber auch
die Wähler. Denn wer geht da schon gerne ins Wahllokal?
Tatsächlich war die Wahlbeteiligung mit etwas über 36 Prozent sehr niedrig.
Auch ein erstes Ergebnis gibt es nach Auszählung von 93 Prozent aller
Stimmzettel bereits: Sinisa Karan, Kandidat des [2][abgesetzten bosnischen
Serbenführers Milorad Dodik], kommt auf 50,9 Prozent der Stimmen, so die
Wahlkommission am späten Sonntagabend.
Karan galt als klarer Favorit unter den sechs angetretenen Kandidaten. Der
Ex-Innenminister und Dodik-Vertraute war Spitzenkandidat der
Regierungspartei SNSD. Sein Hauptkonkurrent Branko Blanusa erhielt 47,8
Prozent der Stimmen.
## Zweifel an der Anzahl der Wahlberechtigten
Sinisa Karan gewann vor allem in der Hauptstadt der Teilrepublik Banja
Luka. Dort sitzen die Profiteure des Dodik-Regimes, die Bürokraten und
Geschäftsleute, die „Schleimer des Regimes“, wie Spötter sagen. Dagegen kam
der Gegenkandidat – der eigentlich untadelige Elektrotechnik-Professor
Blanusa aus der Oppositionspartei SDS – nicht an. Er gewann immerhin in der
zweitgrößten Stadt Bijeljina und anderen kleineren Wahlbezirken die
Mehrheit.
Doch es gibt Zweifel an der Wahl seitens der Opposition. Die Zahl von 1,2
Millionen Wahlberechtigten ist seit jeher stark fraglich: Viele Einwohner
leben im Ausland, Tote werden nicht aus dem Register entfernt. Und die Zahl
der Wahlberechtigten sei höher als die Bevölkerungszahl des letzten Zensus
von 2013 der Gesamtbevölkerung in diesem Gebiet, witzeln Oppositionelle.
Bei den letzten Wahlen forderte die damalige Kandidatin eine Neuauszählung
der Stimmen, was damals verhindert wurde.
Dodik war Anfang August von der Zentralen Wahlkommission nach fast zwei
Jahrzehnten an der Macht seines Amtes als Präsident der Republika Srpska
enthoben worden. Nach dem Urteil darf er sechs Jahre lang kein politisches
Amt ausüben. Er wurde verurteilt, weil er zwei Gesetze in Kraft gesetzt
hatte, welche die Umsetzung von Entscheidungen des Hohen Repräsentanten der
internationalen Gemeinschaft für Bosnien und Herzegowina untersagten.
## Dodik ist weiterhin der Strippenzieher
Er hatte sich dennoch in den Wahlkampf eingemischt. Sinsa Karan steht auf
seinen Wahlplakaten zwar im Vordergrund. Doch hinter ihm steht Ex-Präsident
Dodik. Das Plakat sollte zwar den Nachfolger-Kandidaten Sinisa Karan im
Wahlkampf gegen den Spitzenkandidaten der Opposition stützen. Doch
eigentlich zeigt es: Milorad Dodik ist weit entfernt davon, die Macht
klaglos abzugeben – er bleibt der Strippenzieher bei den serbischen
Nationalisten in Bosnien und Herzegowina.
„Die heutige Wahl wurde von unserem Kandidaten Sinisa Karan gewonnen. Das
steht außer Frage“, erklärte Dodik vor Anhängern in Banja Luka. „Sie
wollten Dodik durch einen vollkommen unfairen politischen Prozess
entfernen“, fügte er am späten Sonntagabend hinzu, „und jetzt haben sie
zwei Dodiks“.
Der Wahlsieger Karan wird allerdings nur knapp ein Jahr im Amt sein, da in
Bosnien schon im Oktober 2026 landesweite Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen anstehen.
Bosnien und Herzegowina ist seit dem [3][Dayton-Abkommen] geteilt in die
überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und die
kroatisch-muslimische Föderation Bosnien und Herzegowina. Die beiden
halbautonomen Landesteile sind durch eine schwache Zentralregierung
miteinander verbunden. Knapp ein Drittel der noch knapp drei Millionen
Einwohner lebt in der Republika Srpska, deren Gebiet fast die Hälfte des
Balkanstaates ausmacht.
24 Nov 2025
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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