# taz.de -- Vogelgrippe-Erreger: Erster Toter in den USA – wie gefährlich ist H5N5?
> In den USA ist ein Mensch nach einer Infektion mit dem
> Vogelgrippe-Erreger H5N5 gestorben – zum ersten Mal. Wie gefährlich ist
> der Erreger?
(IMG) Bild: Nicht nur Hühner können sich mit Vogelgrippe infizieren, sondern auch Menschen
In den USA ist zum ersten Mal ein Mensch nach einer Infektion mit dem
Vogelgrippe-Erreger H5N5 gestorben. Zuvor war das Virus nur bei Wildvögeln
und Geflügel nachgewiesen worden. Was ist über die Vogelgrippe-Variante
bekannt? Wie gefährlich ist sie, und für wen? Sind weitere Fälle beim
Menschen zu erwarten?
Was ist H5N5?
H5N5 ist ein Vogelgrippe-Virus. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut –
Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) kommt H5N5 „seit vielen
Monaten in einigen Regionen der Welt vor“, unter anderem in Nordamerika und
Nordeuropa. In Deutschland sei H5N5 bereits in Wildvögeln nachgewiesen
worden. „Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße auf der Hülle
des Influenzavirus, Hämagglutinin und Neuraminidase, abgekürzt“,
[1][erklärt das RKI.] Bei den Influenza-A-Viren sind bisher 18 Formen von
Hämagglutininen (H1-H18) und 11 Formen von Neuraminidasen (N1-N11) bekannt.
Wie ist H5N5 entstanden?
H5N5 ist ein Ergebnis des natürlichen Gen-Austauschs bei Wildvögeln und der
kontinuierlichen Evolution von Vogelgrippe-Viren. H5N5 ist durch eine Art
„genetisches Mischverfahren“ entstanden, das bei Grippeviren häufig
vorkommt. Ist ein Tier – meist ein Wildvogel – gleichzeitig mit mehreren
Influenza-A-Viren infiziert, können diese Viren Teile ihres Erbguts
untereinander austauschen. Das nennt man Reassortment. Dabei können neue
Kombinationen aus Hämagglutinin und Neuraminidase entstehen – wie
beispielsweise H5N5. Wann und wo genau H5N5 entstanden ist, weiß man aber
nicht. Schon im [2][Jahr 2008] wurde an dem Virusstamm geforscht. Im Jahr
2014 [3][wurde von weiteren H5N5-Ausbrüchen berichtet.]
Wie tödlich ist diese Art der Vogelgrippe?
Bei Vögeln verläuft eine Erkrankung oft tödlich. Die amerikanische
[4][Gesundheitsbehörde Center for Disease Control and Prevention (CDC)]
geht derzeit nicht davon aus, dass Krankheitsverläufe beim Menschen mit
hoher Wahrscheinlichkeit tödlich verlaufen. Der Mann, der kürzlich in den
USA verstarb, hatte Vorerkrankungen und zuvor intensiven Kontakt mit
Geflügel.
Was weiß man sonst über den Toten aus den USA?
Der Verstorbene ging im US-Bundesstaat Washington Anfang November mit
Grippesymptomen ins Krankenhaus, wo er positiv auf H5N5 getestet wurde. Er
wurde später in ein spezialisiertes Krankenhaus verlegt, dort
weiterbehandelt und verstarb schließlich.
Wie hat er sich angesteckt?
Der Mann hielt Geflügel, das sich wahrscheinlich bei Wildvögeln infizierte.
Auf den Menschen kann die Vogelgrippe unter anderem über dreckige Kleidung,
Hände, Futter und Mist übertragen werden. Tiere infizieren sich in der
Regel im direkten Kontakt mit infizierten Tieren, wobei schon sehr kleine
Spuren ausreichen. Bei Menschen gilt das dagegen nicht: „Vermutlich müssen
Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen, um sich zu infizieren“, schreibt
das RKI zu Vogelgrippe-Erregern. Bisher sind nur Tier-zu-Mensch-Infektionen
belegt, und keine Ansteckungen von Mensch zu Mensch.
Was tut Deutschland gegen die Ausbreitung?
In Deutschland wurde H5N5 erstmals im Jahr 2017 in Schleswig-Holstein
festgestellt. Ende 2016 wurden erste H5N5-Fälle bei Wildvögeln in den
Niederlanden, Montenegro, Kroatien, Italien und Albanien bekannt. Das war
der erste bestätigte Ausbruch des Virus in Europa.
Bei Ausbrüchen in landwirtschaftlichen Betrieben werden hierzulande Tiere
getötet, um die Ausbreitung einzudämmen. In deutschen Geflügelhaltungen
wurden allein in den letzten Wochen rund 1,5 Millionen Tiere getötet.
Es werden 3 km große Sperrbezirke und ein 10 km großes Beobachtungsgebiet
angeordnet, wenn ein Fall bekannt wird. Die Seuchenbetriebe und Betriebe,
in denen ebenfalls der Verdacht des Ausbruchs besteht, werden gesäubert.
Auch Betriebe mit Geflügel in einem bestimmten Umkreis um den Ausbruchsort
werden geräumt. Gleichzeitig gibt es Desinfektionsmaßnahmen und
Betretungsverbote, um die Verschleppung des Erregers zu verhindern.
Was wird international gegen die Ausbreitung getan?
Auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Maßnahmen wie in Deutschland, wenn
eine Infektion gemeldet wird. In den USA ist die Nutztierüberwachung
weniger streng als in Deutschland, aber Infektionen werden dennoch genau
verfolgt. In vielen Ländern, [5][beispielsweise Österreich], wird eine
Stallpflicht in unmittelbarer Nähe zum Ausbruchsort angeordnet.
Auch für Deutschland forderte der Präsident des Zentralverbandes der
Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Hans-Peter Goldnick, eine bundesweite
Stallpflicht, weil die Fälle mit dem H5N1-Erreger, dem Erreger, der in
Deutschland als „Geflügelpest“ bekannt ist und grassiert, zunehmen. Der
„Vogelschiss eines Kranichs in so einen Auslauf genügt, um eine Herde
umzubringen“, sagte er in einer Sendung des ZDF-Morgenmagazins.
Inwiefern unterscheidet sich H5N5 von anderen Vogelgrippe-Varianten, wie
zum Beispiel H5N1?
In Deutschland dominiert die Vogelgrippe-Variante H5N1. Im Oktober warnten
Forscher in einer [6][bei Lancet veröffentlichten Studie] darüber, dass
H5N1 nur eine Mutation davon entfernt sei, auf den Menschen überzuspringen.
Dem FLI zufolge gibt es seit Herbst 2021 „kontinuierlich Infektionsfälle
bei Wildvögeln und Ausbrüche bei Geflügel“. Mit diesem Erreger infizieren
sich auch andere Säugetiere weltweit, vor allem wilde, fleischfressende
Säugetiere wie Füchse, Bären und Katzen. Forscher gehen davon aus, dass sie
sich über infizierte Wasservögel angesteckt haben.
H5N5 ist eng verwandt mit H5N1. Mindestens 71 Infektionen mit H5N1 von
Menschen wurden in den USA bisher gemeldet. Die meisten Betroffenen hatten
einen milden Verlauf, eine Person in Louisiana starb jedoch.
## Wie gefährlich ist H5N5?
H5N5 ist für Vögel sehr gefährlich: Hochpathogene Subtypen wie H5 und H7,
also Subtypen, die bei Vögeln schwere Verläufe verursachen, führen häufig
zu massenhaftem Sterben in Beständen. Infektionen mit niedrigpathogenen
Varianten verlaufen dagegen meist weniger schwer.
Für Menschen stuft das CDC das Risiko als „weiterhin gering“ ein. Experten
warnen jedoch davor, dass Virusentwicklungen „unvorhersehbar“ seien.
Kann die Vogelgrippe eine Pandemie wie Covid auslösen?
„Wenn solche Viren die Fähigkeit erlangen, von Mensch zu Mensch übertragen
zu werden, können sie eine Pandemie auslösen“, schreibt [7][das
Robert-Koch-Institut (RKI)] in seiner Q&A zur Vogelgrippe. Bisher ist keine
Übertragung von H5N5 von Mensch zu Mensch nachgewiesen. Das RKI weist
jedoch darauf hin, dass solche Viren theoretisch das Potenzial hätten, eine
Pandemie auszulösen, falls sie diese Fähigkeit entwickeln.
Wie gut kann H5N5 mutieren?
„Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an
den Menschen anpassen kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar wird,
lässt sich nicht vorhersagen“, schreibt das RKI.
Was begünstigt Ausbrüche?
Ausbrüche werden begünstigt durch dichte Geflügelhaltung, Kontakt zu
infizierten Wildvögeln, gemeinsame Wasser- oder Futterstellen,
unzureichende Hygienemaßnahmen in Ställen sowie den Transport oder Handel
von Geflügel. Außerdem treten Infektionen besonders im Herbst und Winter
auf, wenn Wildvögel auf ihren Zugrouten zusammenkommen, aber zunehmend
werden auch im Sommer Fälle beobachtet, insbesondere bei Wildvögeln.
Ist die Weihnachtsgans nun gefährdet?
Nicht direkt. Allerdings können Ausbrüche bei Nutzgeflügel zu
Stallpflichten und Tötungen infizierter Tiere führen, sodass die Versorgung
mit Gänsen oder anderem Geflügel eingeschränkt sein kann. Deswegen könnte
die Weihnachtsgans teurer werden, wenn sich Vogelgrippe-Erreger weiter
ausbreiten.
Sollte ich mich von Vögeln fernhalten?
„Generell sollten kranke oder verendete (Wild-)Vögel nicht berührt werden“,
heißt es auf einer Seite zur Vogelgrippe des RKI. Weiter heißt es: „Tritt
ein Vogelgrippevirus bei Nutzgeflügel auf, sind in erster Linie
Beschäftigte in der Geflügelindustrie, Tierärzte und Beschäftigte in den
betroffenen Betrieben gefährdet, die sich entsprechend den Vorgaben des
Arbeitsschutzes schützen müssen“.
Informationen zu Ausbrüchen in Deutschland gibt es auf den Internetseiten
des [8][Friedrich-Loeffler-Instituts] und des [9][Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft].
23 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Gefluegelpest/Gefluegelpest.html#entry_16870354
(DIR) [2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24080350/
(DIR) [3] https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/21/5/14-1927_article?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [4] /Weisses-Haus-feuert-Chefin-der-Gesundheitsbehoerde/!6109870/
(DIR) [5] https://www.derstandard.de/story/3000000297569/vogelgrippe-erster-bekannter-h5n5-infizierter-in-usa-gestorben
(DIR) [6] https://www.science.org/doi/10.1126/science.adt0180
(DIR) [7] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Gefluegelpest/Gefluegelpest.html#entry_16870374
(DIR) [8] https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/
(DIR) [9] https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/gefluegelpest.html
## AUTOREN
(DIR) Klaudia Lagozinski
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