# taz.de -- SPDqueer-Chef verlässt Partei: Zu viel des Selbstlobs
> Mehmed König tritt aus der Berliner SPD aus und schielt Richtung Linke.
> Er kritisiert den Umgang der SPD mit der Palästina-Solidarität.
(IMG) Bild: Mehmed König kann die Politik der SPD nicht mehr mittragen
Mehmed König, Co-Vorsitzender der SPDqueer Berlin und Mitglied des
Landesvorstands, tritt aus der Partei aus. In einem der taz vorliegenden
Schreiben erklärt er: „Ich kann mich nicht mit einer Partei identifizieren,
deren Praxis sich immer weiter von den Grundwerten entfernt, die mich einst
überzeugt haben.“ Seinen Schritt begründet er mit einem Bündel an Kritik,
vor allem am [1][Umgang der Partei mit der Palästina-Solidarität,] an deren
repressiver Migrationspolitik, an der Sparpolitik des Senats und an der
Bürgergeldreform auf Bundesebene.
König, der 2017 in die Partei eingetreten ist, war noch am Samstag [2][beim
Landesparteitag der Berliner SPD]. Dort bestimmten die Delegierten Steffen
Krach mit 100 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die
Abgeordnetenhauswahl im nächsten Jahr. König selbst war beratender
Delegierter und durfte daher nicht selbst mitstimmen. Umstimmen konnte ihn
die zelebrierte Aufbruchstimmung der Sozialdemokraten indes nicht mehr: „Es
war schmerzhaft anzuschauen, wie die Partei sich nur selbst lobt und nicht
die Fehler aus drei Jahrzehnten Regierungspolitik kritisiert wurden“, sagt
König im Gespräch mit der taz.
In seinem Austrittsschreiben kritisiert König, der 1993 als
Kriegsflüchtling aus Bosnien und Herzegowina nach Deutschland gekommen ist,
die Haltung zum Nahost-Konflikt in der SPD. „Unter dem Begriff der
‚Staatsräson‘ wurden Demonstrationen verboten oder eingeschränkt,
zivilgesellschaftliche Gruppen stigmatisiert und berechtigte
menschenrechtliche Kritik marginalisiert.“
Palästinasolidarische Stimmen würden „unter Generalverdacht gestellt“, sagt
König. Für seine Haltung zu Gaza habe er „in der Partei viele Anfeindungen
erlebt“, aber auch Solidarität erfahren, diese sei jedoch nicht öffentlich
ausgesprochen worden – „Aus Angst von der Springer-Presse
auseinandergenommen zu werden und Macht innerhalb der SPD zu verlieren“.
## Vielfältige Kritik
Die von der SPD mitgetragene „faktische Blockade des Familiennachzugs für
Geflüchtete“ sowie die harte Haltung von Berlins Innensenatorin Iris
Spranger, die von der Initiative „Jugendliche ohne Grenzen“ zur
Abschiebeministerin 2024 gekürt wurde, sind weitere Gründe für Königs
Austritt, ebenso „die zögerliche Haltung der SPD zur Frage eines
AfD-Verbots“.
Hinzu kommt, dass der Senat die Stadt „in vielen Bereichen regelrecht
kaputtgespart“ habe, sei es bei queeren Projekten, sozialen Trägern oder im
Kulturbereich. König hatte im Frühjahr 2023 [3][öffentlich für ein Nein
beim Mitgliederentscheid der Berliner SPD über eine Koalition mit der CDU
geworben].
Wie es für ihn weitergeht, möchte König „noch offen lassen“. Allerdings
tendiere er „stark zu den Linken“. Von deren [4][Spitzenkandidatin Elif
Eralp] sei er „begeistert“; mehr als SPD oder Grüne können die Linke
glaubhaft eine Aufbruchstimmung verkörpern, für die auch der neu gewählte
New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani stehe.
17 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Palaestina-Solidaritaet-in-Berlin/!6099452
(DIR) [2] /Parteitag-der-SPD-Berlin/!6130044
(DIR) [3] /Mitgliederentscheid-der-Berliner-SPD/!5925981
(DIR) [4] /Landesparteitag-der-Berliner-Linken/!6130051
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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