# taz.de -- US-Migrationspolitik: Großeinsatz gegen Migranten in Charlotte
       
       > In der US-Stadt Charlotte führt die Heimatschutzbehörde DHS Razzien gegen
       > Kriminelle und Einwanderer durch. Charlotte ist Hochburg der Demokraten.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen die Einsätze von Bundesbehörden in Charlotte in North Carolina am 15. November
       
       Die Anti-Migrationspolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump
       geht unaufhaltsam weiter. Seit dem vergangenen Wochenende haben die
       Behörden mit Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina jedoch einen neuen
       Zielort ausgelobt. Die Heimatschutzbehörde DHS bestätigte am Samstag, dass
       man dort mit einem Großeinsatz begonnen habe, um kriminelle und illegale
       Einwanderer aufzuspüren und zu verhaften. Behörden erklärten am Sonntag,
       dass am ersten Tag bereits 81 Personen verhaftet wurden.
       
       Die Bundesbehörde DHS hat die Zahl der Sicherheitskräfte in Vorbereitung
       auf den Großeinsatz in den vergangenen Tagen in North Carolina deutlich
       verstärkt. „Amerikaner sollten ohne Angst vor gewalttätigen, kriminellen,
       illegalen Einwanderern leben können, die ihnen, ihren Familien oder ihren
       Nachbarn etwas antun“, sagte die DHS-Staatssekretärin Tricia McLaughlin in
       einer Pressemitteilung.
       
       Pläne für den Großeinsatz, der den Namen „Charlotte’s Web“ trägt – in
       möglicher Anlehnung an ein Kinderbuch mit demselben Titel – wurden in der
       vergangenen Woche offiziell bekannt. Der Sheriff des Landkreises
       Mecklenburg, in dem sich die Großstadt befindet, erklärte, dass er von zwei
       Regierungsbeamten über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt wurde.
       
       Sheriff Gary McFadden erklärte, dass er den Aufmarsch der Bundesbehörden in
       seinem Landkreis zur Kriminalitätsbekämpfung begrüße. Gegenüber [1][NPR
       sagte McFadden], dass sich die Sheriffs-Behörde an Einwanderungs-Razzien
       allerdings nicht beteiligen würde. „Wir müssen uns aber darüber im Klaren
       sein, dass es zu Unruhen kommen kann. Sollte es also zu solchen Unruhen
       kommen, müssten wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Bürgerinnen
       und Bürger unserer Stadt und unseres Landkreises zu schützen“, sagte er.
       
       ## Angst und Verunsicherung
       
       Die Annahme, dass es in der Stadt zu Unruhen und Ausschreitungen kommen
       könnte, ist nicht unbegründet. In Städten wie Chicago, Portland, [2][New
       York] oder Los Angeles war dies aufgrund der verschärften
       Einwanderungskontrollen und Fahndungen nach Migranten bereits der Fall. Und
       auch in Charlotte kam es in der Vergangenheit immer wieder zu größeren
       Ausschreitungen. Zum Beispiel im Jahr 2016 nach der Erschießung des
       Schwarzen Keith Lamont Scott durch einen Polizeibeamten.
       
       Auch die Polizeibehörde der Stadt Charlotte erklärte im Vorfeld des
       Großeinsatzes, dass man sich an den Einwanderungsmaßnahmen nicht beteilige.
       „Unsere Behörde ist für die Durchsetzung bundesstaatlicher und
       länderspezifischer Straf- und Kommunalgesetze zuständig“, hieß es in einer
       Stellungnahme.
       
       Charlotte ist mit knapp 950.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt in
       North Carolina. In der Metropolregion leben etwa 2,5 Millionen Menschen.
       Wie so viele Städte in den USA ist auch Charlotte politisch eine Hochburg
       der Demokraten. Die Ankündigung des Großeinsatzes hat daher unter vielen
       Einwohnern der Stadt für Verunsicherung gesorgt. Die demokratische
       Bürgermeisterin der Stadt, Vi Lyles, warnte vor der Verbreitung von
       Gerüchten in den sozialen Medien. Dies würde die Angst und Verunsicherung
       unter den Einwohnern nur noch verstärkten, obwohl dies eine Zeit für
       Zusammenhalt sei.
       
       „Jeder in unserer Gemeinschaft hat es verdient, sich sicher zu fühlen, und
       ich bin dazu bereit, alles zu tun, um unsere Gemeinschaft zu informieren
       und um sicherzustellen, dass sich jeder sicher fühlt und seine Rechte
       kennt“, sagte sie [3][in einem Post auf X].
       
       ## Mord an Ukrainerin
       
       Ob in den kommenden Tagen auch Nationalgardisten zur Unterstützung der
       Einwanderungs- und Grenztruppen nach Charlotte entsendet werden, ist
       unklar. Am Sonntag kam es bereits zu vereinzelten Protesten gegen den
       Großeinsatz. Dabei blieb es friedlich.
       
       Der brutale Mord an einer 23-jährigen Ukrainerin in einer Straßenbahn in
       Charlotte schlug im August hohe Wellen. Die als Kriegsflüchtling in die
       Stadt gekommene Iryna Zarutska saß nichtsahnend in der Straßenbahn und
       schaute auf ihr Handy, als der mutmaßliche Täter Decarlos Brown Jr. ohne
       Vorwarnung dreimal von hinten mit einem Taschenmesser auf sie einstach.
       
       Wie sich im Anschluss herausstellte, hatte Brown Jr. bereits mehrere
       Vorstrafen. Trump, der Brown Jr. als einen „Verrückten“ und
       „Geisteskranken“ abstempelte, nutze die Tat auch, um die, seiner Meinung
       nach, lasche Politik von Demokraten gegenüber Verbrechern zu kritisieren.
       Das Weiße Haus erklärte in einer Stellungnahme, dass die Tat ein Zeichen
       dafür sei, dass „demokratische Politiker, Staatsanwälte und Richter in
       North Carolina ihren woken Agenden Priorität einräumen“ würden, anstelle
       den Schutz von Bürgern zu priorisieren. Brown Jr. ist ein schwarzer
       US-Staatsbürger, kein Einwanderer.
       
       Das harte Durchgreifen bei den Themen Verbrechen und Einwanderung hat in
       den ersten zehn Monaten von Trumps zweiter Amtszeit bereits Spuren
       hinterlassen. Mehr als 500.000 Personen hat die Regierung seit Januar
       offiziell abgeschoben. Gleichzeitig sollen mehr als 1,6 Millionen illegale
       Einwanderer das Land freiwillig verlassen haben.
       
       17 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.npr.org/2025/11/14/nx-s1-5608391/north-carolina-sheriff-on-the-deployment-of-border-patrol-agents-in-charlotte
 (DIR) [2] /ICE-Abschiebungen-in-New-York/!6121544
 (DIR) [3] https://x.com/CLTMayor/status/1989125366535901575?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1989125366535901575%7Ctwgr%5Ef950e3d5b7f8c70b8639c97fa9346d8dc304368a%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.wfae.org%2Fcrime-justice%2F2025-11-13%2Fmecklenburg-sheriff-says-border-patrol-agents-are-heading-to-charlotte
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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