# taz.de -- Trotz Waffenstillstand: Kind im Westjordanland getötet
       
       > Ein palästinensischer Junge wurde am Donnerstag von Schüssen des
       > israelischen Militärs in seinem Dorf getroffen und erlag seinen
       > Verletzungen. Kein Einzelfall.
       
 (IMG) Bild: Die Menschen im Westjordanland leiden seit langer Zeit unter Tod und Zerstörung
       
       taz | Ein elfjähriges Kind hat am Donnerstag im südlichen Westjordanland
       sein Leben verloren. Offenbar haben israelische Streitkräfte im
       palästinensischen Dorf Al-Rihiya südlich von Hebron das Feuer eröffnet und
       den Jungen getötet.
       
       Wieso, darüber klaffen die Darstellungen [1][von Palästinenser*innen
       und dem israelischen Militär] auseinander. Laut der heimischen
       Nachrichtenagentur Wafa spielte das Kind, Mohammad Bahjat Al-Hallaq, gerade
       Fußball mit seinen Freunden auf dem Hof der Schule Al-Rihiya Girls
       Secondary School, als die israelischen Soldat*innen begannen zu
       schießen.
       
       Das Kind wurde am Becken getroffen und sofort ins benachbarte Krankenhaus
       gebracht. Allerdings war sein Zustand bereits kritisch, als er dort ankam.
       Er erlag später seinen Wunden.
       
       Das israelische Militär (IDF) schreibt auf Nachfrage, Menschen hätten in
       dem Dorf Steine auf seine Soldat*innen geworfen, die daraufhin auf die
       Palästinenser*innen scharf geschossen hätten. Die Schüsse hätten
       Personen getroffen und das Geschehen werde gerade untersucht. Kein Militär
       sei dabei zu Schaden gekommen.
       
       Bewohner*innen von al-Rihiya sagten gegenüber dem britischen Sender
       BBC, Al-Hallaq habe angefangen zu rennen, als die Fahrzeuge der
       Soldat*innen ankamen. Er und seine Freunde hätten Angst bekommen und
       wollten zurück nach Hause. Es habe keine Konfrontation zwischen den Kindern
       und den Soldat*innen gegeben, so der Vater von einem Spielkameraden
       Al-Hallaqs, der ebenfalls dabei war.
       
       Die Streitkräfte hätten aus einem Wagen heraus ziellos geschossen. Laut dem
       israelischen Sender Kan soll ein israelischer Kommandeur das Verhalten des
       Soldaten kritisiert haben, der geschossen hatte. Dies habe nicht den
       Kampfrichtlinien des Militärs entsprochen. Darüber berichteten
       internationale Medien.
       
       Das Büro für humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen in den
       palästinensischen Gebieten sagte kurz nach der Tat, man sei über die Tötung
       des Kindes empört. 1.001 Palästinenser*innen seien seit dem 7.
       Oktober 2023 im Westjordanland von israelischen Streitkräften und Siedlern
       umgebracht worden, 213 davon, etwa 20 Prozent, seien noch Kinder gewesen.
       Das jüngste sei ein zweijähriges Mädchen, Laila Khatib, das im Januar 2025
       in ihrem Haus in Jenin durch IDF-Schüsse starb.
       
       Die Zahl umfasst ebenso 20 Frauen und mindestens sieben Menschen mit
       Behinderungen. Palästinenser*innen, die in Gefangenschaft gestorben sind,
       seien darunter nicht erfasst. Im selben Zeitraum verloren 59 Israelis im
       Westjordanland und Israel ihr Leben, 22 davon Soldat*innen. Fünf der
       Getöteten waren Kinder, 16 Frauen.
       
       18 Oct 2025
       
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