# taz.de -- Gesundheit von Pflanzen: Wenn Tomatenpflanzen schreien, hören Motten ganz genau hin
       
       > Dürren stressen die Gesundheit von Pflanzen, das lässt sich nicht nur
       > hörbar messen. Es beeinflusst auch das Verhalten von Insekten.
       
 (IMG) Bild: Frei nach Prince: when tomatoes cry
       
       Es geht um Schmerzen durch den Klimawandel, speziell bei langanhaltender
       Dürre. Obwohl: wissenschaftlich betrachtet nicht wirklich. Denn Schmerzen
       sind ein menschliches Gefühl, das nicht von allen Lebewesen geteilt wird.
       Und hier geht es um Tomatenpflanzen. In einer bereits 2023 im
       Biologie-Fachjournal Cell veröffentlichten [1][Studie] fanden israelische
       Forscher:innen heraus, dass Tomaten „schreien“, wenn sie zu wenig Wasser
       bekommen.
       
       Für ihre Arbeit stellten die Wissenschaftler:innen der Universität Tel
       Aviv Mikrofone vor den Pflanzen auf und horchten nach. Das Ergebnis:
       Pflanzen, die Trockenheit ausgesetzt waren, [2][machten Geräusche]. Doch
       für Menschen war das Klackern im Ultraschallbereich mit Frequenzen von 40
       bis 80 Kilohertz unhörbar. Je weniger Wasser die Pflanzen hatten, desto
       intensiver wurden die Geräusche. Denn durch den Wassermangel bilden sich
       Luftbläschen in den Kapillaren, den Nährstoffleitungen der Pflanzen.
       Platzen diese, erzeugen sie eine Vibration, die als Ultraschall in der
       Umgebung gemessen werden kann.
       
       ## Die Studie
       
       Um die Geräusche der gestressten Tomatenpflanzen wahrnehmen zu können,
       bräuchten Menschen ein hundertmal besseres Gehör. Bestimmte Insekten und
       Fledermäuse können aber auch im Ultraschallbereich hören. Deshalb ging die
       Forschungsgruppe aus Tel Aviv nun der Frage nach, welche Auswirkungen die
       „Schreie“ der Tomatenpflanzen in der Natur haben.
       
       Dafür experimentierten sie mit dem Ägyptischen Baumwollblattwurm.
       Spodoptera littoralis ist eine nachtaktive Mottenart mit besonders
       empfindlichem Gehör, die neben Afrika auch im Mittelmeerraum und im Nahen
       Osten verbreitet ist. In einer in der digitalen Fachzeitschrift eLife
       veröffentlichten [3][Studie] fand das Team um Rya Seltzer heraus, dass die
       Motten bei der Suche nach einem Platz für die Eiablage „laute“ Pflanzen
       meiden.
       
       In ihren Versuchen arbeiteten die Wissenschaftler:innen nur mit
       gesunden, gut gewässerten Tomaten. In unterschiedlichen Versuchsanordnungen
       spielten sie Audioaufnahmen von gestressten Pflanzen ab. Im Ergebnis
       suchten die Motten in der Mehrzahl jene Pflanzen auf, die nicht „laut“
       waren. Die Schlussfolgerung: Motten nutzen auch ihr Gehör, um nach gesunden
       Pflanzen zu suchen, die ideale Bedingungen für ihren Nachwuchs bieten.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Durch die Klimaerhitzung steigt das Phänomen des „Trockenstresses“ bei
       Pflanzen: Wenn es wärmer wird, müssen viele Arten mehr Wasser verdunsten,
       um sich selbst herunterzukühlen. Oft geht mit Hitze aber auch Trockenheit
       einher, was viele Arten nicht verkraften. Die Studie aus Israel zeigt, dass
       dies Auswirkungen weit über die Pflanzenwelt hinaus hat. Und sie bestätigt
       einmal mehr, was wir ohnehin schon wussten: Mit dem menschengemachten
       Klimawandel bringen wir die Welt aus dem Takt.
       
       29 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(23)00262-3
 (DIR) [2] /Akustik-von-Pflanzen/!5923186
 (DIR) [3] https://elifesciences.org/reviewed-preprints/104700v2#tab-content
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
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