# taz.de -- Energiewende in Berlin: Giffey denkt größer
> Bei der Solarförderung des Landes fallen künftig offenbar die Zuschüsse
> für Balkonanlagen weg. Die Senatorin hält die für ausreichend günstig.
(IMG) Bild: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) will mehr Solarförderung auf große Dächer fokussieren
Berlin taz | Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hat eine positive
Zwischenbilanz [1][der seit Anfang 2023 geltenden Pflicht für Solardächer]
bei Neu- und Umbauten gezogen. Zugleich kündigte sie an, Fördermittel
künftig anders verteilen und auf leistungsstarke Großdächer konzentrieren
zu wollen. „Wir müssen uns auf stärkere Anlagen fokussieren“, sagte sie am
Dienstag nach der Senatssitzung. Die bisherige Förderung für
Balkonsolaranlagen soll offenbar wegfallen. Die kosten laut Giffey
inzwischen in Baumärkten teilweise weniger, als das Land bisher
zugeschossen hat.
Giffey zeigte sich zwar erfreut über die seit 2023 mehr als verdreifachte
Zahl von derzeit 53.000 Solaranlagen und dass damit 5,6 Prozent des in
Berlin erzeugten Stroms aus Solarenergie stammen. Um aber tatsächlich das
Ziel des Senats zu erreichen, diesen Wert bis 2035 auf 25 Prozent fast zu
verfünffachen, will sie künftig stärker große Dächer von Unternehmen und
anderen Eigentümern in den Blick nehmen. Nach Zahlen der Senatsverwaltung
für Wirtschaft entspricht die derzeit erzeugte Menge an Solarenergie
umgerechnet dem, war etwa 165.000 Haushalte im Jahr verbrauchen.
„Wenn wir auf 4.400 Megawattpeak (Einheit für die maximale Leistung einer
Anlage, d. taz) Leistung bis 2035 kommen wollen und jetzt 460 haben, dann
heißt das, dass wir sehr stark auf Leistung schauen müssen“, sagte Giffey.
Der Fokus werde sich daher nun verschieben. Hier sehe sie „ein großes
Potenzial, das noch nicht ausreichend genutzt wird.“
Die Wirtschaftssenatorin hielt es auf Nachfrage für möglich, dass [2][der
bis zu 60 Stunden dauernde Blackout Mitte September im Südwesten Berlins]
einen Schub für Solaranlagen gibt. „Das hat auch dazu beigetragen, dass die
Unternehmen das stärker diskutieren“, sagte sie. Sie verwies dabei darauf,
dass eine besondere Installation nötig ist, um den auf dem eigenen Dach
gewonnenen Strom auch direkt nutzen und nicht nur ins allgemeine Stromnetz
einspeisen zu können.
## 10 Millionen jährlich für Solar-Förderprogramm im Haushalt
Laut Giffey ist der Widerstand gegen die Solarpflicht ausgeblieben, wie ihn
etwa die CDU erwartete. Die seit 2023 geltende Vorschrift verpflichtet bei
Neubau oder bei wesentlichen Dachumbauten zu einer Solaranlage, sieht aber
Ausnahmen vor. Die sind bei kleinen, nur nach Norden ausgerichteten Dächern
möglich oder wenn der Umbau eine besondere Härte für die Eigentümer
darstellen würde.
Den in den vergangenen knapp drei Jahren entstandenen zehntausenden neuen
Solaranlagen standen demnach bisher nur 315 Anträge auf Befreiung von der
Solarpflicht entgegen. Von denen waren nach Giffey Zahlen 92 erfolgreich,
152 wurden abgelehnt und 71 werden noch bearbeitet.
Giffey stellte den Solarausbau in den Zusammenhang mit der Energiewende.
„Wir wollen Berlin bis spätestens 2045 zu einer klimaneutralen Metropole
machen“, sagte sie, „unser konsequenter Solarausbau ist dafür ein wichtiger
Baustein.“ [3][Der Entwurf des Landeshaushalts 2026/2027] sieht nach ihren
Worten für das Solar-Förderprogramm jährlich zehn Millionen Euro vor.
7 Oct 2025
## LINKS
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(DIR) [3] /Berliner-Landeshaushalt-2026-und-2027/!6098969
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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