# taz.de -- Meduza-Auswahl 25. September–1. Oktober: Wie Russland seinen Staatshaushalt sanieren will
       
       > Der Krieg gegen die Ukraine hat ein Rekordloch in die Staatskasse
       > gerissen. Dem will Moskau entgegenwirken – und erhöht die Steuern für
       > Bürgerinnen und Bürger.
       
 (IMG) Bild: Insgesamt werden die Ausgaben für Militär und Sicherheit 38 Prozent des Haushalts 2026 ausmachen
       
       Das [1][russisch]- und [2][englischsprachige] Portal Meduza zählt zu den
       wichtigsten unabhängigen russischen Medien. [3][Im Januar 2023 wurde Meduza
       in Russland komplett verboten]. Doch Meduza erhebt weiterhin seine Stimme
       gegen den Krieg – aus dem Exil. Die taz präsentiert seit 1. März 2023 unter
       taz.de/meduza immer mittwochs in einer wöchentlichen Auswahl, worüber
       Meduza aktuell berichtet. Das Projekt wird von der [4][taz Panter Stiftung]
       gefördert. 
       
       In der Zeit vom 25. September bis 1. Oktober 2025 berichtete Meduza unter
       anderem über folgende Themen: 
       
       ## Sanktionierte Chemikalie an Russland geliefert
       
       Belarussische und russische unabhängige Medienrecherchen haben
       herausgefunden, dass das Lösungsmittel N-Methyl-2-Pyrrolidon (NMP), das
       sowohl für friedliche als auch für militärische Zwecke verwendet werden
       kann, offenbar aus Spanien nach Russland geliefert wurde. Eigentlich steht
       es unter Sanktionen. [5][Meduza berichtet auf Russisch.]
       
       NMP kann zur Herstellung von Giftstoffen für Granaten der Typen K-51 und
       RG-VO verwendet werden. Im Mai 2025 erklärte der Generalstab der
       ukrainischen Streitkräfte, dass die russische Armee im Krieg gegen die
       Ukraine Granaten dieser Typen sowie andere Munition mit „gefährlichen
       Chemikalien“ einsetzt.
       
       Insbesondere wird es für die Herstellung von Tränengasmunition benötigt,
       deren Einsatz der russischen Armee vom Generalstab der ukrainischen
       Streitkräfte vorgeworfen wurde. Das NMP wurde von einem belarussischen
       Unternehmen nach Russland geliefert, das mit drei großen Geschäftsleuten in
       Verbindung steht, die von den US-Behörden als „Geldbeutel“ von Alexander
       Lukaschenko bezeichnet wurden. Die spanische Polizei hat im Zusammenhang
       mit der Lieferung der sanktionierten Chemikalien neun Personen
       festgenommen. Drei von ihnen sind Mitglieder einer Familie aus Russland:
       Maria Oleynikova und ihre Kinder Vyacheslav und Irina. Sie besitzen
       Restaurants in Barcelona, Moskau und Sankt Petersburg.
       
       ## Wo russische Frauen kinderlos bleiben
       
       Tschetschenien und Inguschetien sind die Regionen in Russland mit dem
       höchsten Anteil an Frauen, die 50 Jahre alt werden, ohne Kinder bekommen zu
       haben. Auch Unfruchtbarkeitsdiagnosen sind im Nordkaukasus häufiger als in
       anderen Teilen des Landes. Dennoch bleibt das Thema in diesen zutiefst
       traditionellen Gesellschaften tabu, und Frauen, die keine Kinder bekommen
       können, werden oft als „mangelhaft“ angesehen. [6][Meduza berichtet auf
       Englisch.]
       
       In Familien im Kaukasus wird oft davon ausgegangen, dass eine Frau
       unmittelbar nach der Heirat ein Kind bekommen sollte. Wenn sie nicht
       schwanger wird, wird sie als „defekt“ bezeichnet. Verwandte – insbesondere
       Schwiegermütter – beginnen sich zu beschweren: „Vielleicht bist du krank?
       Geh zurück nach Hause, lass meinen Sohn eine gesunde Frau heiraten, damit
       er Kinder haben kann.“ Das hat verheerende Auswirkungen auf die Frauen: Sie
       beginnen, sich schuldig zu fühlen und sich selbst als mangelhaft zu
       betrachten.
       
       Die Geschichte der betroffenen Frauen ist oft dramatisch: Bis zu ihrem 26.
       Lebensjahr war Lina bereits von 20 Gynäkologen behandelt worden. Ihre
       Schwiegermutter stimmte allem zu, was die Ärzte vorschlugen. Lina wurden
       Hormone verschrieben; ihr Gewicht schwankte, aber sie stieß auf kein
       Verständnis. Um herauszufinden, warum sie nicht schwanger werden konnte,
       wurde sie wiederholt operiert. Lina packte ihre Sachen und ging.
       
       ## Entwurf für Haushalt in Russland genehmigt
       
       Die russische Regierung hat einen Entwurf für den Haushalt 2026 bis 2028
       genehmigt. Die vollständigen Dokumente sind noch nicht öffentlich, aber die
       vom Finanzministerium bekannt gegebenen Zahlen und wesentlichen
       Steueränderungen machen die Absichten des Kremls deutlich: Im Jahr 2026
       plant er, 1,2 Billionen Rubel (14,4 Milliarden Dollar) aus der Bevölkerung
       zu entnehmen und in den Staatshaushalt und den Krieg zu leiten. Das
       geschieht zum Nachteil der normalen Bürger und der Privatwirtschaft.
       [7][Meduza recherchiert, ob das ausreichen wird, um das Rekordloch im
       Haushalt zu stopfen (englischer Text).]
       
       Die Regierung verschärft auch die Auflagen für kleine Unternehmen. Sie
       senkt die Umsatzgrenze für Unternehmen, die das vereinfachte Steuersystem
       Russlands in Anspruch nehmen können, von 60 Millionen Rubel (etwa 720.000
       US-Dollar) auf nur noch 10 Millionen Rubel (etwa 120.000 US-Dollar). Das
       System ist sehr beliebt: Etwa 70 Prozent der Einzelunternehmer nutzen es.
       
       Insgesamt werden die Ausgaben für Militär und Sicherheit 38 Prozent des
       Haushalts 2026 ausmachen – nur geringfügig weniger als die für 2025
       geplanten Rekordwerte von 41 Prozent, dem höchsten Anteil seit der
       Sowjetzeit.
       
       ## Göttlich texten
       
       Ende September tauchte Zosima, Russlands sogenannte orthodox-christliche
       Messenger-App, kurzzeitig bei Google Play auf. Die App wurde jedoch bald
       wieder entfernt, wahrscheinlich bis zum offiziellen Start am 30. Oktober.
       Einige russische Medien stellten fest, dass dieses Datum auf den Vorabend
       von Halloween fiel – ein Detail, welches sie als symbolisch empfanden.
       
       Trotz der kurzen Verweildauer im Google Play Store gelang es einigen
       Journalisten, die App herunterzuladen und zu testen. [8][Meduza berichtet
       auf Englisch.]
       
       Die App soll dazu dienen, Gläubigen zu helfen, mit ihrer örtlichen Gemeinde
       in Kontakt zu bleiben: Sie sollen Neuigkeiten über Kirchen in ihrer Nähe zu
       erhalten, Gebete erbitten können und „immer mit der Kirche und ihrem
       Pfarrer in Verbindung bleiben“.
       
       Die Entwickler haben versprochen, dass Nutzer persönliche und Gruppenchats
       erstellen, Fotos und Videos teilen, Livestreams senden und sogar Spenden
       für Kirchen sammeln können. Normale Nutzerprofile erlauben bereits
       Freundschaftsanfragen, und laut den Entwicklern werden sie bald auch Fotos,
       Videos, Alben und Playlists anzeigen.
       
       1 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://meduza.io
 (DIR) [2] https://meduza.io/en
 (DIR) [3] /Russische-Medien-im-Exil/!5911767
 (DIR) [4] /!v=4269299f-23bb-40f2-a4ea-2b1b1ae40192/
 (DIR) [5] https://meduza.io/feature/2025/09/30/belorusskaya-kompaniya-svyazannaya-s-koshelkami-lukashenko-postavlyala-v-rossiyu-himikat-dlya-proizvodstva-granat-so-slezotochivym-gazom
 (DIR) [6] https://meduza.io/en/feature/2025/09/26/my-body-didn-t-belong-to-me
 (DIR) [7] https://meduza.io/en/feature/2025/09/26/russians-pick-up-the-tab
 (DIR) [8] https://meduza.io/en/feature/2025/09/30/holy-data-grab
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tigran Petrosyan
       
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