# taz.de -- Ausstellung über Computerspiele: Aus Nostalgie ein paar Atombomben werfen
> Das Alliiertenmuseum in Dahlem zeigt, wie der Kalte Krieg bis ins
> Kinderzimmer reichte. Eine Ausstellung über Spiele als Spiegel
> politischer Angst.
(IMG) Bild: Gameboy: Im Computerspielmuseum geht es um die Geschichte der Spiele und des Mediums
Berlin taz | Die sowjetischen Armeen, symbolisiert durch rote Vierecke,
stehen tief in westdeutschen Gebieten. Auch Norditalien ist in der Hand in
der Roten Armee. Da helfen nur Atombomben: Die Bildschirmröhre des alten
Amiga leuchtet kurz rot auf, dann erscheint ein pixeliger Atompilz. Die
erste sowjetische Panzerarmee ist vernichtet.
Die Szene stammt aus dem Computerspiel „Conquer Europe“. Erschienen ist die
Weltkriegssimulation 1989, als die Mauer noch stand und die Möglichkeit
eines Atomkrieges sehr präsent war. „Man lebt in einer Angst der atomaren
Eskalation. Warum spielt man die eigene Gefahr?“, fragt Veit Lehmann,
Kurator der neuen [1][Sonderausstellung im Alliiertenmuseum in Dahlem „Cold
War Games“]. Lehmann beantwort die Frage beim Rundgang durch die
Ausstellung gleich selbst. Spielen ist menschlich, und der Mensch spielt,
„um die eigene Realität, der man ohnmächtig ausgeliefert ist, zu
bewältigen“.
Die Ausstellung, die in [2][Kooperation mit dem Computerspielmuseum]
entstanden ist, schaut auf den Kalten Krieg durch das Medium Spiel. Eine
lohnenswerte Perspektive, offenbart sie doch, wie stark sich der
Ost-West-Konflikt auf den Alltag ausgewirkt hat. „Kauft kein
Kriegsspielzeug“, steht zum Beispiel auf einem Plakat der DGB-Jugend aus
den 80er Jahren, abgebildet ist eine Puppe, deren Gliedmaße von Panzern und
Kampfflugzeugen abgesprengt werden.
Der Ausstellungsraum ist einer Küche in einer Westberliner Sponti-WG
nachempfunden. Auf dem Tisch steht das Brettspiel „Klassenkampf“, in dem
sich die Spieler:innen gegen alle Widerstände der Bourgeoise in ein
kommunistisches Utopia hocharbeiten müssen.
## Monopoly-Kopie
„Spiele sind nicht nur affirmativ, sondern auch widerständig“, erklärt
Kurator Lehmann. Das galt auch jenseits der Mauer. Computerspiele, die den
dritten Weltkrieg simulierten, gab es in der DDR nicht. Die
Spieleentwicklung war komplett in staatlicher Hand, Kriegsspiele waren
Tabu. Auf dem „Poly-Play“, dem einzigen Spielautomaten der DDR, schießt man
nicht auf Soldaten, sondern auf Hirsche. In „Druschba“, einem Brettspiel,
werden die Errungenschaften der Sowjetvölker gefeiert.
Subversives mussten sich die DDR-Bürger selber schaffen. Ein Exponat zeigt
eine selbstgemachte Monopoly-Kopie. Statt ins Gefängnis geht es hier zur
Delegiertenversammlung, für die Aktionskarte „Verkaufe deinen Trabant“
bekommt der Spieler lächerliche 100 Ostmark.
Auch heute ist das Sujet des [3][Kalten Kriegs] in der Spielewelt beliebt,
allerdings aus einem anderen Grund. „Heute wird nicht aus
Traumabewältigung, sondern aus Nostalgie gespielt“, sagt Lehmann. Die
einfache Binarität, Ost-West, Kapitalismus und Sozialismsus, hat in der
heutigen, komplexen weltpolitischen Lage etwas Verlockendes. Bleibt die
Frage: Welche Spiele werden wir in der Zukunft spielen?
13 Oct 2025
## LINKS
(DIR) [1] /AlliiertenMuseum-will-neuen-Standort/!5883181
(DIR) [2] /Die-Geschichte-des-Computerspielemuseums/!6106739
(DIR) [3] /Ausstellung-zum-Kalten-Krieg/!5938871
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
## TAGS
(DIR) Kalter Krieg
(DIR) Museum
(DIR) Computerspiel
## ARTIKEL ZUM THEMA