# taz.de -- Serie „Faithless“ bei Arte: Kleine Perle in rauer See
       
       > Die Serie „Faithless“ basiert auf einem Ingmar-Bergman-Drehbuch über Leid
       > und Leidenschaft der Liebe. Ein gelungenes Remake.
       
 (IMG) Bild: Wiedersehen im Rentenalter: Marianne und David räumen 40 Jahre später mit ihrer Vergangenheit auf
       
       Lassen sich Werke des schwedischen Kultregisseurs [1][Ingmar Bergman] als
       Serie verfilmen? Der amerikanische Qualitätsfernsehsender HBO machte das
       vor vier Jahren schon recht überzeugend mit dem Klassiker [2][„Szenen einer
       Ehe“].
       
       Bereits vor über 20 Jahren wandte sich der damals junge schwedische
       Regisseur Tomas Alfredson – heute einem internationalen Publikum bekannt
       für [3][„Dame, König, As, Spion“] – an Bergman und fragte ihn, ob er dessen
       Drehbuch „Faithless“ als Serie umsetzen könne. Das Format fand der
       Nachwuchsregisseur interessant, um Charaktere und Story weiterentwickeln zu
       können. Bergman hatte das autobiografische Skript nie selbst verfilmt, 2001
       machte Liv Ullmann daraus einen Kinofilm, der auch in Cannes lief.
       Alfredson berichtet, dass Bergman zu ihm sagte, dass er die Idee
       „unheimlich spannend“, aber auch „wirklich beschissen“ finde.
       
       Nun endlich wurde aus dem seit über 20 Jahren geplanten Projekt eine vom
       schwedischen Fernsehen und Arte produzierte Serie, die sich sehen lassen
       kann, auch wenn der Sechsteiler nicht an die Filme Bergmans herankommt und
       Sara Johnsen in ihrem Drehbuch deutliche Änderungen an der Geschichte
       vornimmt.
       
       ## Ein kompliziertes Dreieck
       
       Es geht um eine fast klassische Dreiecksgeschichte und die in Bergmans
       Schaffen immer wieder aufgeworfene und für ihn auch autobiografisch
       wichtige Frage, wie zerstörerisch eine Scheidung sein kann. In den späten
       70er Jahren kehrt Regisseur David (Gustav Lindh) von London nach Stockholm
       zurück. Er ist eng mit dem Ehepaar Marianne (Frida Gustavsson) und Markus
       (August Wittgenstein) befreundet. Markus ist erfolgreicher Jazzkomponist.
       Marianne übernimmt die Hauptrolle in Davids neuem Filmprojekt. Die beiden
       lassen sich auf eine Affäre ein, Ehemann Markus kommt dahinter, es folgen
       die Scheidung und ein langwieriger Rechtsstreit um das Sorgerecht für die
       gemeinsame Tochter Isabelle (Poppy Klintenberg Hardy).
       
       Diesem Erzählstrang steht ein weiterer gegenüber, der 40 Jahre später
       angesiedelt ist: Die jungen Künstler von damals sind Mitte 70 und hadern
       mit den früher getroffenen Entscheidungen. Während im Film von 2001 David
       (Bergmans Alter Ego) die junge Marianne in Form von Tagträumen erscheint,
       muss sich der ältere David (Jesper Christensen) in der Serie mit einer
       ebenso alt gewordenen Marianne auseinandersetzen. Letztere wird von Lena
       Endre gespielt, die in Liv Ullmans Film vor 24 Jahren noch die junge
       Marianne darstellte.
       
       Die Serie lotet in einer kammerspielartigen Atmosphäre das emotionale Mit-
       und Gegeneinander der Figuren aus, die sich in einer patchworkartigen
       Familienkonstellation befinden. Es geht um Eifersucht, Begehren,
       Sexualität, familiäre Bindungen und gebrochene Treueversprechen. Die
       romantische Begegnung von David und Marianne hat viel mit dem
       künstlerischen Prozess des Filmemachens und der Schauspielerei zu tun.
       
       Aber auch das Verhältnis der Erwachsenen zu Mariannes und Markus’ Tochter
       Isabelle spielt eine zentrale Rolle, ebenso wie die hilflose Eifersucht und
       tiefe Verzweiflung des Ehemannes. „Ich habe dein Leben zerstört“, sagt der
       fast schon greise David zur erwachsen gewordenen Isabelle, die das
       schulterzuckend mit „Ich weiß“ kommentiert, als sich alle in jenem
       Sommerhaus am See wiedertreffen, wo die Affäre einst begonnen hat.
       
       „Faithless“ erzählt mit großartigen Schauspielern von biografischen Brüchen
       im Spannungsfeld künstlerischer Arbeit, setzt eindrücklich das Altwerden in
       Szene und zeigt das Zerstörungspotenzial, das Trennungen und Scheidungen
       innewohnt. Das mag nicht die Brillanz eines Bergman-Films haben, ist aber
       im sonst auf schnell dahinfließender Unterhaltung ausgelegten
       Seriengeschäft [4][eine seltene und sehenswerte Arthouse-Perle.]
       
       1 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Schmid
       
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