# taz.de -- Nach Kritik für taz-Satire: Die taz debattiert
> Ein Text auf der „Wahrheit“-Seite der wochentaz will einem Teil der
> Palästina-Solidaritätsbewegung den Spiegel vorhalten. Seitdem diskutiert
> die taz-Belegschaft über Stereotype und Kriegsopfer in satirischen Texten
[1][Aus der taz] | Jeden Tag aufs Neue suchen wir nach Worten für die
Verbrechen in Gaza. Israels Militär und Regierung ist seit dem
Hamas-Massaker vom 7. Oktober das Menschenrecht in Gaza egal, und man
schert sich in den Entscheiderrängen nicht um völkerrechtliche Standards –
von schlichter Humanität ganz zu schweigen.
Die Menschen werden wieder und wieder vertrieben, sie leiden, sie hungern,
sie sterben. Und keine Berichterstattung, kein Appell, keine Resolution,
keine Forderung, die die internationale Gemeinschaft an Israel richtet,
zeigt eine Wirkung.
Darf man in dieser Situation jenem Teil der Palästina-Solidaritätsbewegung,
in dem Antisemitismus gedeiht, auf bitterböse Weise den Spiegel vorhalten,
noch dazu in Form einer Satire? Ist es zulässig aufzuzeigen, dass das Leid
der Menschen auch politisch instrumentalisiert wird? Und darf Satire, die
sich häufig Stereotypen bedient, in dieser verheerenden Lage tatsächlich
mit Stereotypen spielen?
## Kriegsopfer als Satireobjekt?
Gleich vorab: Wir haben dazu keine generelle Antwort – erst recht keine,
die alle Seiten zufrieden stellen würde. Doch seit in der wochentaz vom 20.
September 2025 ein Satiretext unter dem Titel „Mit Gänsehaut auf die
Geiselbahn – im neuen Gaza-Erlebnispark wird Ausnahmezustand für
Krisentouristen als spannende Inszenierung erfahrbar“ erschienen ist,
diskutiert die Redaktion der taz intensiv darüber. Es gibt das enorm starke
Bedürfnis im Haus, die großen internen Differenzen der taz zu diesem Text
auch nach außen zu tragen.
Viele Kolleg:innen verwahren sich dagegen, Kriegsopfer als Satireobjekt zu
gebrauchen oder zu missbrauchen. Sie sehen in den verwendeten Stereotypen
die Grenzen zum Rassismus überschritten, insbesondere wird ein Klischee des
„antisemitischen Arabers“ beklagt. Das ist, kurz gefasst, was bei uns
gerade debattiert wird.
Zudem empört es eine große Zahl an Kolleg:innen, dass der Text als
generelle taz-Position wahrgenommen wird. Er sei empathiefrei und zynisch –
[2][Satire hin oder her] –, und falle damit jenen in den Rücken, die sich
jeden Tag mit sehr viel Arbeitskraft darum bemühen, eine dauerhaft seriöse
Berichterstattung zum Thema Gaza und Nahost zu leisten. Diese müssen ja
auch angemessen mit der vorhandenen Diversität von Standpunkten und
Haltungen innerhalb der taz umgehen. Und außerhalb der taz wird ein
taz-Text eben als taz-Text gelesen. Im Netz zirkuliert der Text
unverbunden, ohne seine kontextgebende Zeitungsseite.
## Recht der Satire
Wir bilden die Nahostdebatte weiterhin in der größtmöglichen Spannbreite
ab. Diesen Spagat halten wir seit dem 7. Oktober trotz oft wütender
Diskussionen im Gegensatz zu vielen anderen Medien und Organisationen aus.
Die taz steht weiterhin für das Recht der Satire, (beinahe) alles zu dürfen
und auch Geschmacksgrenzen zu überschreiten. Es ist das Konzept unseres
Satireressorts, der Wahrheit, auch genau dies zu tun: Debatten in der
gesellschaftlichen Linken ungemütlich zu machen. Die taz lebt gleichzeitig
einen antirassistischen Grundkonsens, Tag für Tag. Das steht für die
Redaktion nicht infrage. Deshalb führen wir die Diskussion weiter.
🐾 Ulrike Winkelmann, Barbara Junge und Katrin Gottschalk führen gemeinsam
die Chefinnenredaktion der taz.
24 Sep 2025
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Ulrike Winkelmann
(DIR) Barbara Junge
(DIR) Katrin Gottschalk
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