# taz.de -- Seenotrettungsschiff im Mittelmeer: „Ocean Viking“ meldet Beschuss durch libysche Küstenwache
       
       > Die „Ocean Viking“ wurde auf Rettungsmission im Mittelmeer von der
       > libyschen Küstenwache beschossen. Die Crew und 87 gerettete Menschen
       > blieben unverletzt.
       
 (IMG) Bild: Einschußlöcher an einem der Fenster der Ocean Viking, die von libyschen Küstenwache beschossen wurde
       
       Berlin epd | Das Seenotrettungsschiff [1][„Ocean Viking“] ist nach Angaben
       seiner Betreiberorganisation von der libyschen Küstenwache beschossen und
       beschädigt worden. Das Schiff sei am Sonntagnachmittag im Mittelmeer in
       internationalen Gewässern gezielt unter Beschuss genommen worden, erklärte
       SOS Méditerranée am Montag in Berlin. Verletzt worden sei niemand, alle
       hätten jedoch um ihr Leben gefürchtet.
       
       Zum Zeitpunkt des Beschusses seien neben der Crew 87 aus Seenot gerettete
       Menschen an Bord gewesen. Die „Ocean Viking“ habe sich dabei rund 40
       Seemeilen nördlich der [2][libyschen Küste] befunden, als sich ein
       Patrouillenboot der Küstenwache genähert habe. Die Seenotretter, die dort
       zu einer Notfallsuche von der italienischen Leitstelle autorisiert gewesen
       seien, seien unrechtmäßig zum Rückzug aufgefordert worden. Ohne Vorwarnung
       hätten dann zwei Männer das Feuer eröffnet und das Schiff mindestens 20
       Minuten lang mit Dauerfeuer beschossen, meldete SOS Méditerranée.
       
       Das libysche Patrouillenboot habe das Schiff gezielt umkreist und
       insbesondere die Brücke ins Visier genommen. Es habe Einschusslöcher auf
       Kopfhöhe gegeben, Antennen seien zerstört worden, vier Brückenfenster
       zerbrochen. Schnellrettungsboote und weitere Rettungsausrüstung seien
       schwer beschädigt worden.
       
       ## SOS Méditerranée fordert Untersuchung und strafrechtliche Verfolgung
       
       „Dieser Vorfall war nicht nur ein empörender und inakzeptabler Akt“,
       betonte [3][SOS Méditerranée]. „Die Methoden, Umstände und Abläufe zeigen
       klar, dass es sich um einen gezielten Angriff auf unsere Crew und – darüber
       hinaus – auf unsere Rettungskapazitäten handelte.“ Dies sei kein
       Einzelfall. Die libysche Küstenwache habe „eine lange Geschichte
       rücksichtslosen Verhaltens, das Menschen auf See gefährdet, Menschenrechte
       eklatant verletzt und internationales Seerecht vollkommen missachtet“.
       
       Die Seenotrettungsorganisation warf europäischen Staaten vor, dennoch ihre
       Unterstützung, Ausstattung und Ausbildung der libyschen Küstenwache
       fortzusetzen. Das bei dem Angriff eingesetzte Corrubia-Patrouillenboot sei
       2023 von Italien im Rahmen eines EU-Programms an die Libyer übergeben
       worden. SOS Méditerranée fordere eine umfassende Untersuchung der
       Ereignisse vom Sonntag und eine strafrechtliche Verfolgung der
       Verantwortlichen, betonte Einsatzleiterin Soazic Dupuy.
       
       Die „Ocean Viking“ nahm Kurs auf ihren Heimathafen Syrakus. Dort sollen die
       87 Geretteten an Land gebracht und die nötigen Reparaturen vorgenommen
       werden.
       
       25 Aug 2025
       
       ## LINKS
       
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