# taz.de -- Drusen als Vorbild: Hoffnung ist nicht naiv, sondern eine Entscheidung
       
       > In ihrer Heimat werden sie misshandelt. Trotzdem geben die Drus*innen
       > nicht auf. Zeit, von der Stärke der Opfer zu reden, nicht nur von ihrem
       > Leid.
       
 (IMG) Bild: Menschen demonstrieren vor dem Brandenburger Tor für den Schutz von Minderheiten in Syrien im Juli 2025
       
       Sonntagnachmittag, vor dem Roten Rathaus in Berlin wehen drusische Fahnen,
       Menschen singen Protestlieder. Es wirkt so friedlich, dass man sich
       erinnern muss, warum sie eigentlich hier sind: weil in Suwaida, im Süden
       Syriens, [1][seit Wochen ihre Angehörigen belagert, ermordet und
       verschleppt werden].
       
       Amnesty International dokumentiert außergerichtliche Hinrichtungen, die
       Vereinten Nationen bestätigen Vergewaltigungen, Entführungen und gezielte
       Tötungen von Drus*innen – begangen auch von den sogenannten
       Sicherheitskräften der Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa. Wer hier
       in Berlin demonstriert, müsste gebrochen wirken.
       
       Doch stattdessen ist von Ohnmacht nichts zu spüren. Es ist diese Kraft, die
       einen nicht loslässt. Weil sie im Widerspruch zu allem steht, was man
       erwarten würde. Statt Trauer und Resignation finden sich hier Widerstand,
       Zusammenhalt und Hoffnung.
       
       Auch in Iran findet sich dieses Gefühl. Mehr als 850 Menschen wurden bis
       Ende August 2025 hingerichtet. Nach dem Krieg mit Israel im Juni reagiert
       das Regime [2][mit noch brutalerer Härte gegen die Bevölkerung.] Ständige
       Strom- und Wasserausfälle sowie die immer weiter steigende Inflation
       erschweren das alltägliche Leben zusätzlich.
       
       Doch in zahlreichen Städten protestieren seit Wochen Hunderte gegen das
       Regime, riskieren Festnahmen und Folter. Politische Gefangene treten jeden
       Dienstag in den Hungerstreik, um gegen die Todesstrafe zu protestieren, und
       riskieren dafür noch härtere Repressionen und neue Haftstrafen. Sie tun es
       trotzdem.
       
       ## Sprache des Widerstands
       
       So unterschiedlich die Formen der Unterdrückung auch sind, der Widerstand
       spricht die gleiche Sprache. Es ist die Grammatik der Beharrlichkeit, die
       von Kurd*innen, Drus*innen, Iraner*innen und so vielen anderen geteilt
       wird. Jedes dieser Aufbegehren ist Teil eines größeren Zusammenhangs: der
       Weigerung, Gewalt als Schicksal hinzunehmen.
       
       Von außen betrachtet wirkt all das oft wie ein verzweifeltes Aufbegehren
       gegen Übermacht. Doch diese Perspektive ist falsch. Was diese Menschen
       zeigen, ist mehr als bloßen Trotz. Es ist eine Haltung, die sagt: Wir
       nehmen als Menschen die Zukunft selbst in die Hand. Wir fordern das Recht
       auf Leben selbst ein. Im sogenannten Westen wird diese Kraft selten
       gesehen. Regierungen regieren [3][mal mit Sanktiönchen], häufiger mit
       Schweigen, kaum jedoch mit echter Solidarität, die den Mut der Menschen
       ernst nimmt.
       
       In den Medien wird oft von Opfern erzählt, seltener von deren Stärke. Doch
       wer nur auf das Leid starrt, übersieht die Hoffnung, die daraus wächst.
       Für uns in Europa bedeutet das, dass Hoffnung nicht nur dort gebraucht
       wird, wo Bomben fallen oder Gefängnistore zuschlagen. Auch hier stecken wir
       fest in Zynismus und politischer Müdigkeit.
       
       Genau darum soll es in dieser Kolumne gehen. Hoffnung ist keine naive
       Zuversicht, sondern die bewusste Entscheidung, immer wieder nach den
       Momenten zu suchen, in denen Menschen trotz allem nicht aufgeben. Sie
       sichtbar zu machen. Von ihnen zu lernen, wie Handlungsfähigkeit entsteht.
       Auch ich muss das aktiv lernen. Hoffnung fällt uns nicht einfach zu, sie
       ist eine Praxis, die erlernt werden muss.
       
       Hoffnung ist Widerstand. Aus Prinzip Hoffnung zu haben, bedeutet, sich
       nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben, sondern die eigenen
       Handlungsmöglichkeiten, die eigene Kraft zu erkennen und in Aktion zu
       treten.
       
       8 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniela Sepehri
       
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