# taz.de -- Krieg in Sudan: Der Warlord bildet seine Gegenregierung
       
       > In Nyala in Darfur nehmen die Minister der von RSF-Milizenführer Hametti
       > verkündeten „Friedensregierung“ ihre Ämter auf. Um El Fasher gibt es
       > schwere Kämpfe.
       
 (IMG) Bild: Der Flughafen in Süd-Darfurs Provinzhauptstadt Nyala, Sitz der RSF-Regierung, am 10. August 2025
       
       Berlin taz | In Sudan versucht die aufständische Miliz RSF (Rapid Support
       Forces), sich als politische Gegenmacht zur Militärregierung in der
       Hauptstadt Khartum zu konsolidieren. Am Montag wurde in Nyala, Hauptstadt
       der Provinz Süd-Darfur, die von [1][RSF-Führer Mohamed Hamdan Daglo
       Hametti] ins Leben gerufene Gegenregierung förmlich in ihre Ämter
       eingeschworen.
       
       Hametti war am Samstag von dem von ihm selbst berufenen obersten Richter
       Ramadan Ibrahim Shamila [2][in sein Amt eingeführt] worden, ebenso sein
       Vizepräsident, sein Premierminister, ein Präsidialrat und mehrere
       Provinzgouverneure. Der Premierminister hat nun sein Kabinett gebildet.
       
       Die somit eingesetzte „Friedensregierung“ ist im Wesentlichen ein Bündnis
       zwischen der RSF, die im April 2023 in den Aufstand gegen Sudans
       Militärregierung getreten war, und der Rebellenbewegung [3][SPLM-N
       (Sudanesische Volksbefreiungsarmee-Nord)] – ursprünglich der
       nordsudanesische Flügel der Rebellen, die Südsudans Unabhängigkeit
       erkämpften und dort seit 2011 regieren.
       
       Die SPLM-N unter Abdelaziz al-Hillu kämpfte danach vor allem [4][in Sudans
       Nuba-Bergen weiter] gegen Sudans Machthaber. Sie hat Spaltungen hinter
       sich, ebenso ein kurzlebiges Friedensabkommen mit der Übergangsregierung,
       die auf den Sturz der Militärdiktatur in Sudan 2019 gefolgt war und 2022
       durch einen erneuten Militärputsch wieder gestürzt wurde.
       
       ## Ein buntes Bündnis gegen Sudans Militärregierung
       
       Al-Hillu nahm in Februar bereits an Hamettis Ankündigung einer
       Gegenregierung für Sudan durch [5][Unterzeichnung einer Charta in Kenias
       Hauptstadt Nairobi] teil und setzte seinen Anspruch auf den Posten des
       Vizepräsidenten in dieser Regierung auch gegen andere bewaffnete Gruppen
       durch. In der Regierung sitzen auch politische Gegner der
       Militärherrschaft; ein Angehöriger der 2022 gestürzten Übergangsregierung,
       Mohammed Hassan Osman al-Tabashi, ist der Premierminister.
       
       Das gesamte Bündnis wird in Sudan mit der Abkürzung [6][„Tasis“
       (Sudan-Gründungsallianz)] bezeichnet. Friedlich ist an Sudans neuer
       „Friedensregierung“ unter RSF-Führung nichts, denn die RSF setzt weiter auf
       die Eroberung Darfurs und der Nachbarregion Kordofan, wo auch die SPLM-N
       kämpft.
       
       Darfurs größte Stadt El Fasher, als Hauptstadt von Nord-Darfur die einzige
       noch von Sudans Armee kontrollierte Provinzhauptstadt der Region, erlebt
       seit einigen Wochen [7][die schwersten Kämpfe] seit Beginn der Belagerung
       durch die RSF im April 2024.
       
       El Fashers Polizeihauptquartier ist bereits gefallen. Vom
       Armeehauptquartier, wo die hohen Offiziere und ihre Familien wohnen, soll
       sich die RSF weniger als einen Kilometer entfernt befinden. Wer das
       kontrolliert, beherrscht die Stadt. Lebensmittel kommen nicht mehr nach El
       Fasher, wo sich Hunderttausende Kriegsflüchtlinge drängen.
       
       Am Samstagabend vermeldeten medizinische Quellen in El Fasher mindestens 7
       Tote und 71 Verletzte allein an diesem Tag – gezählt wurden lediglich
       diejenigen, die Gesundheitseinrichtungen erreichten, die es kaum noch gibt.
       
       Sudans Armee hat ihrerseits am Wochenende den RSF-Regierungssitz Nyala
       massiv bombardiert. Die Handelsstadt, zugleich Heimatstadt Hamettis, wurde
       mit Drohnen beschossen, mindestens zwölf Menschen wurden in der
       bombardierten Klinik Yashfeen getötet, in einigen Berichten ist von 30
       Toten die Rede.
       
       Der Flughafen von Nyala wird bereits seit Wochen regelmäßig bombardiert, da
       er lange Zeit als wichtige Nachschubroute für Waffenlieferungen an die RSF
       aus den Vereinigten Arabischen Emiraten über Tschad galt. Inzwischen soll
       sich die Miliz eher auf dem Landweg aus Libyen versorgen.
       
       1 Sep 2025
       
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