# taz.de -- Machtkampf zwischen Präsident und Fed: Trumps Fehde mit der Zentralbank eskaliert
       
       > Der US-Präsident feuert mit Lisa Cook eine leitende Managerin der
       > Zentralbank. Die weist Trumps Kündigung zurück. Jetzt entscheidet wohl
       > die Justiz.
       
 (IMG) Bild: Lisa Cook, Gouverneurin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), lässt sich von US-Präsident Trump nicht einschüchtern
       
       Washington taz | Der seit Monaten anhaltende Machtkampf zwischen
       [1][US-Präsident Donald Trump] und der unabhängigen amerikanischen
       Zentralbank Federal Reserve (Fed) geht in die nächste Runde. Wie der
       republikanische Präsident am Montag verkündete, habe er die
       Fed-Gouverneurin Lisa Cook aufgrund von Betrugsanschuldigungen entlassen.
       Diese erklärte allerdings nur wenig später in einer Stellungnahme, dass
       Trump gar nicht die Befugnis hätte, sie zu entlassen und sie deshalb nicht
       von ihrem Posten zurücktreten werde.
       
       „Präsident Trump hat behauptet, mich ‚aus wichtigem Grund‘ entlassen zu
       wollen, obwohl es dafür laut Gesetz keinen Grund gibt und er dazu nicht
       befugt ist“, erklärte Cook, die 2022 von Ex-Präsident Joe Biden als
       Federal-Reverse-Gouverneurin nominiert wurde. Cook wurde in dieser Position
       vom US-Senat bestätigt und ist seither eine der sieben Gouverneure, die
       über die geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbank entscheiden. Dazu
       gehören neben der Entscheidung über den Leitzins auch andere monetäre
       Maßnahmen und Aufsichtsfunktionen.
       
       Trump, [2][der seit Monaten für eine Senkung des Leitzinses plädiert], hat
       mit der Entlassung von Cook die Unabhängigkeit der Zentralbank weiter in
       Frage gestellt. Ein Gesetz aus dem Jahr 1913, das die Einflussnahme der
       Regierung auf die Federal Reserve begrenzen soll, verbietet es einem
       Präsidenten, einen Fed-Gouverneur eigenhändig zu feuern. Um dies zu tun,
       bräuchte es einen „triftigen Grund“.
       
       In einem Entlassungsschreiben an Cook, das Trump am Montag auf seinem
       eigenen Social-Media-Kanal Truth Social veröffentlicht hatte, nennt der
       79-Jährige den Vorwurf des Hypothekenbetrugs als Grund für seine
       Entscheidung. „Das amerikanische Volk muss volles Vertrauen in die
       Ehrlichkeit der Mitglieder haben können, die mit der Festlegung der Politik
       und der Aufsicht der Federal Reserve betraut sind. Angesichts Ihres
       betrügerischen und möglicherweise kriminellen Verhaltens in einer
       Finanzangelegenheit können Sie das nicht, und ich habe kein solches
       Vertrauen in Ihre Integrität“, schrieb Trump.
       
       ## Anschuldigungen aus der Behörde für Wohnungsbaufinanzierung
       
       Laut diesen Anschuldigungen habe Cook beim Abschluss von Hypothekendarlehen
       bewusst falsche Angaben gemacht. So habe sie innerhalb von zwei Wochen
       unterschiedliche Anträge ausgefüllt, in denen sie behauptet hätte, dass
       sowohl eine Immobilie in Michigan als auch eine Immobilie in Georgia ihr
       Hauptwohnsitz seien. Trump zufolge weise dieses Verhalten auf eine grobe
       Fahrlässigkeit beim Umgang mit Finanztransaktionen hin, welche Cooks
       „Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit“ als Mitglied des Aufsichtsgremiums der
       Federal Reserve infrage stelle.
       
       Die Anschuldigungen gegen Cook wurden in der vergangenen Woche laut,
       nachdem der Leiter der Behörde für Wohnungsbaufinanzierung (FHFA), Bill
       Pulte, in einem Schreiben an Justizministerin Pam Bondi darum bat, die
       Untersuchungen in diesem Fall aufzunehmen.
       
       Pulte erklärte gegenüber Bloomberg, dass er mit der Anschuldigung gegen
       Cook keine politischen Ziele verfolge. Gleichzeitig hat er aber Trump einen
       Grund zur Entlassung Cooks geliefert und sich damit innerhalb der
       Trump-Regierung beliebt gemacht. Da sich Cook weigert, der Entlassung
       nachzukommen, ist davon auszugehen, dass die Entscheidung am Ende vor
       Gericht fällt – möglicherweise geht das Verfahren bis zum Obersten
       Gerichtshof.
       
       Demokraten haben mit Entsetzen auf Trumps Vorgehen reagiert. [3][Die
       Senatorin Elizabeth Warren] bezeichnete die Entlassung Cooks als eine
       „autoritäre Machtergreifung“, die zurückgenommen werden müsse. „Der
       illegale Versuch, Lisa Cook zu entlassen, ist das jüngste Beispiel dafür,
       wie verzweifelt ein Präsident nach einem Sündenbock sucht, um sein eigenes
       Versagen bei der Senkung der Kosten für die Amerikaner zu vertuschen“, so
       Warren.
       
       26 Aug 2025
       
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