# taz.de -- EU-Gipfel in Brüssel: Keine neuen Russland-Sanktionen
       
       > In zwei wichtigen Punkten konnten sich EU-Staats- und Regierungschefs
       > nicht einigen: einem Sanktionspaket gegen Russland und dem
       > Israel-Assoziierungsabkommen.
       
 (IMG) Bild: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einer Pressekonferenz des EU-Gipfels in Brüssel, 26. Juni
       
       Brüssel afp | Beim ersten EU-Gipfel von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
       konnten sich die Staats- und Regierungschef in zwei wichtigen Punkten nicht
       einigen: dem 18. Sanktionspaket gegen Russland und einem Aussetzen des
       Assoziierungsabkommens mit Israel. Die Themen im Überblick:
       
       ## Verteidigung
       
       [1][Auf dem Nato-Gipfel] hatten sich die Teilnehmer geeinigt, die
       Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben.
       In Brüssel ging es nun um die Umsetzung dieses Ziels. Drei Stunden
       diskutierten die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag über die
       Aufrüstung Europas. Im Ergebnis forderten sie einen beschleunigten Ausbau
       der Verteidigungsfähigkeiten sowie ein schnelleres Voranschreiten bei
       gemeinsamen Rüstungsprojekten. Sie riefen zudem dazu auf, weiter am Ausbau
       der Produktion in der europäischen Rüstungsindustrie zu arbeiten,
       „einschließlich mittelständischer Unternehmen“.
       
       ## Nahost
       
       US-Präsident Donald Trump hatte sich beim Nato-Gipfel in Den Haag für die
       Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und dem Iran feiern lassen. Die
       Europäer waren dabei weitgehend Zuschauer. Nach der „Einstellung der
       Feindseligkeiten“ bieten sie nun ihre Hilfe bei den „diplomatischen
       Bemühungen“ an, um „eine dauerhafte Lösung der iranischen Nuklearfrage
       herbeizuführen“.
       
       Das strittige Thema war jedoch Israels Vorgehen im Gazastreifen. [2][Das
       von mehreren EU-Staaten geforderte Aussetzen des Assoziierungsabkommens]
       mit Israel scheiterte am Donnerstag unter anderem am Veto Deutschlands und
       Österreichs. Nach Ansicht der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas hat Israel
       gegen Artikel zwei dieses Abkommens verstoßen, der die Achtung der
       Menschenrechte erwähnt. Der Europäische Rat kündigte lediglich an, die
       Beratungen über mögliche Maßnahmen im Juli fortzusetzen.
       
       ## Russland
       
       Die EU will den Druck auf Russland [3][durch ein 18. Sanktionspaket]
       erhöhen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht weitere Maßnahmen gegen
       einzelne Menschen und Organisationen sowie gegen die sogenannte
       Schattenflotte vor, mit der Moskau das im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängte
       Öl-Embargo umgeht. Eine Einigung auf das Paket scheiterte am Donnerstag
       allerdings am slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico. Der stört sich
       an einem Vorschlag der EU-Kommission, den Import von russischem Gas bis
       2027 zu verbieten, und fordert Zugeständnisse von der EU-Kommission. Die
       Staats- und Regierungschefs einigten sich lediglich darauf, die bestehenden
       Sanktionen zu verlängern.
       
       ## Ukraine
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zum Dauergast bei
       EU-Gipfeln geworden. Am Donnerstag war er dem Treffen per Video
       zugeschaltet. In der Gipfelerklärung bekräftigt die EU ihre Unterstützung
       für die Ukraine und deren Beitritt zur EU. Wie bereits bei vorherigen
       Ukraine-Erklärungen wurde sie nur von 26 der 27 Mitgliedsstaaten
       mitgetragen. Ungarns russlandfreundlicher Regierungschef Viktor Orban ist
       gegen einen EU-Beitritt Kiews.
       
       ## Zölle
       
       In zwei Wochen läuft die jüngste Frist ab, die US-Präsident Trump für die
       geplante Erhebung neuer Zölle gesetzt hatte. Bundeskanzler Friedrich Merz
       (CDU) forderte die EU-Kommission erneut auf, rasch einen Kompromiss zu
       vereinbaren. Er plädierte dafür, möglichst schnell Vereinbarungen zu den
       wichtigsten Industriebranchen zu treffen. Frankreichs Präsident Emmanuel
       Macron forderte ebenfalls einen „baldigen Abschluss“ eines Abkommens mit
       den USA – „aber nicht um jeden Preis“, fügte er hinzu.
       
       ## Migration
       
       [4][Merz nahm am Donnerstag als erster Bundeskanzler an einem informellen
       Treffen] zum Thema Migration teil, zu dem Dänemark, Italien und die
       Niederlande eingeladen hatten. Der Kanzler hat sich eine „Migrationswende“
       auf die Fahnen geschrieben.
       
       ## Wettbewerbsfähigkeit und Klima
       
       Frankreich hat Berichte zurückgewiesen, die europäischen Klimaziele
       ausbremsen zu wollen. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 gelte
       unverändert. Es müsse jedoch darauf geachtet werden, die
       Wettbewerbsfähigkeit Europas nicht zu schmälern. Dazu zählt Paris auch die
       Gleichstellung von Atomenergie mit erneuerbaren Energien, insbesondere mit
       Blick auf die Finanzierung künftiger Vorhaben.
       
       27 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
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