# taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Soldaten schießen auf Menschenmenge im Gazastreifen
       
       > Mindestens 51 Menschen wurden getötet, als sie im Gazastreifen auf
       > Hilfslieferungen warteten. Israels Armee meldet Tod von Irans höchstem
       > Kommandeur.
       
 (IMG) Bild: Palästinenser werden regelmäßig von der Israelischen Armee bei Hilfeverteilungen beschossen und getötet, die Opfer werden wie in diesem Bild vom 14.06.2025 bestattet
       
       ## Palästinenser melden mindestens 51 Tote
       
       Israelische Soldaten haben nach palästinensischen Angaben das Feuer auf
       eine Menschenmenge im Gazastreifen eröffnet, die auf Hilfslieferungen
       wartete. Mindestens 51 Menschen seien in Chan Junis ums Leben gekommen und
       mehr als 200 verletzt worden, teilte das von der militant-islamistischen
       Hamas geführte Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Augenzeugen zufolge
       ging den Schüssen ein Luftangriff auf ein nahe gelegenes Haus voraus. Das
       Nasser-Krankenhaus, in das die Toten und Verletzten gebracht wurden,
       bestätigte der Nachrichtenagentur AP die Opferzahl. Das israelische Militär
       kommentierte den Zwischenfall zunächst nicht.
       
       Wie es zu der Eskalation kam, war unklar. „Es war ein Massaker“, sagte der
       Augenzeuge Jussef Nofal der AP. Selbst auf die wegrennenden Menschen hätten
       die Soldaten noch geschossen. Ein weiterer Augenzeuge, Mohammed Abu
       Keschfa, sagte, er habe eine laute Explosion gehört, gefolgt von Schüssen
       und Panzerfeuer. „Ich habe wie durch ein Wunder überlebt“, sagte Abu
       Keschfa der AP.
       
       Samaher Mekdad suchte im Krankenhaus nach ihren beiden Brüdern und einem
       Neffen, die in der Menschenmenge waren. „Warum haben sie auf die jungen
       Leute geschossen? Warum? Sind wir keine Menschen?“, fragte sie verzweifelt
       Reporter der AP.
       
       Offenbar standen die Schüsse diesmal nicht im Zusammenhang mit dem neuen
       umstrittenen System der Hilfsgüterverteilung über festgelegte Ausgabepunkte
       im Gazastreifen. Die Menschenmenge wartete auf Lastwagen der Vereinten
       Nationen und andere Hilfstransporte, die in den Gazastreifen fahren
       sollten. In den vergangenen Wochen waren laut örtlichen Angaben immer
       wieder Palästinenser erschossen worden, die versuchten, die neuen
       Verteilungszentren der Stiftung Gaza Humanitarian Foundation (GHF) zu
       erreichen, zuletzt am Montag.
       
       Das israelische Militär hat eingeräumt, in diesen Fällen Warnschüsse auf
       Personen abgegeben zu haben, die sich seinen Soldaten auf verdächtige Weise
       genähert haben sollen. (ap)
       
       ## Zentraler Kommandeur der Revolutionsgarden getötet
       
       Israels Militär hat den Tod eines wichtigen Kommandeurs der iranischen
       Revolutionsgarden verkündet. Generalmajor Ali Schadmani sei bei einem
       Luftangriff in der Nacht zu Dienstag getötet worden, teilte das Militär
       mit. Aus dem Iran gab es zunächst keine Bestätigung dafür. Israels Armee
       bezeichnete ihn als „ranghöchsten militärischen Befehlshaber“.
       
       Schadmani war der Nachfolger von Gholam-Ali Raschid, der bereits am Freitag
       zu Kriegsbeginn bei einem israelischen Angriff ums Leben kam. Sie waren
       Kommandeure des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija. Das
       Hauptquartier gehört zu den mächtigen Revolutionsgarden und ist eine
       Unterabteilung des Generalstabs, verantwortlich für die Planung und
       Koordination von Operationen verschiedener Militäreinheiten.
       
       Bei israelischen Luftangriffen in Teheran kamen inzwischen rund 20 Generäle
       ums Leben. Einige Kommandeure wurden Medienberichten zufolge auch in ihren
       Wohnungen in der Millionenmetropole getötet. Bei den Angriffen auf dicht
       besiedelte Viertel der Hauptstadt gab es auch Dutzende zivile Opfer. (dpa)
       
       ## „Raketenregen“ auf Ziele in Israel
       
       Der Iran hat erneut Raketen auf Israel gefeuert. Der staatliche Rundfunk
       sprach von einem „Raketenregen“ auf Ziele in Israel. Die israelische Armee
       teilte mit, die Luftabwehr sei im Einsatz, um die Bedrohung abzuwehren. Die
       Bevölkerung wurde erneut angewiesen, die Schutzräume aufzusuchen, teilte
       das israelische Militär am Morgen mit. Laut der Times of Israel waren im
       Raum der Stadt Jerusalem starke Explosionen zu hören. Inzwischen können die
       Menschen die Schutzräume wieder verlassen.
       
       [1][Die Luftwaffe hatte zuvor in der Nacht „umfassende“ Angriffe auf
       militärische Ziele im Westen des Irans geflogen], wie die israelische Armee
       mitteilte. Es seien Dutzende Lagerstätten und Abschussanlagen für
       Boden-Boden-Raketen sowie Boden-Luft-Raketenwerfer und Drohnen-Lager
       attackiert worden, hieß es.
       
       Berichte über einen angeblichen Kriegseintritt des Israel-Verbündeten USA
       wies Washington in der Nacht als „falsch“ zurück. US-Präsident Donald Trump
       hatte die Einwohner der iranischen Hauptstadt Teheran zuvor zur Flucht
       aufgefordert. „Jeder sollte Teheran sofort verlassen“, schrieb Trump auf
       Truth Social und schürte damit Ängste. Danach verließ er vorzeitig den
       G7-Gipfel in Kanada, hatte aber zuvor angedeutet, der Iran sei zu
       Verhandlungen bereit. (dpa)
       
       ## Trump: Der Iran will einen Deal
       
       „Es wird ein Abkommen unterzeichnet werden, und ich denke, der Iran ist
       dumm, wenn er es nicht unterzeichnet“, sagte Trump. Andernfalls werde etwas
       passieren, schob er nach, ohne konkreter zu werden. „Sie wollen einen Deal
       machen, und sobald ich hier weg bin, werden wir etwas unternehmen.“ Das
       Weiße Haus diskutiere mit dem Iran über die Möglichkeit eines Treffens in
       dieser Woche zwischen dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem iranischen
       Außenminister Abbas Araghtschi, berichtete die US-Nachrichtenseite Axios am
       Morgen unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
       
       Die G7-Chefs verständigten sich unterdessen unerwartet auf eine gemeinsame
       Erklärung zu dem Krieg. In dem Text wird der Iran als „die Hauptquelle
       regionaler Instabilität und des Terrors“ bezeichnet und Israels Recht auf
       Selbstverteidigung betont. Man habe stets unmissverständlich klargestellt,
       dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dürfe.
       
       Araghtschi sieht den Schlüssel zur Beendigung des Krieges bei Trump. „Ein
       Anruf aus Washington genügt, um jemandem wie (dem israelischen
       Ministerpräsidenten Benjamin) Netanjahu den Mund zu verbieten. Das könnte
       den Weg für eine Rückkehr zur Diplomatie ebnen“, schrieb er auf der
       Plattform X. „Netanjahu hält einen weiteren US-Präsidenten zum Narren.“
       (dpa)
       
       ## Menschen fliehen aus Teheran
       
       Es blieb unklar, was der Beweggrund für Trumps Evakuierungsaufruf an die
       Bevölkerung Teherans war. Bereits seit dem Wochenende gibt es Berichte über
       lange Staus auf Ausfallstraßen, weil viele der 15 Millionen Einwohner der
       Metropole aus Sorge vor einer noch größeren Eskalation fliehen. Iranischen
       Berichten zufolge gab es in der Nacht im Raum der Hauptstadt wieder schwere
       Explosionen und Abwehrfeuer. Zuvor hatte bereits Israels Ministerpräsident
       Netanjahu die Einwohner Teherans zur Flucht aufgerufen.
       
       „Wir sagen den Bürgern Teherans: ‚Verlasst die Gegend!‘ – und wir handeln“,
       sagte Netanjahu. [2][Israel hatte zunächst zur Evakuierung eines Stadtteils
       aufgerufen.] Kurz darauf wurde dort das Hauptgebäude eines staatlichen
       Senders getroffen. Dem Sender zufolge gab es Tote und Verletzte. Seit
       Beginn der Angriffe in der Nacht zum Freitag hat Israel dem Machtapparat
       des Irans schwere Schläge versetzt. [3][Netanjahu scheint nun auch eine
       gezielte Tötung von Irans Oberstem Anführer Ajatollah Ali Chamenei nicht
       auszuschließen]. (dpa)
       
       ## Netanjahu: Tötung Chameneis könnte Konflikt beenden
       
       „Das wird den Konflikt nicht eskalieren lassen, das wird den Konflikt
       beenden“, sagte Netanjahu im Interview des US-Senders ABC auf die Frage, ob
       er die Sorge der US-Regierung teile, dass eine Tötung Chameneis den
       Konflikt außer Kontrolle geraten lassen könnte. Auf die direkte Frage, ob
       Israel plane, Chamenei zu töten, sagte er: „Wir tun, was wir tun müssen.
       Ich werde da keine Details erörtern.“ Am Wochenende hatte es Berichte
       gegeben, wonach US-Präsident Trump in den vergangenen Tagen Einspruch gegen
       israelische Pläne für die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts eingelegt
       haben soll.
       
       Nach Darstellung eines israelischen Militärsprechers hat Israel inzwischen
       die „volle Luftüberlegenheit“ über Teheran erreicht. Ein Teil der
       Raketenangriffe aus dem Iran sei durch israelische Luftangriffe vereitelt
       worden. Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden hatte der staatlichen
       Nachrichtenagentur Irna zufolge zwar in der Nacht angekündigt, eine neue
       Welle an Angriffen auf den Erzfeind Israel werde bis zum Morgen
       „ununterbrochen fortgesetzt“.
       
       Israelischen Medienberichten zufolge handelte es sich in der Nacht jedoch
       nur um weniger als zehn, die über der Küstenmetropole Tel Aviv und der
       Stadt Haifa abgefangen wurden. Berichte über Einschläge oder Verletzte gab
       es nicht. Am Morgen feuerte die Islamische Republik dann erneut Raketen auf
       Israel ab. (dpa)
       
       ## Israelische Raffinerie nach Angriff außer Betrieb
       
       Nach einem iranischen Raketenangriff am Sonntag auf eine wichtige
       Raffinerie in Haifa hat der Betreiber Berichten zufolge alle Anlagen des
       Betriebs stillgelegt. Es habe große Schäden gegeben, teilte der israelische
       Öl- und Petrochemiekonzern Bazan laut israelischen Medien mit. Wie lange
       die größte Raffinerie des Landes außer Betrieb bleibt, wurde nicht
       berichtet. Die Raffinerie produziert einen Großteil der zivilen und
       militärischen Ölprodukte Israels.
       
       Das US-Militär unterstützt Israels Verteidigung. Gleichzeitig betont die
       US-Regierung, dass sie sich nicht an den Kämpfen zwischen Israel und dem
       Iran beteiligt. Die US-Truppen im Nahen Osten hielten weiter daran fest,
       sich bei Bedarf zu verteidigen, betonte ein Pentagon-Sprecher auf X. Kurz
       zuvor hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärt, er habe am
       Wochenende zum Schutz der eigenen Truppen im Nahen Osten eine Verstärkung
       der Militärpräsenz in der Region angeordnet. Details nannte er nicht. (dpa)
       
       ## USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten
       
       Übereinstimmenden Medienberichten zufolge schickt das US-Militär einen
       zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten. Zudem sollen die USA am
       Wochenende Dutzende Tankflugzeuge nach Europa verlegt haben, um sie im
       Bedarfsfall schnell im Nahen Osten einsetzen zu können. Der Schutz der
       eigenen Truppen in der Region Nahost habe Vorrang, heißt es.
       
       Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich am Rande des G7-Gipfels
       positiv zu US-Bemühungen um ein Ende des Krieges. Wenn die Vereinigten
       Staaten einen Waffenstillstand erreichen könnten, sei das eine sehr gute
       Sache. Details zu den US-Bemühungen nannte Macron nicht. Er erklärte nur,
       Trump habe gesagt, dass Gespräche im Gange seien. Es sei ein Angebot für
       einen Waffenstillstand und für Gespräche unterbreitet worden. (dpa)
       
       ## „Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen“
       
       Israel will nach eigener Darstellung mit den Angriffen verhindern, dass der
       Iran eine Atombombe bauen kann. Die Führung in Teheran betont dagegen, dass
       das Atomprogramm zivilen Zwecken diene. In seinem Post auf Truth Social
       schrieb US-Präsident Trump, Teheran hätte im Streit um das iranische
       Atomprogramm das von ihm vorgeschlagene Abkommen unterschreiben sollen. Das
       sei eine „Verschwendung von Menschenleben“. In Großbuchstaben ergänzte er:
       „Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen.“
       
       Mehrere arabische Staaten und die Türkei verurteilten die Angriffe Israels
       auf den Iran. Es sei unerlässlich, dass „Israels Feindseligkeiten gegen den
       Iran“ eingestellt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Ziel
       müsse eine „umfassende Feuerpause“ sein. Dringend nötig sei, den Nahen
       Osten zu einem Gebiet ohne Atomwaffen und ohne andere
       Massenvernichtungswaffen zu machen. Dies müsse „ohne Ausnahme für alle
       Staaten in der Region gelten, in Übereinstimmung mit den maßgeblichen
       internationalen Resolutionen“. (dpa)
       
       17 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
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