# taz.de -- Dopingspiele in Las Vegas: Mehr als eine Freakshow
       
       > Die Dopingspiele namens Enhanced Games nehmen konkrete Formen an. Das
       > politische Gewicht des Projekts ist auch wegen Trump’scher Unterstützung
       > groß.
       
 (IMG) Bild: Weltrekord mit Doping: der Grieche Kristian Gkolomeev unterbot Bestzeit über 50 Meter Kraul und bekam eine Million US-Dollar
       
       Es ist eine gefährliche Clownshow, kein Sport.“ Das hat [1][Travis Tygart]
       dieser Tage zu den Enhanced Games gesagt, bei denen gedopte Sportler
       untereinander die Besten ermitteln sollen. Eine Fantasie ein paar
       libertärer Techmilliardäre, die nun tatsächlich im Mai 2026 in Las Vegas
       zur Realität wird. Tygart leitet die Antidopingagentur der USA. Eine
       Sportveranstaltung, welche die Manipulation der natürlichen Leistung zur
       Norm erklärt, kann er selbstverständlich nicht gut finden.
       
       Bislang wähnen sich die Hüter des Sports noch recht sicher, [2][die
       Enhanced Games] als nicht ernst zu nehmendes Werk von Spinnern herabsetzen
       zu können. Und die Wahl der berüchtigten Gücksspielstadt zum ersten
       Austragungsort scheint ins Bild zu passen. Wer mit seiner Gesundheit und
       seinem Leben spielen will, ist in Las Vegas immer herzlich willkommen. Bei
       der Premiere der Enhanced Games sollen auf dem Hotel- und Casinogelände
       Resorts World Wettkämpfe pharmazeutisch optimierter Athletinnen und
       Athleten im Schwimmen, in der Leichtathletik und im Gewichtheben
       ausgetragen werden.
       
       Angesichts der politischen Entwicklungen gerade in den USA sollte man
       dieses Spiel der Techmilliardäre aber nicht auf die leichte Schulter
       nehmen. Mit der Wahl von Präsident Donald Trump hat das Projekt an Fahrt
       aufgenommen. Mittlerweile hat sich in den USA ein System der Plutokratie
       etabliert, in dem Milliardäre nicht nur ihren Einfluss und ihre Interessen
       geltend machen, sondern auch etliche Kabinettsplätze einnehmen. Zwei
       Geldgeber der Enhanced Games, [3][der Paypal-Gründer Peter Thiel] und
       Christian Angermayer, haben enge Verbindungen zu Trump. Im Februar folgte
       gewiss nicht zufällig der Einstieg von Trumps Sohn bei den Enhanced Games.
       
       Einen zweistelligen Millionenbetrag soll eine von Donald Trump Jr.
       angeführte Investorengruppe namens 1789 Capital in den Topf geworfen haben.
       Wichtiger als die Investition selbst, erklärte danach Aron D’Souza,
       Co-Gründer der Enhanced Games, sei zu wissen, dass einige der bedeutendsten
       Persönlichkeiten des amerikanischen Lebens die Spiele unterstützten. Er
       habe das große Glück gehabt, in den vergangenen Jahren mit vielen
       Persönlichkeiten der Trump-Bewegung zusammengearbeitet zu haben.
       
       ## Menschenversuche im Sport
       
       Der Wettstreit, wer unter Aufsicht medizinischer und pharmazeutischer
       Experten am besten seinen Körper optimieren kann, soll aus Sicht der
       Enhanced-Games-Macher wissenschaftlichen Fortschritt generieren. Schon seit
       Jahren stecken Hightechmilliardäre jede Menge Geld in die
       Langlebigkeitsforschung.
       
       Die mächtige Angst vor dem Sterben treibt sie an. Warum also nicht neben
       Tierversuchen auch Menschenversuche ermöglichen? Bei Weltrekordprämien von
       einer Million US-Dollar lassen sich schon einige Freiwillige auftreiben.
       Von der Neudefinition des Sports erhoffen sich die Veranstalter einen
       persönlichen Ertrag.
       
       Die Enhanced Games sind mehr als eine schrullige Petitesse. Es wird
       interessant, wie die großen Sportorganisationen auf diesen Angriff
       reagieren. Das Internationale Olympische Komitee, das die [4][Olympischen
       Spiele 2028 nach Los Angeles] vergeben hat, hätte durchaus Möglichkeiten,
       seine Muskeln spielen zu lassen.
       
       Auffällig ist, dass die Macher der Enhanced Games nun, da ihr Projekt
       Formen annimmt, moderatere Töne anschlagen. Vor wenigen Monaten
       inszenierten sie sich noch als Gegenmodell zum intransparenten olympischen
       Sport und dem „korrupten IOC“. Mittlerweile wurden die konfrontativen
       Passagen von der Website genommen. Sie wollen anscheinend als
       Herausforderer erst einmal nicht ernst genommen werden.
       
       23 May 2025
       
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