# taz.de -- Dopingspiele in Las Vegas: Ein Weltrekord und viel Mittelmaß
       
       > Die Premiere der Enhanced Games, bei denen Doping ausdrücklich erwünscht
       > ist, verläuft unspektakulär. Das Format könnte dennoch Zukunft haben.
       
 (IMG) Bild: Gefeierter Weltrekord mit Doping: Der griechische Schwimmer Kristian Gkolomeev freut sich auch über üppiges Preisgeld
       
       Versprochen wurde [1][ein Spektakel mit Weltrekorden und übermenschlichen
       Leistungen]. Am Ende konnten die Athleten, die bei den ersten Enhanced
       Games im amerikanischen Las Vegas teilnahmen, nur einen Weltrekord brechen.
       Das Konzept der Sportveranstaltung, bei dem Doping nicht nur erlaubt,
       sondern ausdrücklich erwünscht ist, könnte trotzdem eine Zukunft haben.
       
       Grund dafür sind die hohen Preisgelder und die Idee, unter medizinischer
       Aufsicht das Maximum der „menschlichen“ Leitungsfähigkeit zu erkunden. Für
       die Investoren hinter diesem kontroversen Konzept geht es zudem darum, ein
       neues, potenziell milliardenschweres Geschäftsfeld zu erschließen.
       
       Doch zunächst zur Sportveranstaltung selbst. Es war kein Zufall, dass die
       erste Auflage der Enhanced Games in der selbsterklärten
       Entertainment-Hauptstadt ausgetragen wurde. Bei deutlich über 30 Grad im
       Schatten schwitzen nicht nur die Athleten, sondern auch die knapp 2.000
       geladenen Gäste.
       
       Der „Made for TV“-Event bot Wettkämpfe in drei Sportarten: Gewichtheben,
       Schwimmen und Leichtathletik. In verschiedenen Kategorien kämpften
       insgesamt 42 Athleten und Athletinnen, um Anerkennung und Geld. Viel Geld.
       Laut den Veranstaltern standen bis zu 25 Millionen Dollar an Preisgeldern
       zur Verfügung.
       
       ## 325.000 Dollar Preisgeld an einem Tag
       
       Für einen Gewinn in den jeweiligen Wettkämpfen gab es 250.000 Dollar. Wenn
       man bedenkt, dass Sportler:innen in Randsportarten – wie es die hier
       genannten – oft am Existenzminimum nagen, dann ist dies durchaus ein
       Anreiz, an diesen Wettkämpfen teilzunehmen.
       
       [2][Schwimmer Marius Kusch], einer von zwei deutschen Teilnehmern im Feld,
       machte im Vorfeld keinen Hehl daraus, dass der finanzielle Aspekt eine
       nicht unerhebliche Rolle spielt. „Ich hätte meine erste (dopingfreie)
       Laufbahn wahrscheinlich zehnmal durchlaufen müssen, um ähnlich viel Geld zu
       verdienen“, sagte der Olympia-Teilnehmer von Tokio 2021 während einer
       Presserunde am Freitag.
       
       Für Kusch ging das Konzept am Ende auf. Mit einem Sieg über 100-Meter-Brust
       und einem dritten Platz über die 50-Meter-Distanz gewann der 33-Jährige
       325.000 Dollar. Außerdem konnte er in beiden Distanzen jeweils eine neue
       persönliche Bestzeit aufstellen.„Man sieht gut aus, man fühlt sich gut und
       man schwimmt schnell“, erklärte Kusch nach seinem Sieg über
       100-Meter-Brust.
       
       Für das Highlight des Abends sorgte allerdings der griechische Schwimmer
       Kristian Gkolomeev. Er stellte mit 20,81 Sekunden einen neuen „Weltrekord“
       über die 50-Meter-Kraulen auf. Die vorherige Bestmarke über diese Distanz
       lag bei 20,88 Sekunden.
       
       Da Gkolomeev allerdings gedopt war und auch einen vom internationalen
       Schwimmverband World Aquatics verbotenen Schwimmanzug trugt, wird diese
       neue Bestmarke nicht offiziell anerkannt. Eine Million Dollar an
       zusätzlichem Preisgeld sollten ihn jedoch darüber hinwegtrösten.
       
       Insgesamt schütteten die Veranstalter 7 Millionen Dollar an Preisgeldern
       aus. Dreizehn Athleten:innen konnten neue persönliche Bestzeiten
       aufstellen. Und trotzdem war das sportliche Geschehen eher
       durchschnittlich. Dies mag zum einen am Teilnehmerfeld liegen, welches zwar
       Olympia-Sieger aufführte, aber vor allem Sportler:innen am Ende ihrer
       aktiven Karriere oder darüber hinaus enthielt. Auch zwei nicht gedopte
       Athleten traten bei den Enhanced Games an.
       
       Sowohl der amerikanische Schwimmer Hunter Armstrong als auch die aus
       Barbados stammende Sprinterin Tristan Evelyn konnten sich in zwei
       Wettbewerben gegen ihre jeweils gedopten Kontrahenten durchsetzen. Dies
       beweist, dass Doping allein doch nicht reicht, um zu gewinnen.
       
       ## Entertainment und Business
       
       Neben den sportlichen Wettkämpfen bot die Veranstaltung auch musikalische
       Einlagen, wie die Band The Killers, die den Abend mit ihrem Auftritt
       ausklingen ließ. Die erste Auflage der Enhanced Games dürfte an der
       weitläufigen Kritik, die es im Vorfeld von vielen Seiten gab, keinen
       Abbruch getan haben.
       
       Eine Veranstaltung, in der Doping – wenn auch unter medizinischer Betreuung
       – ausdrücklich erlaubt ist, widerspricht dem Verständnis eines sauberen
       Sports von vielen Menschen. Hinzukommt, dass die Enhanced Games nur ein
       Marketingprodukt sind, um rezeptpflichtige Medikamente sowie andere
       Präparate zur Leistungssteigerung unter die Leute zu bringen.
       
       In einer Sportwelt, in der zu viele vermeintlich saubere Athleten leider
       ebenfalls Performance Enhancing Drugs (PEDs) anwenden und wo Preisgelder
       oft nicht einmal ausreichen, um die Trainings- und Reisekosten zu denken,
       [3][scheinen die Macher der Enhanced Games jedoch eine Marktlücke entdeckt
       zu haben.]
       
       Weitere „One-Off-Events“ sowie jährliche Enhanced Games – vorerst in Las
       Vegas – sind laut Geschäftsführer Maximilian Martin bereits geplant.
       
       25 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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