# taz.de -- Russland intensiviert Angriffe: Töten und tauschen
       
       > Ein kleiner Schritt vor, zwei große zurück. Der russisch-ukrainische
       > Gefangenenaustausch wird überschattet von der erneuten russischen
       > Eskalation.
       
 (IMG) Bild: Ukrainische Soldaten nach einem Kriegsgefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine, am 24. Mai 2025
       
       Gut 300 Gefangene jeden Tag – der russisch-ukrainische
       Kriegsgefangenenaustausch, der am Sonntag nach drei Tagen abgeschlossen
       wurde, war der größte seit Kriegsbeginn. Die Russen wurden in der Ukraine
       korrekt behandelt, sie kommen jetzt unversehrt nach Belarus, vermutlich
       bleiben sie im Kriegseinsatz. Die Ukrainer sind zum Teil sichtlich
       abgemagert, manche wurden misshandelt, [1][sie werden jetzt von ihren
       Familien in die Arme geschlossen].
       
       Wer den Unterschied zwischen den beiden Kriegsgegnern noch immer nicht
       verstanden hat – hier wird er offensichtlich: In der Ukraine zählen
       Menschenleben, in Russland nicht. Gut 300 Raketen und Drohnen aus Russland
       auf die Ukraine jede Nacht – das ist die Kehrseite dieses
       Kriegswochenendes. Wahllos werden zivile Ziele bombardiert, gehen ganze
       Häuserviertel in Flammen auf, sterben Zivilisten, allein in der Nacht zu
       Sonntag 13 Menschen. Es sind [2][die größten Luftangriffe seit
       Kriegsbeginn].
       
       Russland hat seine Militärtechnik modernisiert, die Geschosse sind nicht
       mehr so leicht abzuwehren. Die ukrainische Luftabwehr kommt nicht mehr
       hinterher. Parallel dazu intensivieren die russischen Bodenstreitkräfte im
       Donbass ihre Angriffe erneut deutlich. Wo sind sie denn nun, die vielfach
       angedrohten [3][Gegenmaßnahmen des Westens]? Vor zwei Wochen ließ Russland
       ein europäisches Ultimatum für einen [4][bedingungslosen Waffenstillstand]
       verstreichen.
       
       Europa tat nichts, denn Putin brachte stattdessen Verhandlungen in der
       Türkei ins Gespräch. Als die Ukraine zusagte, ruderte Russland zurück und
       blieb bei seiner bewährten Interpretation von „Verhandlungen“: Wir legen
       unsere Forderungen auf den Tisch, zu sprechen ist nur über ihre Umsetzung.
       Moskaus Forderungen an Kyjiw, darunter die Anerkennung aller
       Gebietsverluste, die Räumung weiterer Gebiete und der Verzicht auf
       Selbstbestimmung, sind für die Ukraine unakzeptabel.
       
       ## Die Verbündeten Kyjiws tun nicht genug
       
       Also intensiviert Russland jetzt den Krieg. Der Gefangenenaustausch ist ein
       Ablenkungsmanöver. Man holt eigene Soldaten gesund zurück und schiebt
       Feinde kampfunfähig ab. Manche im Westen missverstehen das als Geste des
       guten Willens. Russland wittert jetzt offenbar die Chance, die Ukraine
       sturmreif zu schießen, bevor es unter der Last seiner Kriegswirtschaft
       selbst kollabiert. [5][Nordkorea] und China helfen. Und was tun die
       Verbündeten der Ukraine? Von den USA ist nichts zu erwarten.
       
       Die Europäer reden zu viel und tun zu wenig. Die Ukrainer verrecken unter
       den Augen Europas, so wie einst Gladiatoren im Kolosseum unter dem Beifall
       der Schaulustigen.
       
       25 May 2025
       
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