# taz.de -- Wahlkampf in der Elfenbeinküste: Ausschluss statt Konkurrenz
       
       > Der aussichtsreichste Herausforderer von Präsident Ouattara, Tidjane
       > Thiam, wird disqualifiziert. Ouattaras Wiederwahl steht wohl nichts mehr
       > im Wege.
       
 (IMG) Bild: „Eine andere Elfenbeinküste ist möglich“ verspricht Tidjane Thiam, hier auf einer Kundgebung im Februar 2025
       
       Berlin taz | Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl in der
       Elfenbeinküste ist eine Vorentscheidung gefallen. Ein Gericht schloss am
       Dienstagabend den wichtigsten Oppositionskandidaten [1][Tidjane Thiam] von
       den Wahlen aus. Einer Wiederwahl des seit 2011 amtierenden 83-jährigen
       Alassane Ouattara am 25. Oktober steht nun wohl nichts mehr im Wege.
       
       Tidjane Thiam waren gute Siegeschancen zugeschrieben worden, als die
       Demokratische Partei der Elfenbeinküste (PDCI) ihn vor einer Woche zu ihrem
       Spitzenkandidaten kürte. Der 1963 geborene Großneffe des Staatsgründers
       Félix Houphouët-Boigny, welcher die Elfenbeinküste von der Unabhängigkeit
       1960 bis zu seinem Tod 1993 regierte, war bereits in der Jugend Minister
       und ging nach dem Militärputsch von 1999, der das Land in einen 12-jährigen
       Bürgerkrieg stürzte, ins Ausland. Er machte Karriere in der Finanzwelt,
       wurde Geschäftsführer des Versicherers Prudential in London und der Bank
       Crédit Suisse in Genf.
       
       2020 kehrte er in die Heimat zurück und stieß zur PDCI, der einstigen
       Staatspartei Houphouët-Boignys mit bis heute erheblichem Prestige. Die PDCI
       hatte bei vergangenen Wahlen Ouattara unterstützt, sah sich aber
       übertölpelt, als der Präsident bei den letzten Wahlen 2020 entgegen
       vorheriger Absprachen selbst antrat, statt zugunsten der PDCI zu
       verzichten, und ging in die Opposition, mit dem Ziel, 2025 alleine zu
       gewinnen.
       
       Thiam, der dynamische Bankier, schien dafür der natürliche Kandidat. Seine
       Karriere ähnelt der Ouattaras, mit dem er in jungen Jahren gemeinsam in der
       Regierung saß. Ouattara machte danach beim Internationalen Währungsfonds
       (IWF) Karriere. Seinen Sieg bei den Wahlen 2010, die dem Bürgerkrieg ein
       Ende setzten, musste Ouattara [2][mit Waffengewalt] gegen den
       sozialistischen Amtsvorgänger [3][Laurent Gbagbo] durchsetzen, der seine
       Wahlniederlage nicht anerkannte.
       
       ## Immer wieder der Streit um die Nationalität
       
       Ouattara musste zuvor in der Politik dieselben Hürden überwinden wie die,
       die jetzt Thiam in den Weg gelegt werden. Jahrzehntelang wurde Ouattara
       vorgeworfen, kein richtiger „Ivorer“ zu sein, sondern aus dem Nachbarland
       Burkina Faso zu stammen, von wo aus während der französischen Kolonialzeit
       Millionen Menschen als Plantagenarbeiter in die Elfenbeinküste gebracht
       worden waren – der Streit um ihren Status war einer der Gründe für den
       ivorischen Bürgerkrieg zu Beginn dieses Jahrhunderts.
       
       Thiam wird nun vorgeworfen, er habe als Student in Frankreich die
       französische Staatsbürgerschaft angenommen. Die gab Thiam zwar auf, bevor
       die PDCI ihn am 16. April auf einem Parteitag zum
       Präsidentschaftskandidaten kürte; Rivalen verklagten ihn allerdings.
       
       Diese Klage aus den eigenen Reihen wird Thiam jetzt zum Verhängnis. Am 22.
       April strich ihn das zuständige Gericht aus dem Wahlregister, mit dem
       Argument, er habe mit der Annahme der französischen Staatsbürgerschaft die
       ivorische verloren. Die Entscheidung ist nicht anfechtbar.
       
       ## Opposition hat nicht viele Optionen
       
       Thiam betonte am Mittwoch, er bleibe PDCI-Spitzenkandidat. Und für die
       Elfenbeinküste, die einst große Hoffnungen auf Ouattara als Reformer
       gesetzt hatte, bestätigt sich politischer Stillstand. Immer mehr bekannte
       Gesichter in der ivorischen Politik sind von Wahlen ausgeschlossen, meist
       wegen früherer Verurteilungen. Neben Tidjane Thiam sind das etwa
       Ex-Präsident [4][Laurent Gbagbo], dessen ehemaliger Studentenführer
       [5][Charles Blé Goudé] und der ehemalige Rebellenführer [6][Guillaume
       Soro].
       
       Die einzige Chance für die Opposition besteht nun darin, sich hinter einem
       der wenigen noch zugelassenen Kandidaten zu versammeln. Gbagbos Ex-Frau
       [7][Simone Gbagbo] oder Pascal Affi N’Guessan von Gbagbos ehemaliger Partei
       Ivorische Volksfront (FPI) sind aber so polarisierende Figuren, dass das
       kaum funktionieren dürfte.
       
       23 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Tidjane_Thiam
 (DIR) [2] /Gbagbo-streckt-die-Waffen/!305805/
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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