# taz.de -- Donald Trump und Zentralbank-Chef Powell: Wenn der Präsident ihm das Mikro entreißt
       
       > US-Präsident Trump schießt gegen den Vorsitzenden der Fed. Das erinnert,
       > natürlich, an einen anderen legendären Beef: Kanye West vs. Taylor Swift.
       
 (IMG) Bild: Damals, 2009, als Ye noch Kanye hieß und Donald Trump noch Fernsehstar war
       
       Jerome Powell, noch Chef der US-Zentralbank, ist nicht mehr als ein
       „Loser“. So bezeichnet ihn zumindest Donald Trump. Denn der US-Präsident
       befindet sich in einem einseitigen Kindergartenstreit mit dem Fed-Mann.
       Seit einigen Wochen hat er es auf die Zinspolitik Powells abgesehen, und
       er begann eine Auseinandersetzung, die andere Zankereien unter Promis in
       den Schatten stellt.
       
       Worum geht es? Zentralbanken wie die EZB in Europa und ihre
       US-amerikanische Schwester, die Fed, haben ein klares Ziel: [1][Preise
       stabil halten]. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Leitzins, der bestimmt,
       wie günstig Kredite sind und wie sehr sich das Sparen lohnt. Ist der Zins
       niedrig, wird kräftig ausgegeben – steigt er, werden Kredite teurer [2][und
       wir sparen lieber]. Dadurch bremsen Zentralbanken die Wirtschaft ein
       wenig aus, wenn sie zu heiß läuft.
       
       In den USA wird nun befürchtet, dass Trumps Zollchaos die Wirtschaft
       schwächt und gleichzeitig die Inflation nach oben treibt. Der Präsident
       will das durch einen niedrigen Zins korrigieren.
       
       Doch „Mr Too Late“ Powell spielt zum Frust des Kindergartenoberhaupts nicht
       mit. Und erntet dafür Respekt und Solidarität von Financebros weltweit.
       
       ## Ein Skandal bei den MTV Video Music Awards
       
       Trump vs. Powell, hitziger Machomann gegen unabhängige Ikone. Der Streit
       erinnert an den Musikbranchenbeef des vergangenen Jahrzehnts: Ye vs.
       Taylor Swift.
       
       Ye, der sich damals noch Kanye West nannte, unterbrach Taylor Swift bei den
       MTV Video Music Awards 2009 und löste damit einen Skandal aus, für den er
       sich später entschuldigte. Als die damals 19-Jährige den Preis für das
       beste Musikvideo annehmen wollte, sprang er auf die Bühne und entriss ihr
       das Mikrofon: „Ich freue mich für dich, und lasse dich gleich ausreden,
       aber Beyoncé hat eins der besten Videos aller Zeiten.“ Auch hier wusste mal
       wieder ein Mann besser Bescheid.
       
       2016 flammte der Streit wieder auf, als West in seinem Song „Famous“
       behauptete, Swift verdanke ihm ihre Bekanntheit. Taylor war pissed off. In
       den folgenden Jahren verarbeitete sie die Ereignisse in mehreren Songs.
       
       Man stelle sich vor, Trump würde Powell während dessen letzter Rede zur
       US-Zinspolitik das Mikro entreißen: „Ich lass dich gleich ausreden,
       Jerome, aber senk mal lieber die Zinsen.“ Tatsächliche Aussagen der
       vergangenen Woche kommen dem schon nah: „Ich glaube, ich verstehe viel mehr
       von Zinsen als er“, behauptete Trump. Übrigens: Ye träumt seit Jahren von
       einem Platz im Weißen Haus. Größenwahnsinnig und respektlos sind beide.
       
       ## „Taylor's Version“ und „Jerome's Version“
       
       Auch Taylor und Jerome haben was gemein: Sie sind unabhängige
       Bad-Ass-Bitches. Taylor wollte sich von ihrem damaligen Label unabhängig
       machen und nahm ihre Alben in den „Taylor’s Versions“ noch mal auf. Jerome
       ist Chef der Fed, einer der unabhängigen [3][Behörden in den USA], die noch
       nicht unter Trumps Wut eingeknickt sind.
       
       Dabei ist in der Geldpolitik besonders wichtig, dass sie sich nicht von den
       Launen der Politiker*innen abhängig macht. Preisstabilität ist ein
       langfristig angelegtes Ziel. Über ihre Zinspolitik kann die Fed nicht
       gleichzeitig die Inflation gering halten und Investitionsanreize schaffen,
       so wie es Trump haben will. Daher will sie vorerst die Auswirkungen von
       Trumps Politik auf die Beschäftigung und die Inflation abwarten. Es bleibt
       zu hoffen, dass Powell stark bleibt. Oder um es mit Taylor zu sagen:
       „Haters gonna hate, hate, hate, hate, hate.“
       
       4 May 2025
       
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 (DIR) Anastasia Zejneli
       
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