# taz.de -- Hamburgs rot-grüne Koalitionsgespräche: Es soll weiter Geld regnen
       
       > Damit Hamburg die Milliarden der kommenden Jahre überhaupt ausgeben kann,
       > wollen SPD und Grüne Umweltklagen gegen Großprojekte einschränken.
       
 (IMG) Bild: Soll sich nicht wegen irgendwelcher Tellerschnecken oder Feldlerchen verzögern: der Neubau der maroden Köhlbrandbrücke
       
       Ein Lieferwagen dieselt über den Adolphsplatz in der Hamburger Innenstadt.
       Peter Tschentscher (SPD) muss dagegen anreden. „Wo ist denn hier die
       Mitte?“, fragt er, bevor er sich vor den Kameras zentriert. Und das könnte
       auch das Motto der bisherigen [1][Koalitionsverhandlungen mit den Grünen]
       sein.
       
       „Wir sind ja hier zusammengekommen, um Transparenz herzustellen“, fährt der
       Erste Bürgermeister fort. Das gelingt in diesem wolkigen Kurzstatement der
       Verhandler:innen zumindest insofern, als man hinterher weiß: Die alten
       und vermutlich bald neuen Koalitionäre haben sich zunächst die weniger
       strittigen Themen vorgenommen. Und sie werden sehr, sehr viel Geld
       ausgeben.
       
       Gewaltige Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur würden
       nötig, so Tschentscher. Deswegen werde Hamburg den [2][„Planungs- und
       Genehmigungs-Beschleunigungspakt“] unterstützen. Entschieden wird darüber
       zwar im Bund. Aber Rot-Grün in Hamburg will ihn „unterstützen“.
       
       Es geht dabei vor allem um die Einschränkung von Klagemöglichkeiten gegen
       Großprojekte. Künftig solle der Artenschutz Priorität genießen vor dem
       Schutz des einzelnen Tieres, sagt Tschentscher. Er hat für diese Tiere, die
       dem Fortschritt im Wege stehen, auch ein Beispiel, das so populär ist, dass
       es schon fast populistisch ist: die Tellerschnecke.
       
       ## Die Zierliche Tellerschnecke ist ein Rotes Tuch
       
       Die nämlich, genauer: die „Zierliche Tellerschnecke“, steht auf der Roten
       Liste und ist für Politiker ein Rotes Tuch. Denn sie hat in
       Hamburg-Bergedorf mal einen Logistikpark so lange verzögert, bis er gar
       nicht mehr gebraucht wurde. Umgesiedelt wurde sie dennoch, und zwar nicht
       eine einzelne, sondern Zigtausende Exemplare, für Hunderttausende Euro. Ein
       klassisches Artenschutzprojekt, das die Grünen gut finden müssten.
       
       Deren Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank ist für die Verkündung der
       guten Nachrichten zuständig: Man werde „massiv Finanzmittel reinschlagen“
       in Infrastruktur, Klimaschutz, Forschungsentwicklung und Sanierung der
       Hochschulgebäude. Hamburg solle „KI-Hotspot“ werden. Und sie gibt ein
       „klares Bekenntnis zur Kultur“ ab – „anders als an anderen Standorten“,
       teilt sie in Richtung Berlin aus.
       
       In Hamburg scheint das Geld auch die nächsten fünf Jahre zu sprudeln. Gut
       dass das Thema Finanzen schon gleich am Anfang ausverhandelt wurde.
       „Transparent“ wird davon kein Wort, geschweige denn eine Zahl.
       
       In der nächsten Verhandlungsrunde könnte es ungemütlicher werden. Da soll
       es um [3][Umwelt und Verkehr] gehen. Wir hätten da schon mal einen
       Vorschlag: Verkehrsberuhigung für den Adolphsplatz. Oder Verbrenner-Verbot
       für die Innenstadt. Stromer sind ja nicht so laut.
       
       4 Apr 2025
       
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