# taz.de -- Rechter Dozent an Bundespolizeiakademie: Polizei soll wieder was Rechtes lernen
       
       > Stephan Maninger ist wegen Aktivitäten im ultrarechten Spektrum
       > umstritten. Jetzt steht er an der Bundespolizeiakademie wohl wieder vor
       > Studierenden.
       
 (IMG) Bild: Mehr Sicherheitspolitik und weniger Grundrechte: Kritisches rückt in der Polizei-Ausbildung in den Hintergrund
       
       Lübeck taz | [1][Rechte Netzwerke in Polizeikreisen] waren in den
       vergangenen Jahren immer wieder ein Thema. 2021 deckte ein Rechercheteam
       von Ippen Media auf, dass solches Gedankengut schon in der Ausbildung von
       Polizist*innen getriggert werden könnte: [2][Stephan Maninger],
       Professor für Sicherheitspolitik an der Bundespolizeiakademie Lübeck, hatte
       sich über Jahre in rechten Netzwerken engagiert, in einschlägigen
       Publikationen wie der Jungen Freiheit veröffentlicht. Darin warnte er vor
       einem „Ethnosuizid“ an „Frontlinien in multiethnischen Städten“. Bei einer
       Lehrveranstaltung vor Studierenden sagte er zum Thema der
       gleichgeschlechtlichen Ehe, „da könne man künftig ja auch sein Hausschwein
       heiraten“.
       
       Laut einem Artikel von Aiko Kempen in „Frag den Staat“ [3][steht er nun
       seit Anfang Januar wieder in 15 Lehrveranstaltungen vor Studierenden].
       Diese seien darüber „geschockt“ gewesen, schreibt Kempen. An der
       Bundespolizeiakademie studieren Polizist*innen oder Anwärter*innen
       für den gehobenen Dienst, also Beamte, die später viel Verantwortung tragen
       werden. 600 Studierende sind das in Maningers Fachbereich. Nachdem die
       Vorwürfe gegen ihn damals öffentlich geworden waren, blieb der umstrittene
       Professor an der Hochschule beschäftigt, zog sich aber aus der Lehre
       zurück.
       
       Ehemalige Mitarbeitende der Hochschule beklagen, dass an der
       Polizeihochschule des Bundes Themen zu Grundrechten, Ethik und politischer
       Bildung gegenüber sicherheitspolitischen Themen immer mehr in den
       Hintergrund rücken. Differenziertes Denken und kritische Wissenschaft sei
       dort nicht gewünscht, sagten sie gegenüber der taz. Es gibt auch Zweifel an
       der fachlichen Expertise Stephan Maningers, der bis zur Promotion
       Entwicklungswissenschaften an einer südafrikanischen Universität studierte.
       
       ## Hochschule und Ministerium schweigen
       
       Aus Sicht seines Arbeitgebers verwundert es, dass Maninger seit den
       Extremismus-Vorwürfen nicht gelehrt hat, denn die Bundespolizeiakademie
       stellte sich gleichzeitig deutlich hinter ihren Professor. Von
       rechtsgerichteten Aktivitäten vor 2021 will sie nichts gewusst haben, trotz
       einer Untersuchung vor seiner Einstellung. Er arbeitete seit 2009 an der
       Hochschule und bekam dort 2019 eine Professur in der höchsten Stufe W3. Was
       er dafür in den letzten drei Jahren gemacht hat, ist nicht bekannt. Sollte
       er wissenschaftlich gearbeitet haben, so sind diese Arbeiten nicht
       veröffentlicht.
       
       Nach der Kritik an ihm leitete die Innenrevision der Bundespolizei eine
       Untersuchung ein. Das Ergebnis: Die Vorwürfe seien nicht gewichtig, die
       Vorfälle zu lange her. Die Publikationen in rechten Medien verschwieg der
       Bericht. Auf eine Anfrage dazu, ob und warum er nun wieder unterrichtet,
       äußert sich die Hochschule „aus Gründen des Mitarbeiterdatenschutzes
       grundsätzlich nicht“. Auch das Bundesinnenministerium schweigt dazu,
       ebenfalls aus Gründen des Datenschutzes.
       
       Es war an der Entscheidung beteiligt und hat zwei Gutachten über Maninger
       erstellen lassen. Entgegen wissenschaftlicher Praxis sind diese aber nicht
       öffentlich. Die „Gutachterinnen und Gutachter“, heißt es aus dem
       Innenministerium, hätten ihre Unbefangenheit erklärt und seien „anerkannte
       Expertinnen und Experten für Sicherheitspolitik“. Aus einer internen
       Quelle, die der taz vorliegt, heißt es, die Gutachter hätten in der
       Vergangenheit gemeinsam mit Stephan Maninger Bücher herausgegeben.
       
       Warum also unterrichtet Stephan Maninger möglicherweise wieder? Das lässt
       sich nur mutmaßen. Naheliegend wäre, dass seine Stelle bisher befristet
       ist. Im August 2025 würde daraus eine unbefristete Professur – dafür müsste
       er aber Arbeitsergebnisse vorweisen. Vorlesungen und Seminare
       beispielsweise.
       
       11 Feb 2025
       
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