# taz.de -- Kinotipp der Woche: Tierisch gut gespielt
       
       > Sozial am Berg, flauschige Gegenüber und antrainierte Regeln: Die
       > Kurzfilmreihe Shorts Attack! widmet sich im Februar dem Thema
       > Gesellschaftsspiele.
       
 (IMG) Bild: Spiel oder Ernst? Szene aus „A Story about a Monkey, a Bear and a Caterpillar“ (R: Rebeka Kruus, Dashka Dementeva, Estland 2023)
       
       Ein Sohn, bei dem der Vater die gebührende Begeisterung vermisst, nachdem
       sie gerade den Berg heraufgeschnauft sind. Ein älterer Mann und eine Frau,
       die auf einer Piste aneinandergeraten. Eine Gruppe beim Trinken auf der
       Terrasse eines Berggasthofes. Zwei Typen, die ungebeten zwei Frauen vor
       sich auf dem Lift kommentieren. Bernhard Wengers „Aufnahmen einer
       Wetterkamera“ fängt in unerbittlicher Totale Alltagsszenen aus dem
       winterlichen Bergtourismus ein.
       
       Wengers mehrfach prämierter Kurzspielfilm entrollt anhand der vier
       Situationen, die in wiederkehrenden Stufen der Eskalation und Beruhigung
       gezeigt werden, vor dem Bergpanorama ein Panorama menschlicher
       Kommunikationsunfähigkeit und überschrittener Grenzen. „Aufnahmen einer
       Wetterkamera“ ist einer von drei längeren Filmen des Kurzfilmprogramms
       Shorts Attack! in diesem Monat.
       
       Seit über 20 Jahren organisiert [1][interfilm] nicht nur das Festival im
       Herbst, sondern übers Jahr auch Monat für Monat mit Shorts Attack! ein
       Kurzfilmprogramm, das bundesweit in gut 20 Kinos läuft. Short Attack! hält
       den Kurzfilm auch im Kinoalltag sichtbar. Die Programme widmen sich jeweils
       einem Thema, in diesem Monat sind das Gesellschaftsspiele. In Berlin läuft
       das Programm diese Woche im Acud und nächste im Filmrauschpalast.
       
       Acht Kurzfilme spannen einen Bogen über unterschiedlichste Formen des
       Kurzfilms vom Animationsfilm über fiktionale Formen bis zum
       Kurzdokumentarfilm. Die Filme sind nicht nur jeder für sich eine Freude,
       sondern auch die Zusammenstellung, die Abfolge der Stimmungen und Tempi ist
       eine Freude.
       
       So wird man als Zuschauer_in nach Bernhard Wengers „Aufnahmen einer
       Wetterkamera“ von Alessandro Bavaris kurzer Revue unbekannter
       Quantenobjekte durchgeschüttelt („Unknown Quantum Object“). In dem kurzen
       Stop-Animationsfilm „Papier maché“ des kanadischen Regisseurs Simon Madore
       wird einer flauschigen Piñata auf immer wieder aufs neue überraschende
       Weise neues Leben eingehaucht, das diese mit ihrem einen sichtbaren Auge
       verfolgt und kommentiert. In „A Story about a Monkey, a Bear and a
       Caterpillar“ von Rebeka Kruus und Dashka Dementeva kommen die drei
       titelgebenden Tiere zu einem Brettspiel zusammen, doch die Atmosphäre ist
       aufgeladen.
       
       Olaf Held lässt in „Spätsommer 91“ eine Geburtstagsparty von einigen
       Freunden im Erzgebirge wiederaufleben. Das gut 30 Jahre alte Videomaterial,
       für das damals extra eine Videokamera geliehen wurde, wirkt weniger
       aufregend, als es damals schien. Aus dem Off stellt die Stimme des
       Regisseurs fest, dass man als Betrachter schon durch eine ganze Menge
       unscharfer Schwenks und routinierter Grimassen waten muss, bevor sich ein
       Eindruck vom Charme der Feier einstellt. Helds Film wirkt, als hätte man
       Harun Farockis Sichtungsverfahren im Film auf ein Home Video losgelassen –
       mit Erkenntnis und Witz.
       
       Der Charme des Shorts Attack-Programms verdankt sich nicht zuletzt der
       Zusammenstellung, die das Thema der Gesellschaftsspiele weit fasst und
       verschiedene Formen von spielerischer oder regelbasierter
       Gemeinschaftlichkeit in den Blick nimmt. Auch in diesem Monat ist das
       Programm von Short Attack wieder ein bunter Strauß kurzweiliger Filme, die
       das Programm der teilnehmenden Kinos bereichern und die Zuschauer_innen zu
       einem unterhaltsamen, abwechslungsreichen Abend einladen.
       
       18 Feb 2025
       
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