# taz.de -- Blutiger Streit um Wahlergebnisse: Mosambik vor dem finalen Showdown
       
       > Die Opposition will ab Montag die Proteste verschärfen, wenn der Wahlsieg
       > der Regierungspartei bestätigt wird. Schon über 130 Menschen wurden
       > getötet.
       
 (IMG) Bild: Maputo, 7. November: Protestierende bringen sich vor der anrückenden Polizei in Sicherheit
       
       Maputo taz | Nach über zwei Monaten Krise steht in Mosambik am Montag ein
       Showdown bevor. Das Verfassungsgericht soll das amtliche Endergebnis der
       Präsidentschaftswahl vom 9. Oktober bestätigen, also den [1][Sieg der
       regierenden ehemaligen Befreiungsbewegung Frelimo] (Mosambikanische
       Befreiungsfront). Die Partei hat bereits Siegesfeiern vorbereitet. Die
       Wahlkommission hatte Frelimo-Kandidat Daniel Chapo zum Sieger mit über 70
       Prozent der Stimmen erklärt.
       
       Doch die Opposition um Venâncio Mondlane, der offiziell nur 20 Prozent
       erhielt, lehnt dies als gefälscht ab und seit Wochen gehen Oppositionelle
       immer wieder auf die Straße und demonstrieren. Die [2][Sicherheitskräfte
       schießen scharf], über 130 Menschen sind bisher getötet worden.
       
       Mondlane, der sich für den wahren Wahlsieger hält, befindet sich inzwischen
       im Exil. Er hat dazu aufgerufen, die Proteste weiter zu verstärken. „Am
       Montag sollte alles stillstehen“, sagte er am Wochenende.
       
       Es gab in den vergangenen Tagen einen Hoffnungsschimmer, als [3][der
       scheidende Präsident Felipe Nyusi] Kontakt mit Mondlane aufnahm. Außerdem
       wandte er sich an die Bevölkerung und erklärte, er beabsichtige nicht, nach
       Ende seiner Amtszeit im Januar 2025 im Amt zu bleiben.
       
       Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, Nyusi könne angesichts der
       eskalierenden Gewalt den Ausnahmezustand oder das Kriegsrecht verhängen und
       die Machtübergabe an einen Nachfolger absagen.
       
       ## „Wegen Frelimo kommt Mosambik nicht voran“
       
       Für viele Mosambikaner sind Nyusis Absichten nun die Schlüsselfrage. „Er
       muss das Amt räumen, zusammen mit all seinen Frelimo-Dieben“, sagt
       Regierungskritiker Calvin Mbiza. „Wegen Frelimo kommt Mosambik nicht voran.
       Ja, sie haben Freiheit gebracht, aber all diese schöne Geschichte wird von
       Korruption zunichtegemacht.“
       
       Mondlane hat bestätigt, dass Nyusi ihn über WhatsApp kontaktiert hat. Es
       sei wichtig, dass die Entscheidung der Wähler respektiert wird, habe er dem
       Präsidenten mitgeteilt. Eine gemeinsame Erklärung der beiden
       Spitzenpolitiker gibt es nicht.
       
       Die Aussichten für Mosambik im kommenden Jahr sind düster. Frelimo-Kandidat
       Chapo dürfte am Montag zum Wahlsieger erklärt werden und die neuen
       Oppositionsproteste unter dem Motto „Turbo V8“ dürften einen höheren
       Blutzoll fordern als die beendete Protestwelle unter dem Motto „4x4“. Am
       15. Januar soll dann Chapo als Präsident vereidigt werden.
       
       ## Macht um jeden Preis
       
       „Je nachdem, was das Verfassungsgericht am Montag erklärt, wird es totales
       Chaos geben“, prognostiziert Menschenrechtsaktivistin [4][Cídia Chissungo],
       die die gewaltsamen Übergriffe der Sicherheitskräfte dokumentiert und
       publiziert.
       
       Es dürfte ihrer Meinung nach schlimmer werden als die vergangenen acht
       Wochen, in denen über 130 Menschen getötet und über 400 verletzt wurden, 95
       Prozent davon mit Schusswunden. Fast 4000 Menschen sind wegen der Teilnahme
       an Protesten in Haft.
       
       „Frelimo weiß, dass ihr Zeit vorbei ist, aber sie werden versuchen, um
       jeden Preis an der Macht zu bleiben, auch wenn das bedeutet, alle
       Mosambikaner zu töten“, sagt Chissungo.
       
       ## „Vertrauen des mosambikanischen Volkes“
       
       Der voraussichtliche Wahlsieger Chapo hat Frelimo-Unterstützer dazu
       aufgerufen, [5][„festliche Märsche“ durchzuführen], „um den überzeugenden
       Sieg unserer Partei zu begrüßen“. Der Wahlsieg bilde das Vertrauen des
       mosambikanischen Volkes in Frelimo wegen der Errungenschaften in 49 Jahren
       an der Regierung ab, nach 500 Jahren portugiesischer Kolonialherrschaft.
       Man solle sich von „rechtswidrigen und gewaltsamen Demonstrationen“ der
       Wahlverlierer fernhalten.
       
       Aktivistin Farida Bemba Nabourema sagt: „Die Erfahrungen von Mosambik,
       Simbabwe und Angola zeigen, dass Befreiungsbewegungen oft an der Macht
       kleben, wenn sie nach der Unabhängigkeit zu politischen Parteien werden.
       Sie regieren mit Gewalt und Korruption und werden die neuen Unterdrücker.
       Es ist Zeit für das mosambikanische Volk, sich vom Frelimo-Griff zu lösen
       und seine Freiheit zurückzuholen.“
       
       22 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] /Wahlen-in-Mosambik/!5636456
 (DIR) [4] https://x.com/Cidiachissungo
 (DIR) [5] https://x.com/zanupf_patriots/status/1870476039149031785
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Armando Domingos
       
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