# taz.de -- Gerichtsurteil in Frankreich: Charles Onana schuldig wegen Leugnung von Ruandas Völkermord
       
       > Ein Buch in Frankreich hatte den Völkermord an Ruandas Tutsi 1994 als
       > „Verschwörungstheorie“ bezeichnet. Nun wurden Autor und Verleger
       > verurteilt.
       
 (IMG) Bild: Fotos der Opfer des Völkermords an den Tutsi von 1994: Mehr als eine Million Menschen wurden getötet
       
       Berlin taz | Ein Gericht in Paris hat den kamerunischen Publizisten
       [1][Charles Onana] der Völkermordleugnung [2][schuldig gesprochen]. Onana
       und sein französischer Verleger Damien Serieyx wurden zu Geldstrafen von
       8.400 und 5.000 Euro sowie Wiedergutmachung an ruandische Organisationen in
       Höhe von 11.000 Euro verurteilt. Die Angeklagten seien der „Leugnung der
       Existenz eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, in diesem Fall eines
       Völkermordverbrechens“ schuldig, so die 17. Kammer des Strafgerichts der
       französischen Hauptstadt.
       
       Onana ist Autor mehrerer kontroverser Bücher über den Völkermord an Ruandas
       Tutsi 1994 und die bis heute andauernden Kriege in der Demokratischen
       Republik Kongo. In [3][„Ces tueurs tutsi“] etwa behauptet er, die Tutsi der
       Region hätten Millionen von Menschen umgebracht, aber erklärten sich selbst
       zu Opfern, und wirft unter anderem der taz „Lügen“ über diese Ereignisse
       vor.
       
       In einem Buch über Frankreichs Militärintervention in Ruanda, [4][„Rwanda,
       la vérité sur l'Opération Turquoise“], bezeichnete er 2019 den geplanten
       Völkermord an Ruandas Tutsi als „Verschwörungstheorie“ und „eine der
       größten Betrüge des 20. Jahrhunderts“.
       
       Mehrere französische Menschenrechtsgruppen klagten ihn daraufhin unter
       einem Gesetz von 2017 an, das die Leugnung der von Frankreich offiziell
       anerkannten Genozide unter Strafe stellt – zu diesen zählt der Völkermord
       in Ruanda. Der Verband ruandischer Völkermordüberlebender „Ibuka“ trat als
       Nebenkläger auf.
       
       Die Verhandlung im Oktober dauerte nur wenige Tage. Das Gericht hat nun
       [5][festgestellt,] dass Onanas Buch „negationistische Ideologie“ verbreite
       und „die aktuellen Konflikte in einer Nachbarregion Ruandas mit
       schwerwiegenden Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung anheizt“.
       
       Die Urteilsverkündung wurde von Protesten im Saal begleitet. Die Regierung
       der Demokratischen Republik Kongo, die sich im Konflikt mit Ruanda wegen
       dessen Unterstützung für Rebellen im Osten der DR Kongo befindet, hatte für
       den angeklagten Publizisten mobilisiert.
       
       Die französische Menschenrechtsorganisation „Survie“ [6][sprach von einer
       „historischen Entscheidung“]. Ruandas Außenminister Olivier Ndurungirehe
       [7][sagte], er „begrüße“ das Urteil, „das hoffentlich alle
       negationistischen Journalisten, Autoren und Politiker entmutigen wird, die
       in Europa und in unserer Region ihr Unwesen treiben“. Die Verurteilten
       wollen in Berufung gehen.
       
       9 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Onana
 (DIR) [2] http://afrikarabia.com/wordpress/negation-du-genocide-des-tutsi-du-rwanda-onana-condamne-a-paris/
 (DIR) [3] https://www.laprocure.com/product/54769/onana-charles-ces-tueurs-tutsi-au-coeur-de-la-tragedie-congolaise?srsltid=AfmBOorj1mw8n2KFYDKZ_DQSXyMtqbP9wZSWgJLe2E_Pj1XQAHKUCH4P
 (DIR) [4] https://www.laprocure.com/product/12481/onana-charles-rwanda-la-verite-sur-l-operation-turquoise?srsltid=AfmBOoqRRtAepc63SzVxBh3Fhgc3Si5JE27G1j94jYZsGOwGcPUcPLl6
 (DIR) [5] https://x.com/CHANSONRomain/status/1866129602952761828
 (DIR) [6] https://survie.org/themes/genocide-des-tutsis-au-rwanda/nos-actions-en-justice/article/charles-onana-et-son-editeur-condamnes-pour-contestation-du-genocide-des-tutsis
 (DIR) [7] https://x.com/onduhungirehe/status/1866115630899880403
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
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       subjektive Auswahl aus der Bibliothek des taz-Afrikaredakteurs.