# taz.de -- Gewalt gegen Presse in Südamerika: Radiojournalist in Ecuador ermordet
       
       > Leonardo Rivas ist nur eines von vielen Opfern. Von Morddrohungen bis
       > Briefbomben: Viele Journalist:innen in Ecuador leben in einem Klima
       > der Angst.
       
 (IMG) Bild: Polizeieinsatz nach einem bewaffneten Überfall auf den Fernsehsender TC Television in Guayaquil, Ecuador, am 9. Januar 2024
       
       Guayas heißt das Schwungrad der ecuadorianischen Ökonomie mit dem größten
       [1][Hafen des Landes – Guayaquil]. Doch die industriell geprägte
       Millionenmetropole und die umliegenden Städte sind in den letzten drei,
       vier Jahren zum Epizentrum der organisierten [2][Kriminalität mutiert], so
       die Studie von Journalisten ohne Ketten.
       
       Sie erschien Anfang November und attestiert der gesamten Küstenregion mit
       der Drehscheibe Guayaquil, eine Hochrisikozone für
       Berichterstatter:innen zu sein. [3][Drohungen gegen
       Journalist:innen] sind alles andere als ungewöhnlich, Selbstzensur weit
       verbreitet, so die Studie, die auf zahlreichen Interviews mit
       Journalist:innen aus der Region basiert.
       
       Sechs miteinander konkurrierende Kartelle agieren in Guayas. Eines könnte
       für den Mord an Leonardo Rivas, Reporter von Radio Cariñosa, verantwortlich
       sein.
       
       Der Journalist wurde am 23. November in seinem Wagen auf dem Weg nach
       Daule, eine Kreisstadt nördlich von Guayaquil, erschossen. Mehrere Kugeln
       trafen Rivas, der förmlich exekutiert wurde und noch am Tatort verstarb.
       
       Der erste Journalistenmord in Ecuador in diesem Jahr ereignete sich nur ein
       paar Hundert Meter entfernt von einem Militärposten. Vieles deutet auf
       einen typischen Auftragsmord hin, berichtete nicht nur der Lokalsender
       Radio Cariñosa, auch etliche andere Medien.
       
       Darunter auch die Medienstiftung Fundamedios, die sich in der Andenregion
       für die Pressefreiheit engagiert und die Regierung von Präsident Daniel
       Noboa aufforderte, eine gründliche Untersuchung zu garantieren, „damit die
       Verantwortlichen dieses brutalen Angriffs auf die Pressefreiheit in Ecuador
       gefasst werden“.
       
       ## Immer weniger Berichterstattung
       
       Fundamedios und auch die zweite Medienstiftung Ecuadors, Journalisten ohne
       Ketten, berichten immer wieder, dass Gewalt gegen Berichterstatter:innen,
       von der Morddrohung über den Versand von Briefbomben bis zu Mord, oft nicht
       geahndet wird. Das führe unter anderem dazu, dass seit Januar 2023 14
       Berichterstatter:innen ins Exil geflohen seien.
       
       Nicht ohne Grund, zwischen Juni und Mai 2024 hat die 2018 gegründete
       Stiftung Journalisten ohne Ketten 933 Angriffe auf
       Berichterstatter:innen dokumentiert: 426 gegen Männer, 291 gegen
       Frauen und 216 gegen Sender und Redaktionen. Darunter 27 direkte Attentate
       auf Redaktionen und Journalist:innen.
       
       Die Folge: Ganze Regionen verlören ihre etablierten Medien, oft
       Tageszeitungen. Ein Beispiel ist die Zeitung El Ferrodiario aus der
       Kleinstadt Durán nahe Guayaquil, die traurige Berühmtheit für ihre
       Bandenkriege mit vielen Opfern erhalten hat. Darüber wird es fortan keine
       fundierte Berichterstattung mehr geben. Die Redaktion hat im Oktober ihr
       Erscheinen eingestellt. Für die Stiftung ist das ein herber Verlust.
       
       Typisch für die Situation in Ecuador, für die die Regierung und die
       Sicherheitskräfte mit verantwortlich sind. „Jede Redaktion ist angreifbar,
       wir werden nicht beschützt“, kritisiert Alina Manrique. Sie leitet die
       Redaktion vom Nachrichtenkanal TC Televisión in Guayaquil.
       
       Der wurde im Januar von einer bewaffneten Gruppe gestürmt, die live auf
       Sendung ging, bis Polizei und Militär den Spuk beendeten. Manrique arbeitet
       weiterhin für den Sender und ist, anders als von ihr angedacht, nicht ins
       Exil gegangen.
       
       3 Dec 2024
       
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