# taz.de -- Krimi-Klassiker im TV: So vertraut wie ein Festtagsbraten
       
       > Zu Weihnachten gehören Geschenke, Kerzen und Essen, aber auch alte
       > Krimifilme. Zum Beispiel „Tod auf dem Nil“ mit Peter Ustinov.
       
 (IMG) Bild: Der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot (Peter Ustinov) macht die Bekanntschaft von Salome Otterbourne (Angela Lansbury)
       
       Wer über die Feiertage an jenen Ort fährt, wo noch Bücher stehen, die seit
       den eigenen Kindheitstagen dort im Wohnzimmerregal einstauben, kann ja mal
       nachschauen: Sind die Krimiklassiker noch am selben Platz, die Buchrücken
       voller Faltspuren, einst festgekrallt wegen der Spannung beim Lesen? Also
       die alten Agatha-Christie-Taschenbücher, egal ob es die rot-schwarzen
       Goldmann-Bände sind oder eine der bb-Ausgaben mit den gezeichneten Covern?
       Krimis, die so exzellent sind, dass sie auch jetzt, ein Jahrhundert nachdem
       Christie sie schrieb, besser sind als der meiste andere Kram des Genres?
       
       Vorlagen, die so großartig sind, dass man sie auch in [1][Filmadaptionen]
       kaum verhunzen kann – bis Kenneth Branagh als Regisseur in den vergangenen
       Jahren(2017 bis 2023) in drei Filmen zeigte: Oh ja, das geht sehr wohl, mit
       sich selbst als Hercule Poirot noch dazu. Ja, nee, Finger weg von
       Klassikern! Weil sie wie ein Nach-Hause-Kommen wirken. Wie die
       Poirot-Verfilmungen mit dem schmalzlockigen Peter Ustinov (1978 bis 1988)
       in der Hauptrolle, Bauch immer voran.
       
       Auch wenn Branagh das offenbar leider nicht weiß, die Programmredaktion von
       [2][ZDFneo] hat’s kapiert – und zeigt am 4. Adventswochenende „Tod auf dem
       Nil“ (Regie: John Guillermin) von 1978 und [3][„Das Böse unter der Sonne“]
       (Regie: Guy Hamilton) von 1982 hintereinanderweg, ja, Samstag UND Sonntag.
       Absolut zu Recht.
       
       Zum Glück vergisst man ja über die Jahre genug, sodass einem allein der
       Blick auf die Besetzung des Flussdampfer-Kammerstücks Glückstränen in die
       Augen treiben kann: David Niven, Mia Farrow, Jane Birkin, Angela Lansbury,
       Maggie Smith, Bette Davis – der Hammer. Und wer dann gleich weiterschaut,
       nicht wundern, nicht nur das Sommerurlaubsgefühl setzt sich in „Das Böse
       unter der Sonne“ fort, auch ein Gutteil des Ensembles taucht wieder auf, in
       anderen Rollen.
       
       ## Nur einmal im Jahr- und trotzdem immer vertraut
       
       Es ist wie mit den Klößen, dem Rotkraut, der Gans, dem Kartoffelsalat mit
       Würstchen, der Forelle blau, dem Fondue, dem Baumschmücken: Gibt es nur
       einmal im Jahr, wirkt trotzdem immer vertraut. Die genaue Zutatenliste
       braucht’s da gar nicht, das gemütliche Kaminfeuergefühl stellt sich so oder
       so ein.
       
       Drum sind auch die Details von „Tod auf dem Nil“ (den anderen hebe ich mir
       auf für eine spätere Kolumne, habe ich beschlossen) egal, aber: über zwei
       Stunden, die gemächlich geschnitten sind, Szenen, in denen viel geschaut
       statt geredet wird, ohne dass es fad wirkt, mit ein, zwei, drei Toten,
       schmauchenden Revolvern, die x möglichen Mordversionen gleich miterzählt.
       
       Bis zum üblichen Finale, wenn der Meisterdetektiv im Kreise der
       Verdächtigen erzählt, was wirklich passiert ist. Mit Tonnen an Eifersucht,
       Geldgier, Rachsucht, verschlungene alte Verbindungen an Bord. Und
       Frauenfiguren, das konnte Christie richtig gut, die sich einen Dreck um
       gesellschaftliche Konventionen scheren. Noch dazu so brillant gespielt wie
       von Maggie Smith oder Angela Lansbury.
       
       Und weil’s zur Weihnachts-Krimi-Kolumnentradition an dieser Stelle
       inzwischen dazugehört: Wer braucht einen der chronisch nervigen
       Schweiz-„Tatort“, wenn es stattdessen Agatha Christie gibt – irgendein Band
       staubt sicher im Bücherregal vor sich hin.
       
       21 Dec 2024
       
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