# taz.de -- Gründer von 5-Sterne-Bewegung in Italien: Beppe Grillo muss gehen
       
       > Seit Jahren streiten der Parteichef Giuseppe Conte und der Parteigründer
       > Beppe Grillo. Nun wählte die Bewegung ihren Parteivater ab.
       
 (IMG) Bild: Wurde der Stuhl vor die Tür gesetzt: Beppe Grillo, Gründer der Fünf-Sterne-Protestbewegung
       
       Rom taz | Neustart per Vatermord: Auf diese Kurzformel lässt sich die
       Entscheidung der italienischen [1][5-Sterne-Bewegung] bringen, ihrem
       [2][Gründer Beppe Grillo] den Stuhl vor die Tür zu setzen. Der Beschluss
       fiel am Sonntag per Online-Votum der Basis, die mit 63 Prozent Grillo in
       die politische Rente schickte.
       
       Am Samstag und Sonntag hatte der gegenwärtige Anführer der Partei
       Movimento5Stelle (M5S) und frühere Ministerpräsident Italiens, Giuseppe
       Conte, zu einer „Konstituierenden Versammlung“ nach Rom geladen und
       zugleich alle Aktivist*innen im Land zu einem Online-Votum über die
       künftige Struktur und politische Ausrichtung der 5-Sterne-Bewegung
       aufgerufen.
       
       „Nova“ hieß die Versammlung, und in der Tat wurde am Wochenende reichlich
       Neues verabschiedet. An erster Stelle stand die Tatsache, dass das M5S die
       Rolle des „Garanten“ aus dem Statut strich. Jene Rolle hatte der bisherige
       Übervater Beppe Grillo seit 2017 inne; er nutzte sie immer wieder, um per
       Veto wichtige Entscheidungen Contes zu torpedieren.
       
       ## Erfolg in den Zehnerjahren
       
       Grillo, im Hauptberuf Comedian, hatte die 5-Sterne-Bewegung im Jahr 2009
       ins Leben gerufen, als Bewegung, die „weder rechts noch links“ stehen,
       sondern stattdessen den Unmut der Bürger*innen gegen „die da oben“,
       gegen die als korrupt und unfähig geschmähten „Altparteien“, repräsentieren
       sollte.
       
       Zentrale Vorschriften für die Mandatsträger*innen sahen deshalb vor,
       dass diese sich ihre Diäten selbst radikal kürzten, um den großen Rest für
       gemeinnützige Zwecke abzuführen, und sie sahen ebenfalls vor, dass die
       M5S-Vertreter*innen für maximal zwei Legislaturperioden politische Ämter
       übernehmen durften.
       
       Im krisengebeutelten Italien der Zehnerjahre griff diese Formel. Erstmals
       traten die Fünf Sterne im Jahr 2013 an. Der Wahlkampf bestand aus
       One-Man-Shows Grillos, der auf überfüllten Plätzen quer durchs Land als
       tobendes Rumpelstilzchen die alte politische Klasse beschimpfte – und der
       damit aus dem Stand 25 Prozent der Stimmen einfuhr. Bei den Wahlen 2018 kam
       das M5S dann sogar auf fast 33 Prozent und war endgültig zur festen Größe
       in der italienischen Politik geworden.
       
       Zunächst bildete das M5S damals eine Regierung mit der rechtspopulistischen
       Lega – und Regierungschef wurde der völlig unbekannte Giuseppe Conte, ein
       parteiloser Jurist, der den Fünf Sternen nahestand. Conte blieb in diesem
       Amt auch, als ein Jahr später diese Koalition zerbrach und das M5S mit der
       gemäßigt linken Partito Democratico weitermachte. Und vor allem in der
       Covid-Krise erwarb der Jurist sich im Land große Popularität.
       
       ## Conte löst sich von Parteigründer
       
       Diese Popularität katapultierte ihn dann 2021 nach seinem Rücktritt als
       Ministerpräsident an die Spitze der Bewegung. Und Conte rückte in den
       folgenden Jahren von allen heiligen Kühen Grillos ab. Statt „weder rechts
       noch links“ sieht er das M5S als „progressive Kraft“ links der politischen
       Mitte, statt der Begrenzung auf zwei Legislaturperioden will er die
       politischen Talente der Bewegung auch länger im Einsatz sehen – und statt
       dem „Garanten“ Grillo, der ihm auch in diesen Fragen immer wieder
       reingrätschte, [3][will er die alleinige Führung.]
       
       Die hat er nun. Grillo verzichtete seinerseits darauf, überhaupt nach Rom
       zur „Konstituierenden Versammlung“ anzureisen, und giftete hinterher bloß,
       das M5S habe sich „von Franziskanern zu Jesuiten“ gewandelt. Allerdings ist
       durchaus möglich, dass er zu rechtlichen Schritten greift, um Conte zu
       attackieren.
       
       So könnte er – als bisheriger Garant – eine Wiederholung des Votums über
       seine zukünftige Rolle verlangen, und so könnte er auch einen Rechtsstreit
       über das Parteisymbol des M5S anzetteln. Denn Grillo behauptet, er allein
       habe das Urheber- und Nutzungsrecht an diesem Symbol. Noch also ist das
       letzte Wort über die faktische Neugründung des M5S unter dem neuen
       Übervater Conte nicht gesprochen.
       
       25 Nov 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Fuenf-Sterne-Bewegung/!t5027431
 (DIR) [2] /Beppe-Grillo/!t5027430
 (DIR) [3] /Zwist-bei-den-fuenf-Sternen/!5779313
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Italien
 (DIR) 5-Sterne-Bewegung
 (DIR) Giuseppe Conte
 (DIR) Beppe Grillo
 (DIR) Streit
 (DIR) Schwerpunkt Neonazis
 (DIR) Giorgia Meloni
 (DIR) Giorgia Meloni
 (DIR) Italien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Mutmaßliche Anschlagspläne gegen Meloni: Faschisten gegen rechts
       
       In Italien nimmt die Polizei 12 Mitglieder der Neonazi-Gruppe „Division
       neue Morgenröte“ fest. Sie sollen einen Anschlag auf die rechte
       Ministerpräsidentin geplant haben.
       
 (DIR) Leihmutterschaftsgesetz in Italien: Mamma mia statt mamma nostra
       
       In Italien sind Leihmutterschaften verboten. Jetzt soll das auch für
       Wunscheltern gelten, die dies im Ausland angehen wollen.
       
 (DIR) Neues Bündnis in Italien: Einheit gegen Giorgia Meloni
       
       In Italien verbünden sich die traditionell zerstrittenen Parteien des
       Mitte-links-Lagers gegen die Rechtsregierung von Ministerpräsidentin
       Meloni.
       
 (DIR) Movimento 5 Stelle in Italien: Fünf Sterne bleiben im Bündnis
       
       Nach internem Streit bleibt Fünf Sterne in Mario Draghis
       Mehr-Parteien-Koalition. Die Frage der Waffenlieferungen an die Ukraine
       spaltet die Regierung.