# taz.de -- Buch über „Rumble in the Jungle“: Wir schlagen die Welt
       
       > „Ali vs. Foreman. 50 Jahre“ ist ein Text-Bild-Band zu einem globalen
       > Box-Ereignis. Er zeigt die Größe des Sports.
       
 (IMG) Bild: Muhammad Ali hat am 30. Oktober 1974 in Kinshasa/Zaire den als überlegen geltenden George Foreman in der 8. Runde k.o. geschlagen
       
       Bertram Job beginnt mit dem Zweifel. Warum akzeptiert die Öffentlichkeit,
       dass jeder skrupellose Boxpromoter einen „[1][Kampf des Jahrhunderts]“
       ausruft?
       
       Die Frage ist schon deswegen berechtigt, weil der Sportjournalist, der
       sporadisch auch [2][für diese Zeitung] schreibt, einen Kampf würdigt, der
       wohl wirklich ein „Kampf des Jahrhunderts“ war, den „Rumble in the Jungle“
       vor 50 Jahren. [3][Muhammad Ali] traf in Zaire, der heutigen Demokratischen
       Republik Kongo, auf den hochfavorisierten Schwergewichtsweltmeister
       [4][George Foreman].
       
       Der Kampf war ein modernes Weltereignis, das nicht nur Zaire und seinen
       Diktator Mobutu ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit katapultierte,
       sondern eigentlich alle Gesellschaften, die man als „Dritte Welt“ oder
       „Trikont“ titulierte.
       
       Job konzentriert sich in dem Buch zu Recht auf dieses große Ereignis, das
       da [5][rund um den 30. Oktober 1974] stattfand. Er ist zudem grandios
       bebildert, und weil das Buch großformatig ist, wirken die Fotos noch mehr.
       Und, was bei aller Verehrung von Muhammad Ali über die Jahre immer mehr
       vergessen wird, Job hebt respektvoll die Leistung George Foremans hervor,
       denn ohne dessen Weltklasse wäre dieser Rumble nie im kollektiven
       Weltgedächtnis gelandet.
       
       Apropos Weltgedächtnis. Das gilt es nämlich oft zu korrigieren. Job
       rekonstruiert mit Auszügen aus dem Originalkommentar des TV-Senders HBO und
       mit aussagefähigen Fotos Runde für Runde. Zu den Mythen, die er widerlegt,
       gehört etwa, dass Ali unterlegen gewesen sei und einen Zufalls-K.-o.
       setzten musste. In Wirklichkeit lag er auf den Wertungszetteln aller
       Punktrichter vorne.
       
       ## Mythen zerschlagen!
       
       Auch den Mythos des „Rope-a-dope“, also Alis Taktik, sich in die Seile
       fallen zu lassen und so Foremans Schlägen die Wirkung zu nehmen, versucht
       Job zu entlarven: diese Taktik habe vor ihm schon Archie Moore angewandt,
       der Ali früher trainierte und in Zaire zu Foremans Betreuerstab gehörte.
       
       Und dies noch: Dieser WM-Kampf wurde im Vorfeld als alles Mögliche
       präsentiert, aber nie als „Kampf des Jahrhunderts“. So hatten Promoter drei
       Jahre zuvor den von [6][Joe Frazier] gewonnenen WM-Kampf Alis genannt. Der
       Rumble wurde es hingegen erst im Nachhinein, nicht vorab als PR.
       
       Bertram Job ist mit diesem Bildband zum 50. Jahrestag dieses großen Kampfes
       Schwieriges gelungen: Er würdigt hier ein Weltereignis und zugleich gelingt
       es ihm, dieses Event zu erden, statt es zu überhöhen. Sein Buch steht in
       einer Reihe mit [7][Norman Mailers] „The Fight“, das vor zwei Jahren im
       Taschen-Verlag gleichfalls in einer opulent bebilderten Ausgabe herauskam.
       
       Bleibt die Frage, wann ein Boxabend zum „Kampf des Jahrhunderts“ wird. Ein
       paar Antworten lassen sich aus Jobs Buch destillieren: Bestimmt ist er es
       nicht, wenn er vorher so gelabelt wird. Er kann es nur sein, wenn er von
       der Weltöffentlichkeit wahrgenommen wird. Und er muss politische und
       gesellschaftliche Verhältnisse nicht nur spiegeln, sondern selbst prägend
       auf sie einwirken.
       
       So gesehen ist die Vorstellung, es dürfe nur einen Kampf des Jahrhunderts
       geben, der irgendwann zwischen 1900 und 1999 stattfand, ziemlich unsinnig.
       Der Rumble in the Jungle steht in einer Reihe mit [8][Jack Johnsons] Siegen
       1908 und 1910 über Tommy Burns und Jack Jeffries, mit [9][Joe Louis’ Sieg]
       über [10][Max Schmeling] 1938 und auch mit Alis eigenem Sieg 1975 über Joe
       Frazier. Alles große Kämpfe des 20. Jahrhunderts.
       
       Kurz: Der Rumble in the Jungle war ein politisches Weltereignis, das die
       Menschheit dem Boxen zu verdanken hat. Und dazu gibt es jetzt ein wirklich
       gutes Buch.
       
       9 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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