# taz.de -- Verheerende Waldbrände: 60 Tage nationaler Notstand
       
       > Ecuador steckt wegen der Dürre in einer Energiekrise. Und in bedeutenden
       > Nationalparks brennt der Wald.
       
 (IMG) Bild: Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen im El Cajas National Park im November 2024
       
       Während sich die Industriestaaten auf der [1][Weltklimakonferenz in Baku]
       darüber streiten, wer nun wie viel Geld für Klimaschutz- und -anpassung an
       Entwicklungsländer zahlt, herrscht in [2][Ecuador] seit Montag ein
       nationaler Notstand, der zunächst 60 Tage dauern soll. Ausgerufen hat ihn
       der Präsident des kleinen südamerikanischen Entwicklungslandes, Daniel
       Noboa. Er reagierte damit auf die seit Monaten anhaltende Dürre und die
       dadurch provozierten [3][verheerenden Waldbrände] im Süden des Landes.
       
       Nach Angaben des Nationalen Sekretariats für Risikomanagement (SNGR) haben
       die Feuer innerhalb von zehn Tagen mehr als 3.500 Hektar Wald in den
       südlichen Provinzen Azuay und Loja verwüstet. Das entspricht etwa einem
       Prozent der Fläche des Saarlands. In anderen Quellen ist von mehr als 5.000
       Hektar die Rede.
       
       Die am schlimmsten betroffene Gegend ist der Nationalpark El Cajas, der
       nach dem Galapagos-Nationalpark das am zweitbesten geschützte Reservat
       Ecuadors ist. El Cajas liegt im Nebelwald in der Provinz Azuay, auf
       zwischen 3.000 bis 4.000 Metern Höhe und ist normalerweise für seine vielen
       Wasserquellen bekannt. Inzwischen ist das Feuer im Nationalpark dem SNGR
       zufolge unter Kontrolle, aber noch nicht vollständig gelöscht.
       
       „Wir erleben einen wahren Notstand, der als schlimmste Umweltkatastrophe
       aller Zeiten im Kanton Cuenca eingestuft wird und Schutzgebiete und den
       Cajas-Nationalpark gefährdet“, sagt Sixto Heras, Chef der Feuerwehr in
       Cuenca der nationalen Zeitung Extra. Cuenca ist die Hauptstadt Azuays und
       die drittgrößte Stadt Ecuadors. Seit sechs Monaten kämpften die
       Brandschützer bereits mit schlimmen Feuern, aber im November habe sich die
       Situation noch einmal verschärft.
       
       ## Brände in zwei Nationalparks
       
       Neben El Cajas bedrohen die Waldbrände auch den Podocarpus-Nationalpark in
       der Provinz Lojas. Beide Schutzgebiete gehören zu den größten Reservoirs
       der Artenvielfalt im Süden Ecuadors. Hier leben etwa der gefährdete
       Andenkondor oder der vom Aussterben bedrohte Bergtapir.
       
       Die Waldbrände haben auch wirtschaftliche und soziale Folgen. Jimmy Toledo
       zufolge, der Präsident des Gemeinderats von San Pedro de Vilcabamba in der
       Provinz Loja ist, belaufen sich die Verluste auf mehr als drei Millionen
       US-Dollar. „Der Verlust von Bienenstöcken, Tieren und Ernten hat viele mit
       leeren Händen zurückgelassen“, sagte Toledo der Zeitung Expreso.
       
       Inzwischen beteiligen sich nach Angaben des SNGR Truppen der Streitkräfte
       und der Nationalpolizei am Löschen der Brände in den beiden Parks.
       Unterstützung in Form von Hubschraubern kommt außerdem aus Peru und
       Italien.
       
       Gleichzeitig hat das kolumbianische Außenministerium angekündigt, es werde
       dem Nachbarland Strom liefern, um dessen Energiekrise zu mindern. Denn die
       schlimmste Dürre seit 60 Jahren, die die Ausbreitung der Waldbrände
       fördert, hat auch dazu geführt, dass Ecuador Probleme mit der
       Energieversorgung hat.
       
       ## Energiekrise durch Klimakrise
       
       Seit dem 23. September 2024 kommt es regelmäßig zu langen Stromausfällen,
       die in einigen Gebieten bis zu 14 Stunden pro Tag dauern können. Der Grund:
       Das Land bezieht 70 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft. Die Pegel der
       Stauseen liegen aber wegen des ausbleibenden Regens auf historischen
       Tiefstständen. In einigen Kraftwerken wurde die Stromerzeugung bereits
       komplett eingestellt, andere laufen nur noch stark eingeschränkt.
       
       Währenddessen sieht es in den Nachbarländern nicht anders aus, weshalb
       Kolumbien zuletzt den Energieexport nach Ecuador gestoppt hatte. Dass die
       Lieferungen jetzt wieder aufgenommen werden, wird die Stromabschaltungen
       auf acht Stunden täglich reduzieren.
       
       Die aktuelle Mehrfachkrise hat mit der Erderhitzung zu tun, wenn auch nicht
       nur. „Nasse Jahre sind weniger nass und trockene Jahre sind viel
       trockener“, sagt Julia Martínez, technische Direktorin der Stiftung Nueva
       Cultura del Agua (Neue Kultur des Wassers). Zwar sei die Dürre, die seit
       drei Jahren in vielen Teilen Südamerikas vorherrscht, auch eine Folge des
       natürlichen Wetterphänomens La Niña.
       
       Der Klimawandel verschärfe jedoch solche Extreme und „führt zu weniger
       Wasser und zu intensiveren und häufigeren Dürren, die länger andauern und
       größere Gebiete betreffen“, so Martínez.
       
       20 Nov 2024
       
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