# taz.de -- Dating-Müdigkeit in Generation 50+: Frau ab 50 und gerne solo
       
       > „Boy-Sober“ heißt der Trend: Frauen bleiben alleine statt Männer zu
       > daten. Kein Wunder, findet unsere Autorin – und preist das Single-Leben.
       
 (IMG) Bild: Lieber mit Pflanzen sprechen, als mit einem neuen Partner
       
       Kürzlich verkündete ein Meinungsforschungsinstitut unter der Überschrift
       „Boy Sober“ einen neuen Trend: 57 Prozent aller Single-Frauen zwischen 50
       und 70 wünschen sich [1][keine Beziehung].
       
       Für diese Erkenntnis hätte es meiner Meinung nach kein
       Meinungsforschungsinstitut gebraucht. Mit dem unschönen Begriff „Boy Sober“
       beschrieb man ja bislang die Männer- Abstinenz als Ausweg aus der
       [2][Datingmüdigkeit] der weiblichen heterosexuellen Millennials und der
       Generation Z.
       
       Der Guardian fasst die Regeln des Boy Sober so zusammen: No dating apps, no
       dates, no exes, no hookups. Diese [3][Unlust, sich auf Beziehungen]
       einzulassen, habe nun, laut Meinungsforscher, auch die Frau ab 50 erfasst.
       
       Ein zuständiger Psychologe erklärt auch, warum: Man wisse, dass sich gerade
       diese Generation in ihren jüngeren Jahren in einem Multiperfektionszwang
       zwischen Partnerschaft, Familie und Beruf zerrieben habe. Nonsens.
       
       Was die Ursachenforschung völlig außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass
       erfreulicherweise immer mehr Frauen den Mut haben, sich des eigenen
       Verstandes zu bedienen und das schöne Single-Leben genießen.
       
       Es ist doch ein alter Hut: Wenn es lebensgeschichtlich eine Zeit gibt, in
       der wir vom Verpaarungswahn und der Zwangsromantik Abstand nehmen können,
       dann ist es der Frühsommer des Lebens!
       
       ## Autoritäre Erziehung und keine Ahnung von Feminismus
       
       Nun kann es aber durchaus die eine oder andere 50-plus-Jährige geben, die
       sich eine Beziehung wünscht und auf der Suche nach einem netten Partner
       ist. Schwierig.
       
       Ich muss kurz abschweifen: Diese Kolumne soll lieblich-woke sein und keine
       Pauschalurteile fällen. Trotzdem muss ich es niederschreiben.
       Triggerwarnung!
       
       Was jetzt kommt, könnte den typischen taz-Leser, männlich 60 plus,
       verunsichern. Fühlen Sie sich angesprochen und verletzt, bedenken Sie: Es
       gibt auch immer Ausnahmen, und jeder kann auch im Alter noch an sich
       arbeiten.
       
       Also: ältere Frauen bleiben auch Single, weil neue Männer, die es wert
       gewesen wären, den langen Prozess des Kennenlernens und Sich-Anfreundens
       auf sich zu nehmen, selten in ihr Leben treten.
       
       Männer geraten ja ab ungefähr 50 in ein problematisches Alter bedingt durch
       folgende Faktoren: autoritäre Erziehung, Nachkriegskinder, keine Ahnung von
       angewandtem Feminismus oder bereits lebenssatt, resigniert. Dazu kommt oft
       eine hormonell bedingte toxische Griesgrämigkeit, bei gleichzeitig
       ungebrochenem Dominanzverhalten. You name it.
       
       Grundsätzlich ist es durchaus möglich, auf reizende, eloquente 70 bis
       95-jährige Männer zu treffen, und auch die 15- bis 45-Jährigen geben Anlass
       zur Hoffnung. Die Generation der 55-plus-Männer ist aber leider verloren.
       
       Natürlich wäre es rein theoretisch möglich, auf einen männlichen
       Mitmenschen zu treffen, der zwar im schwierigen Männeralter, aber als
       Mensch so liebenswert und interessant ist, dass die altersbedingten
       Defizite ausgeglichen werden.
       
       Aber grau ist alle Theorie, und wenn auch die Hoffnung angeblich zuletzt
       stirbt. Wozu lange hoffen, wenn sich die ältere Single-Frau ein schönes
       Leben sehr gut allein einrichten kann?
       
       2 Oct 2024
       
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