# taz.de -- Rechtsextreme Gewalt in Großbritannien: Nationaler Krisenstab einberufen
       
       > Die britische Regierung beruft nach den Gewaltausbrüchen rechtsradikaler
       > Gruppen den nationalen Krisenstab ein. Über 250 Menschen wurden
       > festgenommen.
       
 (IMG) Bild: Rechte zertrümmern Fensterscheiben des Holiday Inn Express in Rotherham, 4.8.2024
       
       London/Rotherham dpa/afp/ap | Wegen der schweren rechtsextremen
       Ausschreitungen in England und Nordirland am Wochenende hat die britische
       Regierung am Montag eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra
       einberufen. Am Sonntag hatten rechtsradikale Gewalttäter in den
       nordenglischen Städten Rotherham und Tamworth unter anderem zwei Hotels
       attackiert, in denen Asylbewerber:innen untergebracht sein sollen.
       
       ## Nationaler Krisenstab soll weitere Gewalt verhindern
       
       Premierminister Keir Starmer von der sozialdemokratischen Labour-Partei
       kündigte bereits am Sonntag ein hartes Durchgreifen an. „Ich garantiere
       Ihnen, Sie werden es bereuen, an diesen Unruhen teilgenommen zu haben“,
       sagte er bei einer Pressekonferenz [1][an Randalierer und Scharfmacher
       gerichtet]. Der BBC zufolge wurden bislang mindestens 250 Menschen im
       Zusammenhang mit den antimuslimischen und rassistischen Ausschreitungen
       festgenommen.
       
       An dem nun anberaumten Krisentreffen sollen Ministerinnen und Minister
       sowie ranghohe Vertreter:innen der Strafverfolgungsbehörden teilnehmen.
       Es wird erwartet, dass Polizeichef:innen und Minister:innen in der
       geplanten Sitzung des Krisenstabs Cobra ein Konzept ausarbeiten werden, um
       eine Wiederholung der Gewalt der vergangenen Tage zu verhindern.
       
       ## Scheiben eingeworfen und Feuer gelegt
       
       [2][Hunderte Randalierer] hatten sich am Sonntag in Rotherham in der
       Grafschaft South Yorkshire vor einem Hotel versammelt, Scheiben eingeworfen
       und Feuer gelegt. Polizisten wurden mit Stühlen und Zaunlatten sowie Schaum
       aus einem Feuerlöscher attackiert. Mehrere Beamte wurden verletzt. Ähnliche
       Szenen spielten sich am Abend bei einem Hotel in Tamworth nahe Birmingham
       ab. In beiden Hotels sollen Asylberwerber:innen untergebracht sein.
       
       Auch in Liverpool, Manchester, Bristol und Belfast kam es am Wochenende zu
       Gewaltausbrüchen. In der nordostenglischen Stadt Middlesbrough marschierte
       ein Mob durch Wohnviertel und warf Fenster von Autos und Häusern ein, ein
       Auto wurde angezündet. Mehrere Menschen wurden festgenommen.
       
       Gezielt griffen die Gewalttäter Moscheen sowie muslimische Einrichtungen
       und Geschäfte an. In der nordirischen Hauptstadt Belfast brannten etwa ein
       Café und ein Supermarkt aus, die von Muslim:innen betrieben werden.
       Mehrere Autos wurden angezündet. Polizei-Staatssekretärin Diana Johnson
       sagte dem Sender BBC Radio 4, einige Menschen hätten Angst, wegen ihrer
       Hautfarbe auf die Straße zu gehen. Die britische Polizei hat den Schutz von
       Moscheen verstärkt.
       
       ## Falschnachrichten nach tödlichem Messerangriff
       
       Die rechtsextreme Gewalt [3][dauert bereits seit Tagen an]. Ursache sind
       vor allem Falschmeldungen in sozialen Medien über die Identität eines
       Messerangreifers, der [4][am Montag in der nordwestenglischen Stadt
       Southport drei Mädchen im Alter von sechs, sieben und neun Jahren
       erstochen] und mehrere Kinder sowie zwei Erwachsene teilweise
       lebensgefährlich verletzt hatte. Das Motiv ist unklar.
       
       Die Polizei betont, der 17 Jahre alte Tatverdächtige sei in Großbritannien
       geboren worden. Seine Eltern stammen aus Ruanda. Auch der
       rechtspopulistische Abgeordnete Nigel Farage, der einst den Brexit
       maßgeblich vorangetrieben hatte, spekulierte, ob die Behörden die Wahrheit
       verschwiegen. Kritiker:innen werfen ihm vor, die Randale damit
       anzuheizen.
       
       Für die Gewalt sollen laut Polizei vor allem Anhänger der sogenannten
       English Defence League, einer vor 15 Jahren gegründeten
       Anti-Islam-Organisation mit Verbindungen in die Hooligan-Szene,
       verantwortlich sein. Unter dem Motto „Genug ist genug“ wurde [5][auf
       rechtsextremen Kanälen in Onlinemedien für die Kundgebungen geworben]. Bei
       den Veranstaltungen selbst schwenkten Menschen die britische und die
       englische Flagge und skandierten Slogans wie „Stoppt die Boote“ – eine
       Anspielung auf Migranten, die über den Ärmelkanal nach Großbritannien
       kommen.
       
       In zahlreichen Städten organisierten Menschen antifaschistische
       Gegenkundgebungen. In Leeds zogen die Demonstrant:innen etwa mit Rufen
       wie „Nazi-Abschaum raus aus unseren Straßen“ durch die Stadt.
       
       5 Aug 2024
       
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