# taz.de -- Machtwechsel in Bangladesch: Bald eine echte Demokratie?
       
       > Der Machtwechsel in Bangladesch ist ein kleines Wunder. Das
       > Übergangskabinett von Muhammad Yunus macht Hoffnung.
       
       [1][Wochenlang wurde in Bangladesch protestiert]: Was als
       Studierendenbewegung gegen Quotenregelungen bei der Vergabe von
       öffentlichen Stellen begann, weitete sich schnell zum Massenprotest aus,
       dem sich zahlreiche Arbeiter:innen anschlossen. Am Ende war eine
       Forderung so deutlich wie noch nie in den vergangenen 15 Jahren:
       Premierministerin Sheikh Hasina muss abtreten. Und tatsächlich, sie wurde
       gestürzt.
       
       [2][Hasina fehlte am Ende von insgesamt 20 Jahren] als Regierungschefin des
       südasiatischen Landes der Rückhalt in der Bevölkerung sowie des
       einflussreichen Militärs. Die Demonstrationen wurden mit Gewalt,
       Ausgangssperren und Internetblockaden unterdrückt; bei Zusammenstößen mit
       Sicherheitskräften kam es zu Hunderten Toten.
       
       Nicht nur ihr Regierungsstil wurde zunehmend autoritär, auch die Reaktionen
       auf die anhaltenden Proteste waren so unerbittlich, dass sich das Militär
       nicht mehr geschlossen hinter sie stellen wollte.
       
       Verständnis für die Unzufriedenheit der Menschen, denen einerseits
       Freiheitsrechte entzogen wurden und die andererseits mit Arbeitslosigkeit
       und Inflation zu kämpfen haben, fehlte. Manche sagen daher, Hasinas
       Arroganz habe sie schließlich zu Fall gebracht.
       
       In den vergangenen Jahren hatte sie ihren Vater Mujibur Rahman als Gründer
       des Landes überhöht und sich damit als legitime Nachfolgerin zementiert.
       Freie oder faire Wahlen gab es dagegen schon seit Jahren nicht mehr.
       
       Hasina war jedoch eine Politikerin, die sich ihren Weg an die Spitze nach
       der Ermordung Rahmans erst erarbeiten musste. Doch dieses Trauma hat sie
       wohl nie überwunden. Das fällt auf in der Kommunikation: Ihr Sohn spricht
       davon, dass Hasina von der Bevölkerung „enttäuscht“ sei. Doch die
       76-Jährige, die sich seit ihrer Flucht in Indien befindet, steht nun nicht
       mehr im Mittelpunkt.
       
       ## Friedensnobelpreisträger is back
       
       Dafür [3][kehrte Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus] nach Dhaka
       zurück. Nun leitet der 84-Jährige die neue Übergangsregierung. Zwei
       Studierendenvertreter gehören ihr ebenso an wie Angehörige von
       Minderheiten, ein islamischer Gelehrter und Frauen wie eine Anwältin, die
       gegen den Bau von Kohlekraftwerken in der Nähe der empfindlichen
       Mangrovenwälder eintritt.
       
       Sorgen bereitet die für das Land so wichtige Textilwirtschaft, bei der es
       wegen der Unruhe zu Produktionsrückständen gekommen ist. Doch manche
       Handelsketten haben angekündigt, keine Preisnachlässe aufgrund von
       Verzögerungen einzufordern. Das sind die internationalen Signale, die es
       braucht. Nun bleibt die Hoffnung, dass im 170 Millionen Einwohner:innen
       zählenden Land auch bald freie und faire Wahlen stattfinden.
       
       9 Aug 2024
       
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 (DIR) Natalie Mayroth
       
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